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"Horrorbrüder" aus der gleichen Ursprungszelle Fukushima 1 und die deutschen Reaktoren | ||||||||
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Unter der Überschrift "Bekenntnisse eines Ingenieurs" brachte die "Süddeutsche Zeitung" am 19. März eine relativ kurze Meldung, die aber ein grelles Licht auf die skrupellose und ausschließlich am Profit orientierte Grundstruktur und Vorgehensweise der Atomwirtschaft - nicht nur in Japan - warf. "Notkühlsystem in Fukushima war improvisiert", hieß es. Ein Kronzeuge, der pensionierte Ingenieur Shiro Ogura, gab auf einer Pressekonferenz des atomkraftkritischen japanischen Bürgerzentrums (CNIC) in Tokio geradezu unglaubliche Informationen zur Entstehung und Konstruktionsgeschichte der Katastrophenreaktoren in Fukushima bekannt. Sicherheit nach Profit-Vorgaben Ogura hatte 35 Jahre lang für den Technologiekonzern Toshiba als Spezialist für das Design der Kühlsysteme von Kernkraftwerken gearbeitet und Atomkraftwerke geplant und gebaut. Mit Ausnahme des Reaktors IV war er an der Entwicklung aller sechs Blöcken im Kraftwerk Fukushima 1 beteiligt. Wer gab dafür die technologischen Vorgaben? Die wissenschaftliche begründete Risikoeinschätzung? Der internationale denk- und machbare höchste Sicherheitsstandard? Oder die auf die Technologie einwirkenden geologischen, ökologischen und/oder meteorologischen Parameter? Oder zumindest der individuelle Sachverstand des Ingenieurs? Weit gefehlt! Über die technische Auslegung dieser Kühlsysteme und über die Sicherheitsanforderungen entschieden ganz andere Instanzen. "Man hat mir die Bedingungen mitgeteilt, die die Kühlsysteme erfüllen müssen und genau solche habe ich entwickelt", erklärte Ogura. Ihm sei immer nur gesagt worden, es gebe keine Erdbeben von mehr als Stärke acht auf der Richterskala. Bekanntlich erreichte das Katastrophenerdbeben aber Stärke 9. Das alles ist schon katastrophal genug. Doch es ist tatsächlich noch viel schlimmer. Ungeeignete Konstruktionspläne "Aus Mangel an Erfahrung und Fachwissen" hätten die japanischen Ingenieure bei der Entwicklung des ersten Fukushima-Reaktors einfach die Pläne des US-Energiemonopolisten General Electric übernommen. GE baute dann die Fukushima-1-Anlage gemeinsam mit dem japanischen Konzern Toshiba im Auftrag der Betreibers Tepco, des größten japanischen Energieproduzenten. Die GE-Pläne seien jedoch nur für US-Reaktoren ausgelegt gewesen, sie hätten deshalb zu Beginn auch gar keine Tsunamis in Betracht gezogen, sagte Ogura. Als die Japaner später eigene Kraftwerke entwarfen, seien sie bei diesen alten US-amerikanischen Original-Blaupausen geblieben. Darunter waren auch die Reaktoren zwei bis sechs in Fukushima. "Wir hatten keine Erfahrung, wir wussten nichts", räumte Ogura ein. "Wir konnten die Annahmen nicht kritisch überprüfen." Erst als er kurz vor der Rente stand, habe er sich gefragt, ob die Sicherungssysteme wohl auch noch im Falle eines Tsunamis funktionieren könnten. Dann seien die Konstruktionspläne überarbeitet worden. Aber man habe nur Tsunamis in Betracht gezogen, die viel kleiner waren als derjenige, der jetzt die Küste um Fukushima verwüstete. Modell-Monopolkapitalist "General Electric", bei diesem Namen muss man aufhorchen, wenn man über den Zusammenhang zwischen Technologieentwicklung und Monopolmacht nachdenkt. "GE" wurde bereits in der Lenin-Schrift "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" als Beispiel eines der neuen großen Monopolisten im Anfangsstadium der Ära des Monopolkapitalismus/Imperialismus vorgestellt. 