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Roter Oktober Bildungsthema: Revolutionen als "Lokomotiven" der Weltgeschichte - Die Rolle der Oktoberrevolution | ||||||||
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Die Revolution erfasste in den Folgetagen ganz Russland. Nach wie vor wird heute in den bürgerlichen Medien bzw. von bürgerlichen Historikern und Politikern behauptet, es habe sich bei der Oktoberrevolution um eine verbrecherische Verschwörung der Bolschewiki gehandelt, die in einem Putsch die rechtmäßige bürgerliche Regierung gestürzt hätten. Frage: War der Oktoberumsturz ein Staatsstreich, ein Putsch oder eine Revolution? Im Gegensatz zu einer Revolution wird unter "Putsch" der Versuch einer kleineren Gruppe gewaltsam die Regierung zu stürzen und die Macht in dem Staat diktatorisch zu übernehmen verstanden. Revolutionen sind im Gegensatz zu einem "Putsch" jedoch Ausdruck radikalen Umbruchs, "Knotenpunkte" der Weltgeschichte. Revolutionäre Epochen sind komplexe Erscheinungen, die in einem durchaus historisch auch länger währenden Prozess die Gesellschaft in ihrer Ganzheit umwälzen und in denen Massen von Menschen aktiv werden um ihre grundlegenden Interessen durchzusetzen. Revolutionäre Umbrüche bereiten sich in evolutionären Entwicklungsetappen vor, in denen
Lenin sah wie Marx revolutionäre Perioden als "die lebendigsten, wichtigsten, wesentlichen, entscheidenden Momente in der Geschichte der menschlichen Gesellschaften". Weil das so ist, weil in den revolutionären Epochen die gesellschaftliche Entwicklung beschleunigt wird und die geschichtsgestaltende Kraft der Klassen und Volksmassen besonders deutlich zutage tritt, nannte Marx die Revolutionen "Lokomotiven der Geschichte". Alle Veränderungen, die mit dem Revolutionsbegriff in Beziehung gesetzt werden - so unterschiedlich sie aufgrund verschiedener Bedingungen auch sind -, haben aus marxistischer Sicht zwei wesentliche Eigenschaften gemeinsam:
Der bürgerliche "Sowjetunionspezialist" Ruffmann schrieb, dass es sich bei der Oktoberrevolution um eine planmäßig vorbereitete und entsprechend durchgeführte Aktion einer "Minderheit" mit der Schubkraft einer tiefen revolutionären Massenströmung gehandelt habe. Doch dies allein, obgleich diese Situation wohl neu in der Geschichte war, dass es eine starke Organisation (die Bolschewiki hatten in ihren Reihen im Februar 1917 etwa 24 000 kampferprobte Mitglieder, bis zum Oktober 1917 stieg die Zahl der Mitglieder der Partei auf etwa 350 000 an) als revolutionäres "Zentrum" gab, war keine Garantie für den Erfolg der Revolution. Hinzu kam: Die Bolschewiki kämpften beharrlich um Mehrheiten in den Sowjets und der Bevölkerung für ihre Positionen gegen den Krieg und die bürgerliche Provisorische Regierung. Eine geduldige, aktive und langfristige Überzeugungs- und organisatorische Arbeit war nötig um diese Mehrheiten zu gewinnen. "Die russische Revolution war eine Volksrevolution, in der immer die Massen den Verlauf bestimmten. Das ändert nichts daran, dass Persönlichkeiten wie Lenin auf das Handeln der Massen entscheidend einwirken können, über Erfolg oder Niederlage entscheiden. Spontane Aktion und bewusstes Handeln vereint waren Garant des Erfolges. Lenin irrte sich nicht, als er die Möglichkeit der russischen Arbeiterklasse in der Revolution einschätzte." (Günter Judick: Lenins klare Strategie und bewegliche Taktik zwischen Februarrevolution und Oktober -Thesen. In: Geschichtskorrespondenz, Ausgabe April 2007) Indem versucht wird, die Oktoberrevolution als Putsch und als Verschwörung einer kleinen Gruppe darzustellen, soll zugleich negiert werden, dass die Oktoberrevolution - wie Lenin 1921, nach dem Ende des Bürgerkriegs und der ausländischen Intervention, schrieb - den Beginn einer neuen Epoche der Weltgeschichte eingeleitet hatte. Die