unsere zeit - Zeitung der DKP27. Januar 2012

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Für die 5 brauchen wir die Unterstützung!
Interview mit Nicole Drücker, Leiterin der
AG Kuba-Solidarität beim Parteivorstand der DKP

UZ: Du bist nach dem Frankfurter Parteitag der DKP zur Leiterin der AG Kuba Solidarität gewählt worden. Am vergangenen Wochenende habt ihr eine Sitzung durchgeführt. Um was ging es dabei?

Nicole Drücker: Wir haben den Besuch des Genossen Noel Carillo aus Kuba genutzt, um aus erster Hand etwas über die aktuelle Situation in Kuba zu erfahren. Kuba steht ja mit der Umsetzung der letztes Jahr beschlossenen Richtlinien vor großen Herausforderungen. Neben den Veränderungen im wirtschaftlichen Bereich muss auch die Aufgabe gemeistert werden, die Führung an die jüngere Generation zu übergeben. Der Prozess ist von den Revolutionären der ersten Stunde initiiert worden - weiterführen muss diesen Prozess aber die junge Generation, die vor einer genau so schweren Schlacht steht wie z. B. die Milizen, die im April 1961 den Angriff der US-Söldner zurückgeschlagen haben. Bewundernswert sind in diesem Prozess der Aktualisierung des Wirtschaftssystems die lebhaften Diskussionen, die überall in Kuba stattfinden, und auch die Art und Weise, wie Kritik geübt wird. Gerade Raúl Castro benennt immer wieder Schwächen und Fehler und diese Äußerungen muten erst einmal hart an; gleichzeitig spricht aus der Kritik aber auch das Vertrauen in die Menschen, dass diese sich ändern können und werden. Fidel sagt ja, dass Revolution heißt, alles zu ändern, was geändert gehört, und diesen Weg beschreiten die Kubanerinnen und Kubaner.

UZ: Der Kampf um die Freilassung der fünf Kubaner ist bekanntlich von großer Wichtigkeit. Der Parteivorstand hat ja einen Aktionstag für den 17. März beschlossen ...

Nicole Drücker: Ja, im November hat der Parteivorstand auf Antrag der Internationalen Kommission und der AG Kuba-Solidarität einen bundesweiten Aktionstag beschlossen. In sechs Städten sollen Kundgebungen vor den US-Konsulaten bzw. der Botschaft für die Befreiung der 5 stattfinden. Auf Initiative der Genossinnen und Genossen der DKP und der SDAJ sollen lokale Bündnisse gebildet und nach Möglichkeit Gewerkschaften und prominente Persönlichkeiten für die Kundgebungen gewonnen werden. Wichtig ist uns, den permanenten Terror, der von US-amerikanischem Boden gegen Kuba ausgeübt wurde und wird, in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Das wurde auch so auf dem letzten Kolloquium für die Befreiung der 5 in Holguín als zentraler Punkt benannt.

Außerdem ist es uns ein Anliegen, die Miami 5 in den Mittelpunkt zu stellen. Die Verurteilung der 5 richtet sich nicht allein gegen sie als Menschen, die sich dem Terror entgegengestellt haben, sondern natürlich gegen das sozialistische Kuba. Kuba hat es gewagt, im Hinterhof der USA einen eigenständigen Weg zu gehen und eine Gesellschaft aufzubauen, in der die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt stehen und nicht der Profit. Die USA und die Exilkubaner haben von Beginn an die kubanische Revolution bekämpft, anscheinend ruft ihr fortwährendes Scheitern Rachegefühle hervor, die auch in dem Prozess gegen die 5 deutlich wurden. Aber auch, wenn der Angriff gegen das gesamte kubanische Volk geht, eigentlich gegen alle, die eine fortschrittliche Gesellschaftsordnung anstreben, so sind es doch die 5, die mit ihrem Leben individuell dafür einstehen müssen und dies seit über 13 Jahren getan haben. Deswegen gehören ihnen unser Respekt und unsere Solidarität.

