unsere zeit - Zeitung der DKP11. November 2011

Internationale Politik

Mafia diktiert Berichterstattung

René Gonzalez, der am 7. Oktober als erster der "Cuban 5" "wegen guter Führung" auf Bewährung aus dem Gefängnis in Marianna, Florida, freigelassen wurde, konnte unmittelbar danach zwei Video-Botschaften an seine Familie und Freunde in Kuba versenden. Jetzt ist es still um ihn geworden. Sein aktueller Aufenthalt ist nicht bekannt. Er soll laut Auflage des Gerichts noch drei Jahre in der Nähe Miamis verbringen, um sich regelmäßig bei dem ihm zugeteilten Bewährungshelfer melden zu können. Ob es sein Anwalt schafft, das Gericht dazu zu bewegen, ihn doch vor Ablauf der Bewährungsfrist nach Kuba zurückkehren zu lassen, steht in den Sternen.

Natürlich fragen wir uns, wie es ihm geht. Wie aber schon berichtet wurde, muss man in der Hochburg der Terroristen Angst um seine Sicherheit haben und es wäre nicht klug, die potentiellen Mörder durch Berichterstattung über seinen Verbleib auf seine Spur zu bringen. Immerhin haben die anderen vier von seiner "Freilassung" insofern profitiert, als US-Medien und sogar die "taz" den Fall wieder aufgegriffen haben. Besser eine schlechte Presse als gar keine. Es bietet zumindest die Gelegenheit, den jeweiligen Presseorganen mit Gegendarstellungen über Online-Kommentare und Leserbriefe auf die Finger zu klopfen. Die Massenmedien und Wikipedia haben die Version der Mafia übernommen, wonach die Fünf im US-Südkommando "spioniert" hätten, dass die beiden Flugzeuge von "Brothers to the Rescue" im Februar 1996 von der kubanischen Luftwaffe über internationalem Gewässer abgeschossen worden seien und Gerardo in diesen Vorfall involviert gewesen sei. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass selbst die Staatsanwaltschaft, nachdem sie zuvor 80 Prozent der beschlagnahmten Dokumente für "geheim" erklärt hatte, sich wegen fehlender Beweise für Spionage auf die Anklage "Verschwörung zur Spionage" verlegt hatte. Das hatte 2009 zur Strafreduzierung für Ramón, Antonio und Fernando geführt. Die Anklage auf "Verschwörung" basiert, wie aus der Urteilsbegründung für die Strafreduzierung vom Juni 2008 noch einmal hervorgeht, allein auf der Aussage von Joseph Santos, einem der anderen ursprünglich 10 Verhafteten. Der hatte ausgesagt, er habe es zwar nicht geschafft, im Südkommando zu spionieren, habe aber von seinen Mitangeklagten den Auftrag dazu erhalten. Im Gegenzug für seine "Kooperation" erhielt er eine viel geringere Strafe. Die Anklage gegen Gerardo auf "Verschwörung zum Mord" stützt sich dagegen unter anderem auf die Aussage des 1. Offiziers des Kreuzfahrtschiffes "Majesty of the Seas", das während des Ereignisses in der Nähe gewesen sei. Björn Johansen berief sich aber auf seinen "visuellen Eindruck" und nicht auf gesicherte Daten zur Lokalisierung des Schiffes.Dazu schrieb Prensa Latina am 24. Oktober, der brasilianische Autor Fernando Morais habe in seinem Buch "Die letzten Soldaten des Kalten Krieges" entsprechende Ergebnisse seiner Recherche veröffentlicht. Der Autor sagt, die Anwälte der Fünf hätten versäumt zu fragen: "Wem gehörte die ´Majesty of the Seas´"? Tatsächlich habe sie der Royal Caribbean Cruises gehört, deren Unternehmen wiederum die "Cuban American National Foundation" mitfinanzierte und deren zweiter Chef im Februar 1996 Mitglied der CANF war. Unerklärlicherweise sei dessen Befangenheit nicht verifiziert und vor Gericht zugunsten der Fünf verwendet worden. Hinzu komme die Weigerung der US-Regierung, "die Radardaten über den genauen Ort, an dem die beiden Flugzeuge der antikubanischen Organisation abgeschossen wurden, auszuhändigen ...", was Havanna immer noch fordert, wie es daran festhält, dass die beiden Flugzeuge über kubanischen Gewässern abgeschossen wurden.

Josie und Dirk Brüning


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