unsere zeit - Zeitung der DKP11. August 2006

Ausland

Form und Inhalt
Die DKP-Brigaden haben auf Kuba gute Arbeit geleistet

Derzeit findet auf Kuba ein großangelegtes Sanierungsprogramm der Gesundheitseinrichtungen statt. Indirekt sind davon auch die Solidaritätsprojekte der DKP in Matanzas und Cárdenas betroffen.

Zwischen 1995 und 2002 hatten Arbeitsbrigaden, bestehend aus Hunderten von Mitgliedern und Freundinnen und Freunden der DKP, insgesamt drei Familienarztpraxen, eine Rehabilitationsklinik und eine Klinik für Kinder mit nervlichen Entwicklungsstörungen gebaut; außerdem wurde dabei auch Wohnraum für das Pflege- und Arztpersonal geschaffen. Da die Bedingungen für Gebäude mit Farbanstrich in den Tropen, noch dazu unter Einfluss der salzhaltigen Meeresluft, nicht gerade günstig sind, müssen u. a. immer wieder Malerarbeiten vorgenommen werden. Aber auch Wasserschäden sind da und dort aufgetreten.

Grundlage der Vereinbarungen zwischen der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) und der Deutschen Kommunistischen Partei war neben dem Bau und der Inneneinrichtung der Gebäude aber auch deren Instandhaltung. Deshalb sind regelmäßig Mitglieder der Kuba-AG des Parteivorstands nach Matanzas und Cárdenas gereist, um Schäden zu beheben oder Material zu deren Beseitigung zu übergeben. Im vergangenen Jahr schließlich hatte eine kleine Gruppe Ausbesserungen an allen Gebäuden vorgenommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wenn es auch immer wieder etwas zu tun gäbe.

Die Familienarztpraxis "Tamara Bunke", das erste Solidaritätsprojekt mit dem sozialistischen Kuba, wird zur Zeit weitgehend als Labor für Blut- und andere Untersuchungen genutzt, solange die Poliklinik des Stadtteils Playa renoviert wird. Stück für Stück werden alle Gesundheitseinrichtungen des Landes innerhalb der "Programme der Revolution" ausgebessert; zum Teil wird aber auch deren Struktur verändert. Alle Polikliniken (in der Provinz Matanzas sind das immerhin 40, in der gleichnamigen Provinzhauptstadt sechs) haben jetzt Reha-Abteilungen. Daher ist die Rehabilitationsklinik "Ernst Buschmann", die sich gleich auf dem Nachbargrundstück der Familienarztpraxis befindet, zu einem Bestandteil der Poliklinik in Playa geworden. Ihre Funktionen wie Hydromassage, Elektrotherapie und andere Rehabilitationsmaßnahmen, zum Beispiel mit Mischverfahren aus Naturheilkunde und traditioneller Medizin, sind aber im Gebäude geblieben. Bei ihrer Fertigstellung 1997 war die Klinik auf Kuba einzigartig gewesen, betont PCC-Provinzleitungsmitglied Armando Castaneda bei einer Begehung stolz.

Alle Gebäude, die von den DKP-Brigaden in Zusammenarbeit mit kubanischen Bautrupps errichtet wurden, sind auch mit Einrichtungsgegenständen und teils hochwertigen Apparaten bestückt worden. So auch die Doppelfamilienarztpraxis "Celia Sánchez", die 1999 gebaut wurde. Wie die anderen Gebäude hat auch sie die vergangene Hurrikansaison gut überstanden, von dem noch die überkreuz mit Band beklebten Fensterscheiben zeugen. Die Klebebänder reduzieren die Vibration und damit die Bruchgefahr.

Ein Erfolg der ganz besonderen Art wurde die Kinderklinik "Rosa Luxemburg" in Cárdenas, sechzig Kilometer östlich von Matanzas. Sie wurde am 18. September 2002 in den Räumen der ehemaligen "Llaca-Schule", die durch die DKP-Brigade umgebaut wurde, eröffnet. Sie ersetzte eine sehr notdürftige Kleinstpraxis, wie der Klinikleiter Dr. Jorge Rodríguez erläutert. Seit ihrer Gründung 1992 steht er der Einrichtung vor, die sich der Entwicklung von Kindern mit Störungen des Nervensystems widmet. 4 700 kleine Patientinnen und Patienten konnten bereits therapiert werden. Die Erfolge der Klinik, die nicht unwesentlich darauf basieren, dass die verschiedensten Spezialisierungen nun im gleichen Haus untergebracht sind, während die Eltern der Kinder früher oft Dutzende Kilometer fahren mussten, wurden inzwischen mit Ehrungen auf nationaler und provinzieller Ebene anerkannt. Die Klinik "Rosa Luxemburg" ist als nationales Referenzzentrum anerkannt worden. Der Anteil von entwicklungsgestörten Kindern ist auf Kuba inzwischen auf dem Niveau der weitest entwickelten Industrienationen angekommen: drei Prozent. In der Provinz Matanzas ist deren integrale Behandlung gesichert, andere Provinzen kopieren das Modell.

Auch die Universität von Pennsylvania (USA) ist auf das Projekt aufmerksam geworden: eine Delegation, die sich über die Blockadebestimmungen hinwegsetzte, machte sich in Cárdenas mit dem integralen Behandlungssystem vertraut. Dr. Rodríguez erklärt den Zusammenhang zwischen wissenschaftlicher Therapieerkenntnis und sozialistischem Gesellschaftssystem: "Neurophysiologen, Allgemeinärzte, Physiotherapeuten und andere Spezialisten arbeiten als Gruppe zusammen und können dabei auf die Gesellschaft setzen. Der Umstand, dass wir keine Vereinzelung kennen und dass die Menschen Kontakt suchen und diesen über die gesellschaftlichen Gruppen auch immer bekommen, ist enorm nützlich bei der Therapie. Da sind die CDR (Komitees zur Verteidigung der Revolution) genauso wichtig wie aber auch der karibische Lebensstil, der Bewegung begünstigt, die wiederum bei Nervenentwicklungsstörungen von grundsätzlicher Wichtigkeit ist."

Tatsächlich weisen auch andere Daten auf den hohen Stand des kubanischen Gesundheitssystems hin: in seiner Rede zum Jahrestag des Sturms auf die Moncada-Kaserne sagte Revolutionskommandant und Staatschef Fidel Castro am 26. Juli in Granma, dass die Kindersterblichkeit auf ein neues Rekordtief zusteuert - 5,6 auf 1 000 Lebendgeborene. 1952, so Fidel, hatte die Zahl bei 118 auf 1 000, also mehr als zwanzig Mal höher gelegen. Dass diese Zahlen mehr mit Sozialismus als mit allgemeinem Fortschritt zu tun haben, zeigen die Nachbarländer, wo die Kindersterblichkeit zwischen 30 und 120 auf 1 000 liegt.

Ein wenig hat das Ganze auch mit der internationalen Solidarität während der materiell weitgehend überwundenen Spezialperiode der letzten 15 Jahre zu tun. Dabei waren die vielen Menschen, die in ihrer Urlaubszeit Steine geschleppt, Fundamente ausgehoben und Wände gestrichen haben, für die Form zuständig - den Inhalt besorgten die kubanischen Ärzteteams. Beide haben sich gut ergänzt.

Günter Pohl
z. Z. Matanzas


Bild anzeigenIn der Klinik "Rosa Luxemburg" werden Kinder mit neurologischen Störungen behandelt.

Foto: M. I.


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