unsere zeit - Zeitung der DKP18. März 2011

Feuilleton

Ein Verriss, der adelt
Spiegel-online gegen ein Kuba-Buch

Das Buch "Das neue Kuba in Bildern der Nachrichtenagentur Prensa Latina 1959/1969", hat den "Ritterschlag" erhalten, nämlich einen völligen Verriss auf Spiegel-online online. Also eine echte Motivation, sich das Werk jetzt anzuschaffen. Es geht der Autorin ganz offensichtlich weniger um eine Rezension des Bildbandes, sondern um eine allgemeine Anklage gegen die kubanische Revolution. Und das Ganze möglichst "mythisch". Da wird die erfolgreiche Abwehr einer Invasion (Schweinebucht 1961) "zum Fundament eines kubanischen Heldenmythos". Das Selbstverständnis des revolutionären Journalismus ("Wir sind objektiv, aber nicht unparteiisch ... nicht Partei zu ergreifen kommt für uns der Feigheit gleich, denn man kann nicht neutral sein zwischen dem Guten und dem Schlechten") wird, ohne sich erst der Mühen einer inhaltlichen Auseinandersetzung zu unterziehen, flugs umgebogen in ein sinnfreies "Die Guerilleros hatten so von Anfang an mitgewebt an ihrer eigenen Verklärung." Statt dessen wird moniert, dass nach dem Sieg der Revolution dieser "noch keineswegs perfekt war". Was für eine Überraschung! Auch zu Fehlschlägen im Verlauf der Entwicklung sei es gekommen. Na, Donner! Die Autorin verschweigt jedoch eine zentrale Tatsache: Im Unterschied zu, na sagen wir mal der kapitalistischen Bundesrepublik hat sich die kubanische Revolutionsführung immer dem Dialog mit dem Volk gestellt und gerade Fidel Castro war es, der immer wieder schonungslos Fehlentwicklungen und eigene Fehler mit dem Ziel der gemeinsamen Überwindung offen gelegt und kritisiert hat.

Die Autorin zitiert als einzige Literaturquelle den Historiker Michael Zeuske. Dieser ist nun aber nicht gerade für glühende Sympathien mit revolutionären Entwicklungen bekannt, weder in Kuba noch bspw. in Venezuela.

Die Autorin hätte ja beispielsweise die UNO und ihre Unterorganisationen, die Kuba regelmäßig ob dessen vorbildhaften Umsetzung der sozialen Menschenrechte auszeichnen, als Quellen auswählen können. Oder auch die UN-Vollversammlung, die bisher 19 Mal in Folge die barbarische US-Blockade gegen Kuba als völkerrechtswidrig verurteilt hat. Aber weder diese eindeutige Voten der Weltgemeinschaft noch die Blockade selbst kommen in Frau Grothes Weltbild vor. Stattdessen fordert sie von der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina, statt der Erfolge möglichst die Misserfolge in Kubas Geschichte in den Vordergrund zu stellen. Was für ein Unsinn! Die eigentliche Intention der Autorin und der Grund, warum Kuba derart bekämpft werden muss, wird an einer Stelle der Rezension deutlich: "Was Prensa Latina nicht zeigt: Es ist das gleiche Jahr, in dem auf Kuba neben Lebensmitteln nun auch andere Konsumgüter und Benzin rationiert werden; die Regierung Ladenbesitzer enteignet und Dienstleistungen verstaatlicht - und das Land durch die Beseitigung des Privateigentums an den Rand des Ruins bringt." Die Abschaffung des Privateigentums und die Entscheidung für den Sozialismus in Kuba ist es, was Professoren wie Zeuske, Rezensentinnen wie Grothe und die Herren des Imperiums im Weißen Haus nebst ihren Kumpanen in Berlin, London, Rom, Paris usw. nicht zur Ruhe kommen lässt.

"Ausgewogenheit", so beendet Frau Grothe ihre Suada, "war die Sache von Prensa Lantina nie; und über Jahrzehnte sollte sich daran wohl auch wenig ändern".

Ich antworte: Ausgewogenheit war die Sache von Spiegel (online) nie; und daran wird sich in den kommenden Jahrzehnten wohl auch wenig ändern.

Wer sich vorurteilsfrei und vielleicht sogar mit Sympathien der kubanischen Revolution nähern will, sollte dieses Buch lesen. Zusätzliche Anregung: Hinfahren und sich selbst ein Bild machen. Da purzeln dann die Vorurteile ...

Heinz-W. Hammer


Harald Neuber (Hrsg.): "Das neue Kuba in Bildern der Nachrichtenagentur Prensa Latina 1959/1969". Rotbuch Verlag, Berlin 2011, 192 Seiten, 19,95 Euro.


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