1910 gehörten General Electric rund 12 000 Beschäftigte an. Sein Umsatz betrug 298 Millionen Reichsmark. Mitte der 80er des vergangenen Jahrhunderts beschäftigte GE 330 000 Mitarbeiter in 50 Ländern. Der ausgewiesene Netto-Profit betrug 1984 2,29 Mrd. Dollar bei einem Gesamtumsatz von 27,9 Mrd. Dollar (Vergl. "Sozialismus in der DDR", Berlin, 1988, S. 275). Heute liegt GE laut der "Fortune Global 500"-Liste auf Platz 13 der weltweit umsatzstärksten Unternehmen. Der Umsatz beläuft sich auf 156,779 Mrd. Dollar. Der Nettogewinn liegt bei 11,025 Mrd. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei 304 000 (ein Minus von 26 000 im Vergleich zu 1984). Auf der von der Financial Times veröffentlichten Liste "Global 500" nimmt GE unter den börsennotierten Unternehmen weltweit sogar den 9. Platz ein. Mit Stand vom 31. 3. 2010 beläuft sein Wert sich auf 194 246,2 Mio. Dollar. In den 1970er Jahren entwickelte General Electric das Konzept eines Kernkraftwerks mit Siedewasserreaktor, das in Deutschland von der AEG übernommen, weiterentwickelt und auch hierzulande verwirklicht wurde. Standorte in Deutschland sind die Kernkraftwerke Brunsbüttel, Philippsburg (Block 1), Isar (Block 1), Krümmel, Gundremmingen (Blöcke B und C) und Würgassen (im April 1997 endgültig stillgelegt). Das Spiel mit der Sicherheit Siedewasserreaktoren wie die in Fukushima 1 gehören zu den derzeit am weitesten verbreiteten Reaktortypen. Die gebräuchlichsten Reaktortypen sind derzeit Druckwasser- und Siedewasserreaktoren. Bei Druckwasserreaktoren wird das durch die Kettenreaktion erhitzte Kühlwasser über einen Dampferzeuger geleitet, der im Prinzip wie ein Wärmetauscher funktioniert: Das radioaktiv belastete Kühlwasser aus dem Reaktorkern gibt in diesem Dampferzeuger seine Wärme über Wärmetauscherplatten an einen zweiten Wasserkreislauf ab. Der dort im zweiten Kreislauf erzeugte Dampf wird dann zu einer Turbine geleitet. So gelangt radioaktiv verseuchter Dampf nicht in die Turbine. Dieser Bautyp erfordert im Bau mehr Aufwand wegen der notwendigen zwei Wasser-Dampf-Kreisläufe, weniger beim Betrieb, da im Turbinenhaus keine Strahlung auftreten kann (vgl. www.stoerfall-atomkraft.de). Das Besondere bei den Siedewasserreaktoren ist das besonders labile Sicherheitssystem. Was nicht bedeutet, dass andere Reaktortypen "sicher" wären. Siedewasserreaktoren haben jedoch nur einen internen Kühlkreislauf, bei dem das Wasser an den Brennelementen vorbeigepumpt wird und dort direkt verdampft. Es hat gleichzeitig die Aufgabe, Neutronen abzubremsen und damit eine ungebremste Kernspaltung zu verhindern, d. h. die Intensität der Kernspaltung kann so "gesteuert" werden. Bei Siedewasserreaktoren wird der entstehende Wasserdampf direkt zu einer Turbine geleitet und anschließend mit Hilfe eines externen Kühlkreislaufes zum Kondensieren gebracht. Der radioaktive Kreislauf ist damit nicht auf den eigentlichen Sicherheitsbehälter (Containment) beschränkt, der externe Kühlkreislauf ist davon jedoch nicht betroffen. Sonst würde ständig direkt Radioaktivität an die Umgebung abgegeben. Gibt