unsere zeit - Zeitung der DKP13. Mai 2011

Miami 5

"... aber er ist unser Hurensohn"

Am 25. April wurde Gerardos Gesuch, seine "tatsächliche Unschuld" vor Gericht beweisen zu können, durch einen Gegenantrag der Staatsanwältin Caroline Heck-Miller, die ja auch für die Verurteilung der Fünf im 1. Verfahren 2001 und für den letztendlichen Freispruch des Terroristen Luis Posada Carriles 2011 maßgeblich war, beim Bundesgericht in Miami zunächst blockiert, wenige Tage darauf blockierte sie auch die entsprechenden Gesuche von Antonio und René.

In Kürze werden die Anwälte eine Gegendarstellung einreichen, und dann muss Richterin Lenard entscheiden. Die Anwälte sind darauf gefasst, auch noch vor den Supreme Court zu gehen. Am 27. April verstarb der langjährige Komplize Posadas, Orlando Bosch, 84-jährig eines natürlichen Todes in Miami. Gerardo und Fernando hatten ihn vor ihrer Verhaftung unbewaffnet beschattet.

Am Abend des 1. Mai verkündete Präsident Obama dem staunenden Volk den Tod seines "Erzfeindes" seit "9/11", mit den Worten "Justice is done!" (Nicht dem Gesetz, sondern der "Gerechtigkeit ist Genüge getan").

Wie umstritten Osama bin Ladens Rolle als Al-Kaida-Chef auch sein mag und wiewohl er ursprünglich der CIA in Afghanistan nützlich bei der Koordinierung des Widerstands der Mudschahedin und Taliban gegen das Nadschibullah-Regime und gegen die zu Hilfe gerufene sowjetische Armee war - nach dem "probaten" Motto, das auch für "anti-Castristen" gilt, "Er mag ein Hurensohn sein, aber er ist unser Hurensohn" - scheint das sich wiederholende und wenig variable Muster der Taktik jeweiliger US-Regierungen - angefangen von ihrem Blutbad in Guatemala 1954 über das am 11. September 1973 in Chile bis zu den heutigen "Racheaktionen" - von der Mehrheit des amerikanischen Volkes noch nicht durchschaut zu werden. Obama und seine Berater scheinen darauf zu vertrauen, dass es ihm diesmal tatsächlich zu seiner Wiederwahl 2012 verhilft. Dass der loyale Beifall unserer Kanzlerin am 5. Mai auch in "Monitor" von Rechtsexperten angeprangert wurde, ermunterte uns dazu, dort noch einmal den Fall der Fünf ins Gespräch zu bringen. Unser irischer Compañero Simon McGuinness fragte sich in einem anderen Internetforum, bei "Machetera", am 4. Mai zur "Ermordung Osama bin Ladens, wie wohl der ´bellende Mob´, der die Fernsehübertragungen dazu auf dem Times Square lauthals begrüßte, auf folgende Meldung reagiert hätte: Der kubanische Präsident Raúl Castro hat einen erfolgreichen Überfall auf die Villa von Luís Posada Carriles bekannt gegeben und berichtet, dass der Terrorist, seine Frau, sein Sohn und einige nicht identifizierte Personen nach einem Schusswechsel von einem kubanischen Kommando getötet worden seien. Sein Körper sei fotografiert und auf See bestattet worden. Kein Kubaner habe sein Leben verloren. Die Welt ist ein sichererer Ort ohne ihn. Gott schütze Kuba.´ Der Unterschied ist natürlich, dass Posada ein verurteilter Terrorist, ein bekennender Massenmörder und ein Justizflüchtling ist, den die US-Regierung sich weigert auszuliefern. Wir haben nur die Aussage des US-Präsidenten, dass Osama bin Laden für jeden Terrorakt verantwortlich sei.

Der andere Unterschied ist der, dass der kubanische Präsident seine politischen Gegner nicht umbringen lässt."

Am 6. Mai demaskierte Saul Landau auf CounterPunch den "Mythos nationaler [US-]Sicherheit" über die an dem jungen Gefreiten Bradley Manning monatelang gesetzwidrige begangene Isolationsfolter wegen angeblicher Weitergabe von US-Militärgeheimnissen an WikiLeaks, wie bei den Cuban 5 noch vor einer Gerichtsverhandlung. Landau schreibt u. a.:

"Für Washingtons Machthaber besteht das eigentliche Verbrechen in ihrer öffentlichen Demütigung. Es geht nicht um die illegalen Kriege ... Zur Erinnerung: Sie präparierten die Öffentlichkeit mit ´Durchsickern lassen´ von Lügen und entstellten ´Geheim´-Informationen, um ihre Invasion des Iraks zu rechtfertigen."

Wir möchten hiermit an Saul Landaus jüngsten, die Fünf entlastenden Dokumentarfilm "Will The Real Terrorist Please stand Up", erinnern.

Josie und Dirk Brüning


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