unsere zeit - Zeitung der DKP17. September 2004

Die letzte Seite

Kaplan und Antifaschist
In memoriam Joseph Roissant

Joseph Roissant (1902-1991) war katholischer Kaplan und Pazifist. Er trat mutig gegen das Hitlerregime auf und suchte Verbindung mit anderen Nazi-Gegnern, auch mit den illegal arbeitenden Kommunisten. Er wurde deshalb 1937 verhaftet und vom so genannten Volksgerichtshof zu elf Jahren Zuchthaus verurteilt. Fast acht Jahre davon verbrachte er in Haft, bis er im April 1945 aus dem Zuchthaus Büttringhausen befreit wurde. Roissanta Kampf ist Gegenstand eines Buches, das sein Neffe Alexander Roissant und Karl-Heinz Jahnke vor einiger Zeit vorgelegt haben. Der Prozess fand seinerzeit - weit über die Grenzen Deutschlands hinaus - großes Aufsehen. Roissants mutiges Auftreten vor Gericht gewann ihm viele Sympathien. Das Buch enthält eine Fülle von Berichten und Dokumenten über Roissants antifaschistische Tätigkeit, den Prozess, Stellungnahmen aus dem In- und Ausland und Briefe Roissants an seine Angehörigen.

Nach dem Krieg gehörte er zu den Mitbegründern der VVN und war bis zu seinem Tode deren Präsident. Im Jahre 1982 schrieb ihm die Schriftstellerin Luise Rinser: "So bewegt es mich auch zu danken, dass Sie ein Überlebender aus finsterer Zeit sind. Wie gut, dass es solche Überlebende noch gibt, die Zeugen sind. Wer wird unser Erbe antreten?"

Winfried Lierenfeld


Karl-Heinz Jahnke, Alexander Roissant, Hauptangeklagter im Berliner Katholikenprozess 1937, Kaplan Dr. Joseph Cornelius Roissant, Verlag für akademische Schriften, 186 S., 22,00 Euro


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