Presseinformation
Volksfest im Revierpark Wischlingen
Zur Hip-Hop-Gruppe "Die Bandbreite"

21.06.2011

Das Fest der Solidarität findet vom 24.-26. Juni 2011 im Dortmunder Revierpark Wischlingen statt. Zum 9. Mal wird dort auf zwei Hauptbühnen ein dreitägiges kulturelles Programm geboten.

Zu unserem Fest erwarten wir wieder Zehntausende von Besuchern aus der Umgebung und aus dem demokratischen und linken Spektrum der Bundesrepublik Deutschland. Wie bei den vorangegangenen Pressefesten erwartet die Besucher ein reichhaltiges politisches und kulturelles Programm. Zahlreiche Künstler aus dem In- und Ausland werden die Vielfalt demokratischer und linker Kultur repräsentieren. Zu dem Fest wurde auch die Hip-Hop-Band "Die Bandbreite" eingeladen.

In den letzten Wochen wurde massiver Druck, insbesondere aus dem politischen Spektrum der sogenannten "Antideutschen", auf den Veranstalter ausgeübt, diese Gruppe wieder auszuladen. Sie dürfe nicht auftreten, weil sie sexistische, homophobe, rassistische, faschistische und antisemitische Inhalte verbreite. Wir haben die Vorwürfe sorgfältig geprüft und halten die Mehrheit der Vorwürfe für konstruiert und Teil einer üblen Kampagne. Die Band will sich Debatten stellen und will mit ihren Positionen überzeugen. Über ihre Positionen kann man unterschiedlicher Meinungen haben. Einige Auftritte der Band auf Veranstaltungen, deren Initiatoren und deren politischer Anspruch nach unserer Auffassung fragwürdig sind, halten wir jedoch für "kurzsichtig" und politisch falsch, auch wenn die Band versucht hat, auch dort ihre Inhalte zu vermitteln und immer ihre linke Grundhaltung betonte.

All dies lässt jedoch nicht die Schlussfolgerung zu, es handle sich um eine Band, die rechtem Gedankengut anhänge oder "Querfrontpolitik" betreibe.

Wir sind nach unseren gründlichen Recherchen, nach Gesprächen mit anderen Veranstaltern und Kulturschaffenden zu dem Ergebnis gekommen, dass "Die Bandbreite" aus unserer Sicht nach wie vor zum breiten Spektrum linker Kultur zählt.

Wir wollten Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit geben, die Band auf dem Pressefest der UZ kennenzulernen und sich ein eigenes Bild zu machen.

Auf Grund diverser Hinweise müssen wir jedoch befürchten, dass es bei diesem Konzert zu massiven Störungen und Auseinandersetzungen kommen wird. Wir haben deshalb mit der Gruppe "Die Bandbreite" vereinbart, dass ihr Konzert auf dem Fest ausfällt. Dies geschieht aus der Sorge, dass es uns sonst nicht möglich wäre, ein friedliches und solidarisches Volksfest auszurichten.

"Die Bandbreite" zeigte Bedauern über die Konzertabsage, aber Verständnis für unseren Wunsch nach einem störungsfreien Fest der Solidarität und erklärte sich bereit, an einer Diskussion mit Befürwortern und Kritikern teilzunehmen.

Wir erwarten eine kulturvolle Debatte über die künstlerischen wie politischen Ansprüche der Band, ihre bisherigen Auftritte und vor allem über ihre Liedertexte.


Anhang zur PM UZ-Pressefest und
die HipHop-Band Die Bandbreite

Bereits 16 UZ-Pressefeste hat die DKP seit ihrer Gründung 1968 durchgeführt. Das waren große Volksfeste und zugleich wurde auf unseren Festen immer auch über aktuelle politische Fragen und Probleme, über Antifaschismus, Antirassismus usw. sowie über die gesellschaftlichen Zukunftsvorstellungen der Kommunistinnen und Kommunisten diskutiert. Neben Gästen aus aller Welt, den Gruppen der DKP, vielen Organisationen und Bündnissen, hatten Künstlerinnen und Künstler stets einen großen Beitrag am Gelingen unserer Pressefeste. Mit ihren Darstellungen in verschiedenen Genres vermittelten sie ihre Vorstellungen über eine soziale, demokratische, antifaschistische, antirassistische und friedensorientierte Gesellschaft und vor allem entsprechende Werte.