es aber Lecks im inneren System, wird auch über externe Kühlkreislaufe direkt radioaktive Strahlung freigesetzt. Trotz hoher Energieabfuhr über die Verdampfungswärme in den Turbinenkondensatoren benötigt der Siedewasserreaktor eine ständige und ausreichende zusätzliche Wasserzufuhr, um eine ausreichende Kühlungstemperatur zu garantieren. In vielen Anlagen erfolgt dies mittels einer Hochdruckpumpe, die von einer kleinen Dampfturbine angetrieben wird. Es wird dabei gleichzeitig Energie aus dem Reaktor abgeführt und auch Wasser nachgespeist. Nur für begrenzte Zeit kann eine Kernkühlung auch mit Diesel-Notstromgeneratoren erfolgen. Selbst nach einer Abschaltung eines Reaktors müssen - unabhängig vom Reaktortyp - die Brennstäbe zudem lange Zeit weiter gekühlt werden. Fällt der Strom aus und funktionieren auch die Notstrom-Generatoren nicht (mehr), können die Brennstäbe nicht mehr gekühlt werden, es kommt zur teilweisen oder vollständigen Kernschmelze. Das wichtigste Sicherungssystem (der Einsatz von Regelstäben, die aus Bor oder Cadmium bestehen und Neutronen "einfangen" sollen) ist bei Reaktoren vom Typ der in Fukushima eingesetzten konstruktionsbedingt kompliziert. Wenn dann auch noch wie in Japan aufgrund eines Erdbebens und eines folgenden Tsunami die Stromversorgung ausfällt, keine länger laufenden Notfallgeneratoren mehr zur Verfügung stehen, dann gibt es offensichtlich auch im Hinblick auf die Notfallsystem ein großes Problem. Versagen mit "Ansage" Das Versagen der inneren Kühlung des Reaktors führt zu einer Überhitzung und einem Schmelzen der Brennstäbe; der Kernschmelze. Dies stellt den größten anzunehmenden Unfall (GAU) dar, auf den die Sicherheitsvorkehrungen eigentlich ausgelegt sein sollten. Bei einer teilweisen oder vollständigen Kernschmelze sammelt sich eine bis zu 2 800 °C heiße radioaktive Schmelze am Boden des Reaktordruckbehälters an und wirkt dort thermisch und nuklear auf den Behälterboden ein. Wenn diese heiße radioaktive "Suppe" dann den Behälter durchdrungen hat, wird die gesamte Radioaktivität des Reaktors in die Umwelt freigesetzt. Damit haben wir es in Fukushima 1 jetzt zu tun. Wenn dann die radioaktive Schmelze auf Wasser (zum Beispiel auf das äußere Kühlwasser) trifft, kommt es zu einer Wasserdampfexplosion, bei der erhebliche Mengen radioaktiven Materials in die Atmosphäre freigesetzt werden. Die radioaktive Schmelze sickert aber zudem nach unten und verseucht Erdreich und Grundwasser. Die Hüllen der Brennstäbe, die oft aus Zirkonium bestehen, können mit dem stark überhitzen Wasserdampf chemisch reagieren, wobei Wasserstoff abgespalten wird. Kommt dieser Wasserstoff beim Ablassen von (Über-)Druck mit dem Sauerstoff der Atmosphäre in Berührung, kann es zu heftigen Knallgasexplosionen im Reaktorgebäude kommen. Auch dies geschah in Fukushima offenbar mehrfach. Zum Schluss noch Schlamperei Ein weiterer ehemaliger Toshiba-Ingenieur, Masashi Goto, verwies zusätzlich zu den konstruktions- und umweltbedingten Auslösern der Katastrophe auf weitere "exogene" Ursachen: Das Notkühlsystem sei "improvisiert" und war eigentlich gar nicht als Sicherungssystem vorgesehen. Die Ventile und Rohre seien auch gar nicht auf den erhöhten Druck bei einem Unfall ausgelegt gewesen. Schon deshalb sei schon zu Beginn der Havarie Radioaktivität nach außen gelangt. Bekannt wurde