Oktoberrevolution stand am Beginn eines neuen Zyklus sozialer Revolutionen. Sie war die erste siegreiche proletarische Revolution. Frage: Wie kam es dazu, dass die erste sozialistische Revolution gerade in Russland stattfand? "Die Dinge sind anders gekommen, als es Marx und Engels erwartet haben", stellte Lenin im Januar 1918 fest. Während diese davon ausgegangen seien, dass bei künftigen revolutionären Umwälzungen die Prozesse in den entwickelten kapitalistischen Ländern, in denen der Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital am Weitesten entwickelt war, zuerst vor sich gehen würden, dass der Franzose beginnen und der Deutsche sie vollenden werde, sei es durch die russische Revolution anders gekommen: "Der Russe hat begonnen, der Deutsche, der Franzose, der Engländer werden vollenden, und der Sozialismus wird siegen." Lenin betrachtete den Roten Oktober wie auch die Errichtung der Sowjetmacht nicht isoliert als "russische Angelegenheit", sondern als Aktionen gegen den imperialistischen Weltkrieg, als Bestandteile der heranreifenden europäischen und Weltrevolution, als deren ersten Akt. Die ungarische Revolution wurde wie die Bayerische und Bremer Räterepublik blutig niedergeschlagen. Und dass entgegen der Leninschen Erwartungen das deutsche Proletariat im November 1918 nicht an die Seite Russlands trat, war das "Verdienst" der rechtssozialdemokratischen Führung. Die Widersprüche in Russland, das im Vergleich zu den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern ein zurückgebliebenes Land war, hatten sich seit langem zugespitzt (Russland war, trotz einiger industrieller Zentren, 1917 immer noch ein Agrarland. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung waren Bauern. Nur 3,6 Millionen Menschen arbeiteten in der Großindustrie. Die Gesamtbevölkerung betrug ca. 160 Millionen). Die Ereignisse des Jahres 1917 wurzelten in den tief greifenden gesellschaftlichen Widersprüchen, die Jahrzehnte zuvor in Russland herangereift waren und die sich mit dem Übergang des Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium ungeheuer verschärft hatten. Die Revolution von 1905 bis 1907 wurde noch niedergeschlagen. Der 1. Weltkrieg war nur das auslösende Moment für die Februar- und die Oktoberrevolution. Die Jahre seit dem Beginn des 1. Weltkrieges 1914 hatten genügt, um das vom Zarismus geprägte Russland vollständig zu zerrütten. Korruption, Desorganisation, Niederlagen an der Front waren an der Tagesordnung. Not und Elend der Volksmassen hatten sich während des imperialistischen ersten Weltkrieges, der gerade Russland die größten Blutopfer abverlangte, ungeheuer verschärft. Die Massen waren nicht mehr länger gewillt, die Herrschaft des Zaren, der Kapitalisten und Großgrundbesitzer, deren Profitstreben und Eroberungsgier sie in dieses Elend gestürzt hatten, zu ertragen. Das allein hätte nicht zum Erfolg des Oktobers geführt. Anders als in Deutschland, Frankreich usw. gab es eben eine Partei entschlossener Revolutionäre, die Bolschewiki, die die Interessen der Mehrheit der Menschen im Land vertraten und sie gewinnen konnten. Die Februarrevolution war die erste siegreiche Volksrevolution in der Epoche des Imperialismus. Sehr unterschiedliche Kräfte wirkten zusammen. Die Arbeiterklasse, die führende Kraft dieser Revolution, schuf zusammen mit ihren Verbündeten, vor allem mit den revolutionären Bauern, die ja vielfach damals Soldaten waren, die Sowjets (Räte) der Arbeiter- und Soldatendeputierten. Es entstand zunächst eine Art Doppelherrschaft. Neben den Sowjets gab es die bürgerliche Provisorische Regierung. Diese verfolgte das Ziel, die Macht der Kapitalisten und der Klasse der Gutsbesitzer - auch im Interesse der verbündeten kapitalistischen Staaten - zu stabilisieren, die revolutionäre Bewegung zu unterdrücken und den