Die DKP sah und sieht es dabei nicht als ihre Aufgabe Einfluss zu nehmen auf die von den KünstlerInnen selbst gewählten Darstellungsformen und schon gar nicht, diese etwa auf das Parteiprogramm der DKP festzulegen. Wir wollen stattdessen die Vielfalt linker Kultur zeigen, die sich in den gegenwärtigen politischen und sozialen Auseinandersetzungen entwickelt.

Konsens ist dabei, dass all jene, die menschenverachtende, gewaltverherrlichende, faschistische und rassistische Positionen vertreten auf unseren Veranstaltungen und Festen nichts zu suchen haben.

Das war bei den vergangenen Pressefesten so und wird auch in diesem Jahr so sein.

Wir wollen mit dem Pressefest u. a. einen Beitrag leisten, die sozialen und demokratischen Bewegungen in unserem Land zu stärken sowie linke und sozialistische gesellschaftliche Alternativen aufzuzeigen. Mit dem Pressefest und ausgehend von dem Fest wollen wir eine stärkere Zusammenarbeit aller Kräfte entwickeln, die für eine Veränderung der Gesellschaft im Interesse der Mehrheit der Menschen eintreten. Das gilt sowohl national als auch international. Diskussionen, Kunst und Kultur, breite Angebote von MigrantInnenvereinen, Bündnisorganisationen, von befreundeten kommunistischen Parteien anderer Länder und das gemeinsame Feiern sollen auf dem Pressefest dafür werben.

Neben vielen anderen KünstlerInnen sollte auf dem Pressefest 2011 auch die Duisburger Hip-Hop-Formation "Die Bandbreite" auftreten.

Diese Gruppe spielt seit vielen Jahren auf Festen und Veranstaltungen der Gewerkschaften, bei Ostermärschen und Demonstrationen gegen Sozialabbau, beim Festival des Politischen Liedes in Österreich und auch auf dem Linken Liedersommer der Burg Waldeck. Sie gehört zum sehr breiten Spektrum linker Kulturschaffender.

In ihrem Programm finden sich Lieder und Texte, die sich kritisch mit der Frage der Sexualisierung von Jugendlichen unter den heutigen Bedingungen auseinandersetzen, die kritisch die Politik von Regierungen hinterfragen, Texte, die sich gegen die Rechtsentwicklung und den Sozialabbau in unserer Gesellschaft richten.

Nun gibt es KritikerInnen, die behaupten die Bandbreite wäre sexistisch, homophob, rassistisch und faschistisch und verbreite Verschwörungstheorien. Sie verlangen, dass Die Bandbreite nicht auf dem Fest auftreten dürfe und ausgeladen werden muss. Diesen - vorwiegend über das Internet verbreiteten - Vorwürfen sind wir nachgegangen und wir haben uns intensiv mit den Vorwürfen auseinandergesetzt.

Zunächst stellen wir fest: Man mag die Musik der Band ebenso wie deren Darstellungsform mögen oder nicht - da gibt es, wie aber auch im Zusammenhang mit Auftritten anderer KünstlerInnen, unterschiedliche Wahrnehmungen, Ansprüche und damit Meinungen. Das ist auch bei uns - auch im Zusammenhang mit dieser Band - nicht anders. Man mag zudem ihre Texte für gelungen halten. Oder für misslungen und politisch oberflächlich und deshalb ausdeutbar - sie sprechen trotzdem Menschen an und bestärken sie darin, sich gegen soziale Ungerechtigkeiten, gegen Krieg und Nazis zu wehren.

Die nicht neuen Vorwürfe gegen diese Band, wie auch Aktionen, die gegen Auftritte der Band in der Vergangenheit organisiert wurden, werden vor allen Dingen daran festgemacht, dass "Die Bandbreite" u. a. auch gegen die Politik der USA und der Regierungspolitik Israels auftritt. Eine kritische Betrachtung dieser Politik, insbesondere der Kriegs- und Besatzungspolitik, bedeutet aber doch nicht - was unterstellt wird - dass dem Antisemitismus das Wort geredet wird.

Der Vorwurf des Sexismus wird an zwei Liedern "nachgewiesen", die, nach Aussage der Band, als Anklage und Abrechung mit dem Sexismus zu verstehen sind. Es gibt keine weiteren "Belege", weder im Verhalten der Künstler noch in ihren Aussagen, die den Sexismusvorwurf bestätigen. Damit sollten wir es also den ZuhörerInnen überlassen, ob diese als Anklage gegen Sexismus gefundene Form den Künstlern gelungen ist oder nicht.

