unsere zeit - Zeitung der DKP9. April 2010

Miami 5

Und immer wieder Isolationshaft

Es scheint, als hätten die US-Justizbehörden Anordnung, keine Möglichkeit auszulassen, die Cuban Five zu schikanieren. In einem Brief an Alicia Jrapko vom Internationalen Komitee für die Freiheit der Cuban Five berichtet Antonio von seiner Überführung von Florida nach Colorado. Unterwegs wurde er vom 26. Januar bis zum 12. März in Oklahoma 18 Tage lang in einer Isolationszelle, im so genannten Loch, "zwischengelagert". Im einzelnen schrieb er: "Ich könnte hier über zahllose Details der Verlegung von Miami in unsere Gefängnisse schreiben. Die Behandlung, die sie uns angedeihen ließen: Trennung, schwarze Kiste, Strafzellen, es überraschte nicht, es ist immer dasselbe. Den Gefängnisbehörden bedeutete die Ermäßigung unserer Strafen nichts.

Vor allem mein Aufenthalt im Bundesübergangszentrum in Oklahoma war lang. Achtzehn Tage, isoliert, in einer Zelle des sogenannten ´Lochs´, Tage, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen. Mit ein bisschen Papier und winzigen Bleistiftstummeln schrieb ich das Tagebuch dieser Tage ebenso wie eine Anzahl von persönlichen und sehr speziellen Briefen, entstanden in dieser Einsamkeit, und indem ich Verse von Juan Ramón Jiménez paraphrasierte: ´Du bist Gott Deiner Brust, Du bist allein Universum, Du bist einer in Deinem Zentrum.´ Nur ein Teil dieses Tagebuchs und einer der neun geschriebenen Briefe erreichten ihr Ziel. Es schmerzte mich sehr, dass dies passierte, und ich rekapitulierte die Gedichte, um die Erlebnisse jener Isolation wiederzubeleben und irgendwie den nicht wiederherstellbaren Verlust zu ersetzen. Zwischen dem 3. und 16. März, schon wieder in Florence, entstanden diese Gedichte, als eine Art Tagebuch, und ich empfehle, sie als einziges Gedicht zu lesen (wie man angeblich die Sonette von Shakespeare lesen muss, selbstverständlich abgesehen von dem großen Unterschied zwischen diesem klassischen Werk und meinem bescheidenen Schaffen).

Für diese Gedichtsammlung entschied ich mich, zehnsilbige Verse zu schreiben mit freier Reimung, in der Menge von Versen eines Sonetts. Es ist nicht meine Absicht, die rhythmische Schönheit zu finden oder die Vollkommenheit der Strophe, viel weniger noch etwas Neuartiges zu schaffen.

Einzig und allein beanspruche ich, den Leser zu den Winkeln meiner Seele wegen jener Tage der Ungerechtigkeit und der totalen Isolation zu führen, obgleich auch, wie Dario sagen würde: ´mein Protest bleibt geschrieben´, gegen die Behandlung und gegen den ungewöhnlichen Verlust." (Übers.: Günter Belchaus)

Die Gedichte liegen leider noch nicht auf Deutsch vor. Falls jemand sich bei uns (josiedirk@web.de) melden würde, die/der sich diese Übersetzung aus dem Spanischen zutraute, wären wir ihr/ihm sehr dankbar. Wir hielten das nicht nur für einen Liebesdienst an Antonio, sondern auch für eine Möglichkeit, noch mehr Sympathie für die Fünf zu gewinnen. Während die US-Behörden sie weiterhin schikanieren, versuchen ihre US-Freunde gleichzeitig und unermüdlich, auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Wie wir von Gloria La Riva vom National Comittee to Free the Cuban Five erfuhren, trugen inzwischen Aktivitäten in Eugene, Oregon, wesentlich zum Bekanntheitsgrad der Cuban Five bei. In deren Mittelpunkt stand die Wanderausstellung mit Antonios Werken, Aus meiner Höhe. Diesmal fand sie während des gesamten Monats März in der Innenstadt von Eugene statt.

Das Komitee aus Eugene habe einen Abend lateinamerikanischer Musik, eine Rede von Anwalt Leonard Weinglass, eine zweisprachige Dichterlesung mit Antonios Gedichten und einen Abend mit kubanischer Musik damit verbunden und so größtmöglichen Nutzen aus der Präsentation der Ausstellung gezogen. Hunderten von neuen Leuten sei die Information über den Fall der Cuban Five nahe gebracht worden, und das Komitee von Eugene habe ein bewunderungswürdiges Beispiel dafür geliefert, wie man Antonios Kunst in unserem gemeinsamen Kampf zur Befreiung der Fünf nutzen könne

Josie Michel-Brüning und Dirk Brüning


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