unsere zeit - Zeitung der DKP10. Dezember 2010

Internationale Solidarität

Kuba rettet Leben in Haiti

Ein Erdbeben tötete im Januar in Haiti 250 000 Menschen. Am 5. November zerfetzte ein Hurrikan die Zeltdächer, unter denen 1,3 Millionen Obdachlose Schutz suchten. Mitte Oktober brach die Cholera aus, an der bis zum 30. November 80 000 Menschen erkrankten, und tötete bis dahin fast 2 100. Experten sagen voraus, dass binnen sechs Monaten eine halbe Million Menschen daran erkranken werden.

Kubanische Ärztinnen und Ärzte stehen an vorderster Front bei der Bekämpfung der Folgen des Erdbebens. Sie haben 40 Prozent der bis jetzt an Cholera Erkrankten behandelt. Über 900 Ärztinnen, Ärzte und anderes medizinisches Personal aus Kuba halten den Berieb von 36 Cholera-Behandlungszentren aufrecht. UN-Sprecher Nigel Fisher berichtet, dass Kuba die größte Zahl dieser Zentren in Haiti unterhält.

Sie retten Leben. Insgesamt sind 2,3 Prozent der 69 776 Infizierten gestorben, aber von den 25 521 Infizierten, die von den Kubanern versorgt wurden, starben weniger als 1 Prozent. Am 27. November hatten die kubanischen Teams sieben Tage lang keinen einzigen Choleratoten zu verzeichnen. Der in Kuba ausgebildete argentinische Arzt Emiliano Mariscal, der in Haiti arbeitet, zollt den kubanischen Ärzten Respekt, die schon seit zwölf Jahren in Haiti arbeiten und auch Kranke in entlegenen Gebieten versorgen.

Auch Mediziner, die mit der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" verbunden sind, arbeiten in Haiti. In 20 Cholerazentren haben 150 von ihnen, unterstützt von einheimischem Personal, bis Mitte November 16 500 Cholerapatienten behandelt. Stefano Zannini, der Leiter der "Ärzte-ohne-Grenzen"-Gruppe, sagt: "Nach fünf Wochen haben zwei Akteure 80 Prozent der Behandlungen durchgeführt." Damit meint er Kuba und seine eigene Organisation.

Die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos appellierte am 24. November, es würden weitere 350 Ärzte und 2 000 Krankenschwestern gebraucht. Kuba kündigte an, es werde weitere 300 Mitglieder der Brigade "Henry Reeves", Fachleute für Katastrophenhilfe, entsenden, um zwölf weitere Behandlungszentren zu besetzen. Damit wächst die Zahl des in Haiti eingesetzten medizinischen Personals aus Kuba auf 1 300, unter ihnen Dutzende Absolventen eines Medizinstudiums an einer kubanischen Hochschule. Sie kommen aus 18 Ländern, unter ihnen sind auch Haitianer. Norwegen, Venezuela und Brasilien unterstützen die Arbeit der Kubaner mit Geld und Medikamenten.

Das Schweigen der Medien über die kubanische Hilfe veranlasst Angel Guerra Cabrera von der mexikanischen Tageszeitung "La Jornada zu den Worten: "Ich habe die Übersicht verloren über die Dutzende von Berichten und Interviews mit ... Organisationen inner- und außerhalb Haitis, in denen über Kubas Hilfe kein Wort verloren wird." Auch ohne die Cholera lebt die Bevölkerung Haitis schon unter den entsetzlichsten Umständen. Nur zwei Prozent des Erdbebenschutts sind in Porte-au-Prince bisher weggeräumt worden. Die meisten Haitianer, arbeitslos, mit schlechter formaler Bildung und vermeidbaren Gefährdungen ausgesetzt, leiden unter extremer Armut. Die durch Jean-Bertrand Aristides Wahlsieg im Jahr 2000 genährten Hoffnungen wurden durch den US-gestützten Putsch vier Jahre später zerschlagen. Seither setzen 9 000 UN-Soldaten und die Polizei das Verbot von Aristides Lavalas-Partei durch, über tausend Aristide-Anhänger wurden umgebracht.

Von den 5,3 Milliarden Dollar Katastrophenhilfe, die die reichen Staaten im März versprochen haben, sind ganze 2 Prozent angekommen. Washington wollte 1,15 Milliarden stellen, davon ist keine Rede mehr. Bis Mitte November sind 5 Millionen Dollar von den 164 Millionen geflossen, die die UN zur Cholerabekämpfung gefordert hatten. Sie sind immer schon unter dem Stiefel gewesen: Während der Besetzung durch die USA von 1915 bis 1934, von 1957 bis 1987 unter der USA-gestützten Diktatur von Vater und Sohn Duvalier, zwei Jahrhunderte lang. Als die Sklaven sich befreiten und die Nation errichteten, wollte Thomas Jefferson "die Pest auf der Insel eindämmen". Er begann mit einer Jahrzehnte währenden Handelsblockade.

Wenige Wochen vor seinem Tod am 7. September fragte der Führer der "Pfarrer für den Frieden", Lucius Walker, den früheren kubanischen Präsidenten Fidel Castro nach einer Lösung für Haiti. Castro schrieb: "Ohne eine Sekunde zu zögern sagte ich ihm: "In der gegenwärtigen Welt gibt es keine Lösung, Lucius, in der Zukunft, von der ich spreche, gibt es eine."

Dr. Emanuel Mariscal ist Teil dieser Zukunft. "Jeder junge Mensch liebt die Freiheit, träumt von Frieden und betrauert den Tod der kleinen Leute durch die Hand der vollgefressenen Riesen. Die Zukunft liegt in unserer Hand. Aus der Tat erwächst das Wohlergehen aller. Er fordert auf zum "ständigen Kämpfen" und zur Einheit.

W. T. Whitney

aus: "Peoples World", 2. Dezember
Übers.: M. Idler


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