imperialistischen Krieg - entgegen dem Willen der Mehrheit der Bevölkerung, die ein Ende des Krieges wollte - weiterzuführen. Durch den Verrat der Menschewiki und rechter Sozialrevolutionäre an der Spitze der Sowjets wurde die Doppelherrschaft beendet. Die ganze Macht ging an die Provisorische Regierung über. Das schuf im Laufe des Jahres 1917 die Basis für die Eroberung der Sowjets durch die Bolschewiki und linke Sozialrevolutionäre und den erfolgreichen Oktoberaufstand. Frage: Welche unmittelbaren Auswirkungen hatte die Revolution? Lenin schrieb in dem historischen Aufruf "An die Bürger Russlands", der den Sieg der Revolution verkündete: "Die Provisorische Regierung ist gestürzt. Die Staatsmacht ist in die Hände des Organs des Petrograder Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, des Revolutionären Militärkomitees übergegangen, das an der Spitze des Petrograder Proletariats und der Petrograder Garnison steht. Die Sache, für die das Volk gekämpft hat: das sofortige Angebot eines demokratischen Friedens, die Aufhebung des Eigentums der Gutsbesitzer an Grund und Boden, die Arbeiterkontrolle über die Produktion, die Bildung einer Sowjetregierung - sie ist gesichert." Die Bildung dieser Sowjetregierung beschloss der II. Gesamtrussische Sowjetkongress. Zu den ersten Beschlüssen der Sowjetmacht gehörten unter anderem
Bis Ende Juni 1918 wurde die Verstaatlichung der Industrie und der Banken vollendet. Frage: Welche Fortschritte wurden in Folge des Oktobers erreicht? Die Oktoberrevolution
Die Sowjetunion leistete den entscheidenden Beitrag zum Sieg über den Faschismus. Schon das allein bleibt eine außerordentliche Tat, die ohne die Oktoberrevolution nicht möglich gewesen wäre. Nicht zuletzt bestätigte sich Lenins Einschätzung, dass die Oktoberrevolution den "ersten Sieg auf dem Weg zur Abschaffung der Kriege" brachte und sie gerade deshalb "eine neue Epoche der Weltgeschichte eröffnet" habe. Das Eintreten für den Frieden gehörte zu den wichtigsten, im Bewusstsein der Menschen weltweit bleibenden, für die Gegenwart und Zukunft wichtigsten Ergebnissen der Oktoberrevolution. Die Niederlage des Sozialismus in Europa 1989/90 und das Auseinanderbrechen der Sowjetunion können den Einfluss, den diese Revolution auf das Denken und das Handeln der unterschiedlichen Klassenkräfte in der ganzen Welt im vergangenen Jahrhundert hatte und ihre Bedeutung für gegenwärtige sowie künftige Kämpfe um eine sozialistische Zukunft, nicht schmälern. Aus den Erfolgen wie aus der Niederlage sind jedoch Lehren zu ziehen. Die Niederlage von 1989/90 hat innere und äußere, ökonomische, ideologische und politische, objektive und subjektive Ursachen. Dazu gehören auch die Verletzungen sozialistischer Demokratie und insbesondere die im Widerspruch zum humanistischen Wesen des Sozialismus stehenden Repressionen, Massenverfolgung und Verbrechen. Im Programm der DKP werden die Ursachen dafür benannt. Im Programm der DKP heißt es zudem: "Es ist unsere Aufgabe als Kommunistinnen und Kommunisten, die historischen Erfahrungen unserer Bewegung und des Aufbaus des Sozialismus zu bewahren, wenn wir uns nun unter neuen Bedingungen eine sozialistische Gesellschaft als Ziel setzen. Wir weisen antikommunistische Verfälschungen zurück. Wir verteidigen die Legitimität unserer Bewegung, die Millionen von Menschen im Ringen um ihre Rechte und um Frieden inspiriert hat. Wir halten die Erinnerung an diese Kämpfe wach. Wir sind uns dabei aber bewusst, dass auf diesem Weg Fehler, Unrecht und Verbrechen geschahen. Dies gilt es in Zukunft zu verhindern. Der DKP geht es um die kritische Überprüfung ihrer Geschichte, um Denkweisen und Strukturen zu überwinden, die dem humanistischen Anspruch unserer Idee und Weltanschauung widersprechen." Literatur: Veröffentlichungen der UZ:
Marxistische Blätter: | ||||||||