unsere zeit - Zeitung der DKP28. Juni 2002
Buchempfehlung: Paula und Hans Rueß

Worauf wir stolz sein können

Es ist nur zu begrüßen, wenn Autoren wie unser Genosse Friedrich Pospiech es schon seit Jahren unternimmt, mit biografischem Material die Erinnerung an kämpferische Sozialisten und Kommunisten aufrecht zu erhalten. In seinem Buch über "Julius Motteler, den ´roten Feldpostmeister´", die Arbeiten über den von den Nazis ermordeten Eugen Schönhaar und seinen Sohn Carlo und nun die über Paula und Hans Rueß: "Unbelehrbar auf die Wahrheit Beharrende" (Pahl-Rugenstein, Bonn. 264 Seiten, 15 EUR), die allesamt der Esslinger Arbeiterbewegung entstammen.

Nach einem Geleitwort von Alfred Hauser, baden-württembergischer Vorsitzender der VVN-BdA, führt Pospiech in die historischen Zusammenhänge ein, bevor das Leben und Wirken von Hans Rueß dargestellt wird. Es folgt der Abdruck des von Rueß selbst geschriebenen Lebenslaufs und dann Schilderungen aus dem "Alltag" der KZ´s. Rueß hat mehrere davon durchlaufen, gehörte zu jenen, die schließlich die Selbstbefreiung in Buchenwald am 11. April 1945 organisierten. Wir erhalten Einblick in Arbeiterfamilien, Arbeiterleben aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, in die Revolutionsabläufe danach, in Kämpfe innerhalb der kommunistischen Partei, in das Ringen um Gewerkschaftspolitik, die sich nicht um betrügerische "Bündnisse" mit den Mächten des Kapitals bemüht. Vor allem aber in den Widerstandskampf - darüber sogar mehr in dem Teil über Paula Rueß, die längere Zeit in der französischen Emigration, als aktive Teilnehmerin der Resistance wirkte, bevor sie, 1943 verhaftet und 1944 in das Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt wurde. Die entsetzlichen Bedingungen der Folter bei den Verhören - Paul Rueß verlor dabei ein Kind - die furchtbaren Zustände im Lager, aber auch die vielfältigen Aktivitäten des Widerstands werden in Erinnerung gerufen.

So nebenbei wird immer wieder auch mal ein Schlaglicht auf die Politik der SPD-Führung geworfen. Am Beispiel von Paula Rueß zeigt der Autor, auf wie schäbige, schändliche Weise "demokratische" (wahrscheinlich zuvor faschistische) Beamte mit dem Ringen um eine gewisse Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht umgegangen sind. Man muss sich das vorstellen: Die Nazis haben Paula Rueß wegen ihres Kampfes gegen den Faschismus ausgebürgert, und nach der Befreiung lehnen es "demokratische" Beamte ab, Paula das entzogene Staatsbürgerrecht zurück zu geben!

Interessant auch die beigefügten Materialien (Bilder, Flugblätter, Berichte, insbesondere jener von Dora Schaul) tragen zur Lebendigkeit der Darstellung bei.

Robert Steigerwald


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