nachträglich, dass Wartungszeiten bei der Kontrolle der Kühlsysteme jahrelang ignoriert oder Wartungsprotokolle einfach gefälscht wurden. Fukushima steht demnach einerseits für den ganz normalen Irrsinn einer Atomtechnologie, bei der das angebliche "Restrisiko" quasi ein "Geburtsmakel" der gesamten Abfolge der auf Atomspaltung ausgerichteten Energiegewinnung ist. Hinzu kommt, dass dann ausgerechnet auf dem ja allseits bekannten unruhigen Untergrund der japanischen Inselwelt und inmitten einer ständig von Tsunamis bedrohten Küstenregion Reaktortypen gebaut wurden, die auf Grund ihrer speziellen Besonderheiten, diese Risiken noch potenzierten. "Schlampereien", nicht eingehaltene Wartungsfristen, Fälschung von Wartungsprotokollen, etc. sind und waren nur noch das "I-Tüpfelchen" auf einer unter dem brutalen Diktat des monopolistischen Extra- und Maximalprofits geschriebenen "Story" von Korruption und Gier. Karl Marx zitierte einst im "Kapital" die Aussage des britischen Gewerkschafters J. P. Dunning, der die grenzenlose - aber gesetzmäßige - moralische Verkommenheit des Kapitals anprangerte: "Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit. ... 300 Prozent und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens." (Das Kapital, Band I, Berlin 1961, S. 801) Anti-AKW-Politik ist bzw. erfordert nach kommunistischer Meinung demnach mehr als nur die Forderung nach dem "Ausstieg". Anti-AKW-Politik ist für uns eine originär antimonopolistische Politik. Sie ist Teil der grundsätzlich notwendigen Konfrontation mit den mächtigsten Sektoren des Monopolkapitals. Sie berührt zutiefst Fragen der Demokratie, sie steht in enger Verknüpfung mit dem Problem der militärischen Nutzung der Kerntechnologie. Sie ist mit einem Wort ein ganz zentraler Bestandteil des grundsätzlichen Kampfs gegen ein politisches und ökonomisches System, das beseitigt und überwunden werden muss, wenn die Menschheit eine Chance behalten soll für ein Leben und eine Zukunft, in der wir und unsere Kinder und Kindeskinder gesund und ohne Angst vor der radioaktiven Gefahr leben können. Hans-Peter Brenner stark bearbeitete Version eines Strahlenkrankheit Auswirkungen radioaktiver Strahlung auf den Menschen hängen nicht nur von der Dosis ab, sondern von einer Reihe weiterer Faktoren (beispielsweise Strahlungsart, zeitliche und räumliche Dosisverteilung, Art des betroffenen Organs, persönlichen Strahlenempfindlichkeit usw.). Normal ist eine natürliche Strahlenbelastung von etwa 1,4 Millisievert pro Jahr (kosmische Strahlung, natürliche Radioaktivität). Hinzu kommen geringe Belastungen durch medizinische Untersuchungen u. Ä. Die Messeinheit Sievert (Sv, nach dem schwedischen Mediziner und Physiker Rolf Sievert) dient zur Bestimmung der Strahlenbelastung biologischer Organismen und wird bei der Analyse des Strahlenrisikos verwendet. In Fukushima erreichte die Strahlenbelastung zeitweise solche Werte, dass von schweren bis tödlichen Strahlenkrankheiten bei den eingesetzten Kräften ausgegangen werden kann. Nach der Höhe der Strahlendosis wird die Strahlenkrankheit bei Menschen folgendermaßen differenziert: - bis 0,5 Sievert (500 Millisievert): keine direkten Beschwerden. Die Zahl der roten Blutkörperchen kann verringert sein. Mögliche Spätfolgen: Erbgutveränderungen und Krebserkrankungen sein.
Vgl. www.medizinfo.de | ||||||||