unsere zeit - Zeitung der DKP7. Mai 2010

Marxistische Theorie und Geschichte

Kuba und die DDR -
eine zärtliche Beziehung

Der Insider Heinz Langer berichtet

Kuba und kein Ende. Heinz Langer, Botschafter der DDR in Kuba von 1975 bis 1979 und von 1983 bis 1986, hat der anwachsenden Literatur zum revolutionären Weg des kubanischen Volkes ein weiteres Werk beigesellt: "Zärtlichkeit der Völker. Die DDR und Kuba", eben erschienen im Verlag Wiljo Heinen, Berlin.

Der Titel von Langers Buch geht, was uns unser langjähriger kubanischer Freund Manuel Garcia Paz erst vor einigen Monaten in einem Brief bestätigte, auf einen Ausspruch Ernesto "Che" Guevaras zurück und lautet in seinem vollen Wortlaut "Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker". Dies am Beispiel zweier Staaten - der DDR und Kuba - nachgewiesen und geschichtsträchtig verdeutlicht zu haben, ist das Verdienst von Heinz Langer und seinem aufrüttelnden Buch. Aufgegliedert in zehn übersichtliche Kapitel mit zahlreichen thematisch begrenzten Unterkapiteln, betrachtet er detailreich in drei eng miteinander verknüpften Sachsträngen den steinigen und kampferfüllten Weg des kubanischen Volkes seit den Tagen der nationaldemokratischen Revolution, die Geschichte der festen freundschaftlichen und solidarischen Beziehungen zwischen der DDR und Kuba sowie seine eigene Entwicklung vom Arbeiterjungen zu einem erfolgreichen hochrangigen Diplomaten seines sozialistischen Vaterlandes.

Hier wird also Geschichte aufgearbeitet: parteilich, überzeugend, grundehrlich, offen, kritisch und selbstkritisch - innenund außenpolitische Geschichte ... Langer erzählt als Insider, fern jeder Phrase, nüchtern, aber leidenschaftlich bewegt und ständig auf Wesentliches bedacht. Er ist mit Recht stolz auf das seinerzeit Geleistete und verurteilt letztendlich die Kuba-Politik der Bonner Regierung, die nach der so genannten Wiedervereinigung "alle 64 Abkommen, Verträge und Vereinbarungen, die zwischen der DDR und Kuba bestanden, einseitig und ersatzlos annulliert" hat, "ohne die Konsequenzen für Kuba zu berücksichtigen".

Manchmal spürt man den Atem der Weltgeschichte; dann wieder liest man von der Überheblichkeit gewisser Politbüromitglieder und immer wieder von den ständigen Schwierigkeiten beider Seiten bei der Erfüllung der eingegangenen wirtschaftlichen Verpflichtungen, Schwierigkeiten, die weniger im subjektiven Bereich der Verantwortlichen lagen, als vielmehr in den objektiven Grenzen der jeweiligen Nationalwirtschaften, die aber auch heraufbeschworen wurden durch überschwänglich geführte Gespräche einiger Politiker, die auf diese Weise ein falsches Bild des tatsächlichen Leistungsvermögens der DDR-Wirtschaft vermittelt hatten. Dennoch - unbestritten bleiben die von beiden Seiten trotz aller Irritationen erbrachten Leistungen und das tatsächlich Erreichte in den vielfältigen Ressorts der Volkswirtschaft, im Buch- und Verlagswesen, bei der Volksbildung, im Gesundheitswesen, in der Forschungs- und Hochschulpolitik, bei Film und Fernsehen, in den Bereichen der bewaffneten Organe und auch in denen des Leistungssports. Viel Raum gewährt Langer der nachdrücklichen Vorstellung Fidel Castros, dieses außergewöhnlichen Menschen mit seiner scharfen und unbestechlichen Intelligenz, seiner legendären Unverwechselbarkeit als Revolutionär und Staatsmann sowie seiner vielfach bezeugten Volksverbundenheit. Ausdrücklich gewürdigt werden die Ausbildung Tausender kubanischer Arbeiter und Intellektueller in der DDR sowie die von den Westmächten viel beschrienen und mit Hasstiraden bedachten militärischen Solidaritätsleistungen der Kubaner in Afrika, natürlich auch das selbstlose Auftreten kubanischer Aufbauhelfer in Vietnam.

Kuba, das den 51. Jahrestag seiner Revolution begeht, ist und bleibt uns persönlich nahe, nicht nur durch dieses Buch, das von der Solidarität, der tätigen "Zärtlichkeit der Völker", spricht, sondern auch über unsere schon mehr als vier Jahrzehnte währende Freundschaft mit Manuel Garcia Paz, einem Dolmetscher, der bei uns in Eisenach die deutsche Sprache erlernt hat und nun, nach Jahren intensiven Studiums, als Sprachmittler und Verfasser des Buches "Goethe in zwei Zeiten" tatkräftig im Sinne solidarischer Völkerfreundschaft wirkt.

Bernhard Igel


Heinz Langer, Zärtlichkeit der Völker. Die DDR und Kuba, Verlag Wiljo Heinen, Berlin 2010, 171 S., 9,50 Euro


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