unsere zeit - Zeitung der DKP29. November 2002
Bundesverdienstkreuz für Alfred Hausser

Leben im Widerstand

Mehr als 300 Gäste, aus dem In- und Ausland kamen zur Feier zum 90. Geburtstages von Alfred Hausser. Sie kamen, um den beispiellosen Kampf des Antifaschisten und Kommunisten, des Ehrenpräsidenten und Ehrenvorsitzenden der VVN/BdA zu würdigen, ihm zu danken und gute Wünsche zu überbringen.

Alfred HausserGäste, Rednerliste, Glückwunschschreiben an diesem Abend waren überwältigend und zeigten eine seltene politische Breite. Sie alle würdigten den 90 Jahre aufrechten Gang von Alfred Hausser. Er habe die Geschichte Baden-Württembergs, die antifaschistischen Kämpfe, den Kampf um Frieden und Freiheit wie kaum ein anderer mitgestaltet. Dabei sei ihm nie die Kraft ausgegangen. Sein Wirken ist Vorbild und immer auch ermunternd für andere.

Die Überraschung an diesem Abend war groß als bekannt gegeben wurde, dass Bundespräsident Rau dem Vorschlag von Ministerpräsident Teufel (CDU) entsprochen habe Alfred Hausser das "Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschlands" zu verleihen. Entscheidend sollte für uns Kommunistinnen und Kommunisten bei einer solchen Ehrung nicht der Zweifel am Wert eines Bundesverdienstkreuzes sein, sondern die Tatsache dass die politisch Herrschenden nicht umhin kommen, das Lebenswerk eines überzeugten Kommunisten und Antifaschisten zu würdigen.

Feierlich umrahmt fand die Verleihung am 11. November im vollbesetzten großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses durch den Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) statt.

OB Schuster kam nicht umhin den Kampf und das Lebenswerk Alfred Haussers vom Jungkommunisten bis zum heutigen Tage aufzuzeichnen und zu würdigen. Manches dabei fiel ihm sichtlich schwer. Trotzdem brachte er seine Hochachtung für diesen unbeugsamen Menschen Alfred Hausser zum Ausdruck, der beispielgebend ist Widerstand zu leisten und für demokratisches und antifaschistisches Engagement. Stolz sei er, einen "solchen Zeitzeugen" in seiner Stadt zu haben, der "Hervorragendes geleistet habe in der Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit an Schulen und bei antifaschistischen Stadtrundfahrten."

Für die gute Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv und das Zusammentragen und zur Verfügung stellen von Dokumenten brachte er seinen "aufrichtigen Dank zum Ausdruck".

Nach der Verleihung trat Alfred Hausser mit seiner betont kräftigen Stimme ans Rednerpult.

Er wandte sich an den Herrn Oberbürgermeister und das Publikum: Er sei hocherfreut über diese hohe Auszeichnung. Er sieht darin eine Anerkennung für seine antifaschistische Arbeit und die Vermittlung des Widerstandes an die Generation der Nachfolgenden.

Die Wertschätzung beziehe er auf alle die diesen Weg mit ihm gemeinsam gingen. Sie werden mit ihm geehrt. Bei diesen Weggefährten und seiner Organisation der VVN/BdA bedankte er sich herzlich.

Bei aller Freude über diese Ehrung so Alfred weiter, bedrücke ihn, dass die "VVN/BdA nach wie vor vom Verfassungsschutz beobachtet, diffamiert und als verfassungsfeindlich verdächtigt wird".

Das stehe im Widerspruch zu dieser Ehrung und müsse beendet werden, forderte er unter großem Beifall der Anwesenden.

Wer den Lebensweg des Kommunisten und Antifaschisten Alfred Hausser nachlesen möchte, der kann dies mittlerweile tun.

"Nur wer sich selbst aufgibt ist verloren", so lautet der Buchtitel, der zum 90. Geburtstag von Alfred Hausser veröffentlicht und ihm überreicht wurde. Es ist zugleich das Lebensmotto von Alfred Hausser. In dem Buch werden die Stationen des Lebens und des Kampfes von Alfred nachgezeichnet, es kommen Kameradinnen und Kameraden und Kampfgenossinnen und Kampfgenossen von Alfred zu Wort, und es enthält eine Fülle interessanter Dokumente. Herausgeber ist die VVN-BdA.

Dieter Keller


zurück