Der Vorwurf der Homophobie wird einzig an einer Aussage in dem Lied "Kein Sex mit Nazis" festgemacht. In diesem Lied geht es darum, den Widerspruch der Faschisten aufzuzeigen, Homosexuelle als "entartete Untermenschen" in den KZ zu foltern und ermorden und gleichzeitig in den eigenen Reihen Homosexualität für die Durchsetzung ihrer Ziele zu nutzen. Ist dies eine Verharmlosung der Zeit des Faschismus oder gegen Homosexuelle gerichtet?

Zum Vorwurf der Querfrontpolitik: Dieser Vorwurf wird u.a. erhoben, weil der Sänger der Band 2009 zu der Europawahl als Kandidat für Duisburg bei dem "Willi-Heise-Projekt" kandidierte. Dieses politisch wahrlich sehr diffuse "Projekt" war ein aus vielen Einzelpersonen bestehendes Wahlbündnis. Auf der Liste dieses Bündnis kandidierten u. a. auch solche Leute, die dem rechten Rand zugehörig sind, bzw. in deren Interesse auftraten. Viele Forderungen, die im Rahmen dieses Projekts erhoben wurden, sind für uns unakzeptabel. Der Sänger von Bandbreite war Kandidat dieser Liste, hat seinen "Ausflug in die Politik" aber danach für beendet erklärt. Aus den im Wahlkampf von ihm gestellten Forderungen z. B. nach "Wahl einer EU-kritischen Partei" oder "Mehr direkte Demokratie" kann der Vorwurf einer rechtsextremistischen Einstellung wohl nicht belegt werden. Der Vorwurf totaler politischer "Blauäugigkeit" wäre in diesen Fällen treffender. Auch die Wahl einiger Auftritte der Band auf Veranstaltungen, deren Initiatoren und deren politischer Anspruch aus linker Sicht fragwürdig waren, lässt keine Schlussfolgerung zu, die Band betreibe "Querfrontpolitik".

Bei dem von den Kritikern zuletzt angeführten Auftritt der Band in der Schweiz bei einer Veranstaltung gegen ein Treffen des "Bilderberger Kreises", war der Veranstalter Medienportal info8.ch. Zu dieser Veranstaltung waren auch Nationalräte der SVP als Redner geladen. Die Bandbreite hat auf ihrem Konzert an diesem Tag und Ort betont, dass sie sich politisch zum linken Spektrum zählen, dass sie gegen Ausgrenzung und Rassismus sind, dass sie gegen Nazis sind. Uns gegenüber äußerten sie, dass ihnen die politische Richtung der SVP nicht klar war, diese aber auch nicht Veranstalter waren. Auch wir halten die Teilnahme an einer Veranstaltung mit Abgeordneten der SVP für politisch falsch. Doch müssen wir uns auch mit dem Problem auseinandersetzen, dass es der Ansatz vieler KünstlerInnen ist, mit ihrer Kultur möglichst viele Menschen aus unterschiedlichen Spektren zu erreichen und zumindest zum Nachdenken über gesellschaftliche Verhältnisse anzuregen. Das es "politisch Blauäugig" ist, dies durch Redebeiträge zwischen den Songs auch auf Veranstaltungen mit rechten, reaktionären Rednern und Publikum zu tun, ist unsere Auffassung, die allerdings nicht Allgemeingut sein muss.

Wir mussten auch feststellen, dass die Vorwürfe gegen die Band überwiegend - und dies seit 2008/2009 mit sich ständig inhaltlich wiederholenden Behauptungen - von den sogenannten "Antideutschen" erhoben werden. In dieser Zeit wurde in einem Lied der Band die politische Haltung der Antideutschen kritisiert. Auch deshalb muss der Versuch, der Band Antisemitismus im Zusammenhang mit der Kritik der israelischen und amerikanischen Kriegspolitik vorzuwerfen, hinterfragt werden. Ebenso die Tatsache, dass die Vorwürfe zugleich immer verbunden werden mit Angriffen wie: sexistisch, homophob und verschwörungstheoretisch. Da dies parallel und - auf unterschiedlichen Internetplattformen - in immer identischer oder ähnlicher Wortwahl erfolgt, wird der Eindruck eines breiten Protestes gegen die Gruppe erweckt, der offensichtlich so real gar nicht existiert. Cui bono? - Wem nutzt es?

Für diejenigen, die bisher nur einseitig die Kritiker der Band gelesen und gehört haben:

Um einen Gesamteindruck zu bekommen, sollte unbedingt einbezogen werden:


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