unsere zeit - Zeitung der DKP23. Mai 2003

Innenpolitik

Eine tapfere Streiterin
Am 12. Mai verstarb Renate Riemeck

Renate Riemeck war eine engagierte Wissenschaftlerin und eine tapfere Streiterin für den Frieden. Bundesweit bekannt wurde sie 1958 mit dem von ihr initiierten Appell der 44 Professoren an die Gewerkschaften, entschiedenen Widerstand gegen die drohende atomare Aufrüstung der BRD zu leisten. Dies war einer der Hauptgründe dafür, dass sie 1960 den Staatsdienst quittieren musste.

Im gleich Jahr gründete sie unter anderen mit Graf von Westphalen und Lorenz Knorr die Deutsche Friedens-Union (DFU), deren Direktorium sie mit den beiden Genannten einige Jahre angehörte. Zugleich wirkte sie im Vorstand der Christlichen Friedens-Konferenz (CFK). Den Diffamierungen, denen in der BRD alle ausgesetzt waren, die für eine prinzipiell neue deutsche Politik wirkten, begegnete sie mit verstärkter Aktivität. Trotz ihrer Krankheit wirkte sie unentwegt - nun meist schriftlich - gegen die Kriegspolitik der CDU/CSU/FDP-Bundesregierung und für Verständigung mit den östlichen Nachbarstaaten.

In Breslau und Stettin aufgewachsen, wirkte Renate nach 1945 in der Lehrerbildung, schrieb als jüngste Professorin der BRD einige Schulbücher und weilte als Gast-Professorin in England. Mit ihren Studenten unterhielt sie bei ihrer Lehrtätigkeit besten Kontakt.

Renate Riemeck war die Pflegemutter von Ulrike Meinhof, die ihren aktiven Kampf gegen die herrschenden Verhältnisse mit dem Leben bezahlte. Renate verstand sich selbst als "unbequemer Mensch", weil sie höchst kritisch an die Lösung der vor ihr stehenden Probleme heranging. Sie verlangte von anderen, was sie sich selbst zumutete. Gleichwohl erntete sie mit ihrem unkonventionellen Herangehen an die gestellten Aufgaben großen Respekt ihrer Mitstreiter und Gegner.

Die 1920 Geborene verließ nun nach langer schwerer Krankheit die Gemeinschaft der für eine bessere Welt kämpfenden Menschen. Viele werden sich an Renate mit größter Hochachtung erinnern.

Lorenz Knorr


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