Eingesperrt sind fünf Menschen, die ihre Liebsten sehen möchten, endlich wieder in ihrer Heimat sein, die genauso Ängste und Hoffnungen haben, wie wir alle. Menschen, die dichten und musizieren, diskutieren und schreiben und denen mit ihrer Freiheit all das genommen ist; abgesehen von dem, was sie sich mühsam im Knast erkämpfen.

Damit unser Aktionstag ein Erfolg wird, ist die Unterstützung einer jeden Genossin, eines jeden Genossen notwendig. Es gibt vielfältige Möglichkeiten zu helfen: Ihr könnt Unterstützer unter den Aufruf sammeln oder in euren Städten Verteilaktionen organisieren. Sprecht den Fall der 5 in eurem Bekanntenkreis an und in euren Betriebsgruppen.

Aktuelle Informationen zum Aktionstag könnt ihr auf der Internetseite der AG Kuba abrufen.

UZ: Neben dem Kampf um die Befreiung der Miami 5, was sind heute eure Aufgaben? Die Zeit der materiellen Solidarität, wo die AG Kuba-Solidarität mit Klaus Czyborra manchmal schier Unglaubliches geleistet hat, liegt ja hinter uns.

Nicole Drücker: Ich würde hinzufügen, dass es dazu immer auch politische Solidarität gab. Neben dem Aufbau und der Unterstützung der Projekte in Matanzas - was ja schon an sich eine großartige Leistung war - hat die AG ja auch immer Rundreisen mit Kubanerinnen und Kubanern organisiert, um über die Situation auf Kuba zu informieren. Wenn man sich da z. B. die Rundreise im Jahr 2001 mit Julia Villaurrutia, einer Ärztin aus Matanzas, ansieht: innerhalb von einem Monat über dreißig Veranstaltungen! Auf diesen Erfahrungen und den ganzen Kontakten bauen wir heute auf. Aber es stimmt, dass sich der Schwerpunkt unserer Arbeit verschiebt. Die wichtigsten Aufgaben, neben dem Streit für die Freiheit der 5, sind heute weiterhin der Kampf gegen die Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade, mit denen die USA und auch die anderen imperialistischen Staaten versuchen, Kuba wirtschaftlich zu erdrücken und die sich gegen die gesamte kubanische Bevölkerung richtet. Kuba muss beispielsweise Kleinkinder am offenen Herz operieren, weil sie durch die Blockade nirgendwo auf der Welt Herzkatheter für Kinder kaufen können.

Für uns ist es außerdem ebenso wichtig, gegen den gemeinsamen Standpunkt der EU vorzugehen, der in anderer Form genau das gleiche Ziel verfolgt wie die Blockade, nämlich die Zerstörung des sozialistischen Kubas. Die BRD nimmt dabei in der EU eine führende Rolle ein. Insgesamt ist es natürlich schwer, gegen das Bild anzukämpfen, das von den bürgerlichen Medien über Kuba verbreitet wird und die Leute in der BRD nehmen vielfach völlig ungefiltert die ganze antikommunistische Propaganda eins zu eins auf. Ich denke, dass insbesondere die angeblichen Menschenrechtsverletzungen bei den Leuten verfangen, z. B. die ganze Medienkampagne und die Verurteilung Kubas durch die EU wegen des Todes des Gefangenen Zapata. Unsere Aufgabe ist es, die Doppelmoral und Heuchelei deutlich zu machen und zu veranschaulichen, wofür diese selbsternannten Hüter und Hüterinnen der Menschenrechte stehen. Außerdem ist es wichtig, dass wir mit unseren Veranstaltungen fortfahren, ein Stück kubanische Realität in die Bundesrepublik zu tragen. Mit allen Widersprüchen und Problemen, mit all den großen Herausforderungen, vor denen sie im Moment steht, überzeugt die kubanische Revolution doch von ganz alleine.

Die Fragen stellte
Günter Pohl


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