unsere zeit - Zeitung der DKP11. Juni 2004

Marxistische Theorie und Geschichte

Selbstloser Kämpfer für Sozialismus
Erich Ziegler verstarb am 6. Mai

Im Alter von 90 Jahren verstarb Erich Ziegler. Der Verstorbene hat ein als Kommunist beispielhaftes Leben geführt.

Erich Ziegler stammte aus einer Arbeiterfamilie. Er wurde am 20. Februar 1914 in Neukölln geboren. Als 15-jähriger Schüler erlebte er am 1. Mai 1929 das gewaltsame Vorgehen der Polizei in Neukölln gegen die für ihre Rechte und besseren Lebensbedingungen demonstrierenden Arbeiter. Für ihn selbst wurde es zu einem Schlüsselerlebnis.

Im selben Jahr wurde er Mitglied im KJVD. Nach dem Machtantritt der Nazis am 30. Januar 1933 verlor er wegen seiner politischen Tätigkeit die Arbeit.

Mit seiner Frau Elli betrieb er seit Ende 1934 in der Weserstraße 49 und 177 Leihbüchereien. Sie wurden zu Zentren des Widerstandes gegen den Faschismus. Bis in das Jahr 1939 entstanden hier Flugblätter, die sich gegen das faschistische Terrorregime richteten.

Tausende Flugblätter, von Erich Ziegler in seiner Bücherei gedruckt, wurden von der Gruppe im Stadtgebiet verbreitet. Alles, was der Gestapo und den übrigen Sicherheitsorganen zur Verfügung stand, wurde mobilisiert, um dieser Menschen habhaft zu werden. Wohnungen und Druckereien wurden durchsucht, und zwischen dem 15. und 17. Oktober erfolgten die Verhaftungen.

In den knapp anderthalb Jahren bis zum Prozess vor dem Volksgerichtshof mussten sie eine Hölle von Demütigung und Qualen während der Verhöre durchleiden, aber sie wurden weder ihren Überzeugungen untreu noch ließen sie sich zerbrechen. Schon am 8. November 1939 hatte die Gestapo konstatiert: "Kapelle und Ziegler sind unter keinen Umständen zu einem umfassenden Geständnis zu bewegen." Mit ihrer Hilfe sei bei der Feststellung von Mittätern nicht zu rechnen. Es wurde vorgeschlagen, Kapelle und Ziegler zu exekutieren.

Am 20. Februar 1941 wurde das Urteil gesprochen: Heinz Kapelle wurde zum Tode verurteilt und Erich Ziegler zu lebenslangem Zuchthaus. Die Mitangeklagten erhielten Freiheitsstrafen zwischen 10 Jahren Zuchthaus und anderthalb Jahren Gefängnis.

Nach der Befreiung durch die Rote Armee gehörte Erich Ziegler zu den Aktivisten der ersten Stunde, die, wie auch seine Kampf- und Leidensgefährten, bereit waren, die Grundlagen für ein neues und besseres Deutschland zu schaffen.

1945 Gründer des Antifa-Jugendausschusses in Berlin-Neukölln. Teilnahme am Aufbau der FDJ und der "Demokratischen Sportbewegung Groß-Berlins". Januar 1950 Mitglied der DSF. 1950-54 zuerst Erster Sekretär der SED-Kreisleitung Tempelhof. 1954-59 Erster Sekretär der SED-Kreisleitung Wedding. 1959 Mitglied der neugebildeten Westberliner Leitung der SED. November 1962 Zweiter Sekretär des Vorstandes der SED-Westberlin, ab Mai 1966 bis April 1977 stellvertretender Parteivorsitzender der SED-Westberlin.

Auch nach dem Ausscheiden aus seiner hauptamtlichen Funktion blieb er aktiv. Auf vielen Jugendmeetings sprach er, als letztes noch lebendes Mitglied der Widerstandsgruppe "Heinz Kapelle", über den Kampf der Antifaschisten gegen Diktatur und Krieg.

Was Erich Ziegler besonders traf, waren die für ihn schwarzen Tage, an denen er erleben musste, dass vieles, wofür er ein Leben lang kämpfte, zerstört wurde. Jeder, der den Kommunisten Erich Ziegler kannte, wird wissen, dass er das so nicht widerspruchslos hinnehmen würde.

E. S.


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