unsere zeit - Zeitung der DKP27. Oktober 2000
KPUSA

Gus Hall gestorben

Gus Hall, lange Jahre Vorsitzender der KPUSA, ist am 13. Oktober in New York gestorben. Er wurde 90 Jahre alt.

Hall war einer der berühmtesten amerikanischen Kommunisten. Sein ganzes Leben war geprägt vom Eintreten für die Arbeiterklasse; an fast allen großen sozialen Auseinandersetzungen seines Landes im 20. Jahrhundert war er beteiligt. Er war ein typischer Vertreter jener hervorragenden Generation von Kämpfern für Arbeiterrechte, Frieden, Gleichheit, internationale Solidarität und Sozialismus. Wie Elizabeth Gurley Flinn, Paul Robeson, William Z. Foster, John L. Lewis, W.E.B. Du Bois und viele andere kommunistische und nichtkommunistische Persönlichkeiten, mit denen er zusammenarbeitete, hinterlässt er tiefe Spuren im Leben Amerikas.

Geboren als Sohn einer politisch aktiven Familie finnischer Einwanderer im Eisenerzgürtel Minnesotas, arbeitete Hall als junger Mann in den Holzfällercamps des Nordens. Mit 17 wurde er in der und für die Young Communist League, die Jugendorganisation der Kommunisten, aktiv, später kandidierte er in Youngstown, Ohio, als Vertreter der KP unter seinem Geburtsnamen Arvo Kusta Halberg für das Bürgermeisteramt. Als er Arbeit in der Stahlindustrie suchte, wusste er, dass er deshalb auf der Schwarzen Liste stand - deshalb nahm er den Namen Gus Hall an. Der blieb ihm.

In den 30er Jahren arbeitete Hall für das Organisationskomitee der Stahlarbeiter, war Gründungsmitglied der Stahlarbeitergewerkschaft und einer der Führer des "Kleinen Stahlstreiks" von 1937, mit dem die Stahlkonzerne gezwungen wurden, die Gewerkschaft anzuerkennen.

Später wurde Hall Funktionär der Kommunistischen Partei. Als unerschütterlicher Kämpfer gegen Rassismus und Faschismus meldete er sich bei Ausbruch des 2. Weltkriegs als Freiwilliger zur US-Kriegsmarine, für die er als Maschinist in Guam tätig war. Im März 1946 wurde er ehrenhaft entlassen. Im Juli 1948 wurde Hall zusammen mit elf weiteren führenden Kommunisten wegen angeblicher "Verschwörung zum gewaltsamen Sturz der US-Regierung" angeklagt. Die McCarthy-Ära, eine Zeit, in der viele Kommunisten und andere fortschrittliche Menschen um Lohn und Brot gebracht, ins Gefängnis geworfen und von der FBI gejagt wurden, war angebrochen. Hall verbrachte acht Jahre im Gefängnis, bis der Oberste Gerichtshof den Smith Act, das Gesetz, auf das sich Anklage und Verurteilung stützten, für verfassungswidrig erklärte.

Nach seiner Freilassung setzte Hall seine Aktivität in der Arbeiterklasse, für Demokratie, Frieden und Bürgerrechte fort. Viermal kandidierte er für die KPUSA unter der Losung "People before Profits" für das Präsidentenamt.

Er genoss großes Ansehen überall in der internationalen kommunistischen Bewegung, auch als Verfasser theoretischer Schriften.

Sam Webb, als Halls Nachfolger heute Vorsitzender der KPUSA, erklärte zu Halls Tod: "Gus Hall wird den fortschrittlichen Bewegungen und unserer Partei sehr fehlen. In den Stürmen der MacCarthy-Ära, in den Reagan/Bush-Jahren heftiger Angriffe gegen soziale Errungenschaften, in der Zeit der Rückschläge für den Sozialismus hat Hall unserer Partei geholfen, ihre klare Orientierung auf die Arbeiterklasse und die Bewegungen für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Sozialismus beizubehalten."


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