unsere zeit - Zeitung der DKP11. Juni 2004

Ausland

Die Ahnungslosigkeit von Chiquita
US-Multi finanzierte paramilitärische Mörder

Der US-amerikanische Bananenmulti "Chiquita Brands" hat Ende Mai bekannt gegeben in Kolumbien "eine terroristische Gruppe zum Schutz seiner Angestellten gegen ausbleibende Schutzgeldzahlungen" finanziert zu haben. Die UZ gibt einen Kommentar von Dick Emanuelsson aus der KP-Zeitung "Voz" in Auszügen wieder:

"Welche weiteren Firmen haben wohl Paramilitärs finanziert? Auch die Karten von Coca-Cola und dem Bergbauunternehmen Drummond gehören auf den Tisch. Chiquita sagt nicht, wie lang und mit wie viel Geld sie besagte Gruppe unterstützt hat. Auch welche der drei von den USA als ´Terroristen´ deklarierten Gruppen (FARC, ELN, AUC) das Geld bekam, sagt sie nicht. Aber es wäre ungewöhnlich, wenn ein US-Unternehmern eine der beiden Guerillas finanziert, die außerdem in Urabá, wo die Mehrzahl der Chiquita-Plantagen ist, nicht mehr präsent sein soll. Also bleiben nur die Vereinigten Selbstverteidigungsgruppen (AUC), die wie ihre Gründer, die Castaño-Brüder Fidel und Carlos, ursprünglich aus Uraba kamen. Seltsam die Erklärung von Chiquita zu ihrer Selbstanzeige: ´Die freiwillige Enthüllung wurde dem Justizministerium bekannt gegeben, weil das Unternehmen erfuhr, dass diese Gruppen zu terroristischen Organisationen erklärt wurden und es fortan ein Delikt war sie zu unterstützen.´

Heißt das, dass die Chiquita-Chefs zuvor nicht wussten, dass die AUC-Paramilitärs in Urabá "Mochacabezas" unterhielten, die Bananenarbeiter köpften? Sie sind also erst aufgewacht, als die US-Regierung die Paramilitärs zu Terroristen erklärte. Das war im April 2003, warum brauchte Chiquita dreizehn Monate für die Erklärung?

Während der Neunzigerjahre wurden in Urabá tausend Mitglieder der Linken, hauptsächlich der Patriotischen Union, ermordet, wobei es sich meist um Bananenarbeiter handelte. Die Paramilitärs begingen die barbarischen Morde nach Angaben von Menschenrechtsgruppen und sogar eines beteiligten Obersten mit Hilfe der 17. Heeresbrigade und von General Rito Alejo del Río. Dieser wurde verhaftet und durch Staatsanwalt Osorio wieder auf freien Fuß gesetzt.

1988 hatte in Ciénaga die Bananenarbeitergewerkschaft wiedergegründet werden sollen, aber ihr Anführer, der Kommunist Emiliano Cayetano, wurde mit zwei weiteren Genossen ermordet. Drei Jahre danach kam ich nach Ciénaga, wo es den ersten Streik seit 1928 gab (als die United Fruit Company 3 000 Arbeiter ermorden ließ), aber 1996, bei meinem zweiten Besuch, waren alle Gewerkschaftsführer tot oder durch Terror vertrieben. Im Jahr 2000 war es schon ein heimlicher Besuch der Fincas, denn die Paramilitärs waren bereits überall in Ciénaga und dem Department Magdalena präsent, so der örtliche Vorsitzende der Gewerkschaft SINTRAINAGRO, José Guette. Gerade wurden Tarifverträge ausgehandelt; ich schrieb einen fünfseitigen Bericht für die schwedische Gewerkschaftszeitung. Zwei Wochen später wurde José Guette ermordet.

Die Friedhöfe von Urabá und Ciénaga sind voll mit Leichen von Bananenarbeitern, die Opfer der Gier der Aktionäre wurden, die nie ihren Fuß auf die Pfade der Plantagen gesetzt haben, über die die Arbeiter oft um ihr Leben liefen.

Chiquita wird natürlich dementieren, dass es Paramilitärs finanziert hat. Derzeit will Chiquita Kolumbien verlassen, laut SINTRAINAGRO soll ColBán, die kolumbianische Erzeugergemeinschaft, die Fincas kaufen. Tausende Arbeiter werden in Unsicherheit zurückgelassen. Immer wenn die Weltmarktpreise sinken haben die US-Bananenmultis eine Entschuldigung für ihr Weggehen und widmen sich nur noch dem Zwischenhandel."

Übers. und Bearbeitung:
G. Pohl


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