unsere zeit - Zeitung der DKP24. Oktober 2003

Innenpolitik

Fred Dellheim ist gestorben
Ein Nachruf der VVN-BdA

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) trauert um ihren Vorsitzenden Fred (Alfred) Dellheim, Vizepräsident der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), der am 9. Oktober 2003 im Alter von 79 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin verstorben ist.

Mit einem Kindertransport war der am 17. Mai 1924 in Mutterstadt, Rheinland-Pfalz, als Kind jüdischer Eltern geborene Fred Dellheim 1939 der Verfolgung durch das NS-Regime entkommen. Seine Eltern und seine ältere Schwester wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Nach Beginn des Krieges war er zwei Jahre als "Ausländer feindlicher Nationalität" in Kanada interniert. Nach seiner Rückkehr nach London trat er als Freiwilliger der britischen Armee bei, nahm in deren Reihen 1944 an der Landung in der Normandie und bis zur Kapitulation an den Kämpfen gegen Hitlerdeutschland teil. Im Rheinland nahm der bereits im Londoner Exil Mitglied der dort gegründeten Freien Deutschen Jugend gewordene Fred Dellheim am Aufbau dieser Jugendorganisation teil. Später siedelte er in die DDR über und übernahm dort leitende Funktionen in der Industrie. Bis Dezember 1990 war er Direktor der Werkzeugmaschinenfabrik "7. Oktober".

Von seinen Kindheitserinnerungen und den Jahren des bewaffneten Kampfes gegen den deutschen Faschismus geprägt, übernahm er im November 1992 den Vorsitz des nach dem Ende der DDR gegründeten "Interessenverbandes der Verfolgten des NS-Regimes, ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand und Hinterbliebenen" (IVVdN).

In diesen Jahren erwarb er sich auch über die Grenzen Deutschlands hinaus großes Ansehen. Die in Wien ansässige Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) wählte ihn zu einem ihrer Vizepräsidenten. In seiner Heimatstadt Mutterstadt, in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, auf zahlreichen internationalen Veranstaltungen war er ein gefragter und immer wieder überzeugender Zeitzeuge.

Mit großer Energie widmete er sich in den letzten zehn Jahren vor allem der Vereinigung der organisatorisch getrennten ost- und westdeutschen Verfolgtenverbände VVdN-BdA und VVN-BdA. Die im Oktober 2002 dann in Berlin vollzogene Vereinigung betrachtete er als Krönung seines Lebenswerkes. Die Delegierten wählten ihn zu einem ihrer Vorsitzenden. Die VVN-BdA verliert mit Fred Dellheim einen Menschen, der sein ganzes Leben für eine gerechte Gesellschaft ohne Faschismus, Rassenhass und Krieg gekämpft hat.


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