unsere zeit - Zeitung der DKP29. April 2005

Wirtschaft, Gewerkschaft, Soziales

Widerstand lohnt sich immer
Alstom Mannheim-Käfertal - Konzernleitung
pfeift auf Beschäftigungs-Versprechen

Obwohl die Belegschaft bis ins Jahr 2007 hinein eine Standort- und Beschäftigungsgarantie hat, überfällt die Pariser Konzernleitung die Mannheimer Belegschaft mit einem neuen Kahlschlagkonzept. So sollen in der Power Generation AG rund 800 von den derzeit 1 500 Kollegen gehen. Am liebsten sofort. Eine sogenannte Outplacement-Firma soll für den notwendigen psychologischen Druck sorgen. Betriebsrat und Belegschaft haben auf einer Betriebsversammlung am 22. 3. 2005 härtesten Widerstand angekündigt.

Vor eineinhalb Jahren wurde eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen mit dem Ziel, das Personal und die Fähigkeiten am Standort über eine vorübergehende Durststrecke zu halten. Deshalb befindet sich seit über einem Jahr der Großteil der Belegschaft in Kurzarbeit. Bei einer Wiederbelebung des Kraftwerksmarktes sollten die Kapazitäten wieder hochgefahren werden. Genau zu diesem Zeitpunkt kommt die Konzernleitung mit Produktionsverlagerungen ins Ausland und mit Kahlschlag.

Der Kahlschlag

Von den derzeit rund 1 500 Arbeitsplätzen in der Power Generation AG sollen nur noch 700 übrig bleiben. Der Generatorenbau und seine Konstruktion, die Brennerfertigung, die Beschichtung, das Metalllabor und der Wasserkraftwerksbereich sollen komplett geschlossen, die restlichen Bereiche personell stark reduziert werden. Die Service-GmbH mit derzeit über 400 Arbeitsplätzen bleibe vorerst verschont, so dass insgesamt rund 1 100 Arbeitsplätze von etwa 1 900 (ohne Lehrlinge) übrig bleiben sollen. Ob die Restbereiche dann noch wirtschaftlich arbeiten können, ist äußerst fraglich, weil sie von den Fixkosten erdrückt werden können.

Falsche Fährten

Die wirtschaftliche Begründung der Pariser Konzernleitung ist falsch. Sie behauptet, der Mannheimer Standort mache seit 2002 Verluste. Das Gegenteil ist richtig: Der Mannheimer Betriebsteil ist immer noch der profitabelste im Konzern. So wurden von Mannheim im Geschäftsjahr 2002 rund 153 Millionen Euro, in 2003 rund 101 Millionen Gewinn nach Paris überwiesen. Dort schlummern insgesamt 656 Millionen Euro Mannheimer Gelder im Tresor. Die Umsatzrenditen im Dampfturbogruppengeschäft lagen 2002 bei 15 Prozent, in 2003 bei 12 Prozent, obwohl in diesen Jahren erhebliche Verluste bei Wechselkursen und durch Schweizer Entwicklungsfehler verkraftet werden mussten. Wer angesichts dieser Zahlen behauptet, dass die Mannheimer Turbinen und Generatoren zu teuer wären, der versucht, die Belegschaft und die Öffentlichkeit zu täuschen.

Weiter behauptet die Pariser Konzernleitung, die Nachfrage nach Turbinen und Generatoren sei weltweit schlecht. In Wirklichkeit zieht der Weltmarkt an. Hauptkonkurrent Siemens kann sich derzeit vor Aufträgen kaum noch retten. Ausgerechnet jetzt will sich Alstom aus dem deutschen Markt zurückziehen. Tatsache ist allerdings, dass die Auftragslage insgesamt für Alstom schlecht ist. Das hat jedoch überwiegend hausgemachte Ursachen. Während die Belegschaft von Jahr zu Jahr produktiver wurde, haben die Manager ihre Hausaufgaben nicht gemacht: Sie haben zuwenig Aufträge erreicht, und die wurden zunehmend nach Polen, Frankreich und nach China verschoben. Hinzu kommt, dass manche Kunden davor zurückschrecken, beim derzeit hochverschuldeten und angeschlagenen Alstom-Konzern zu bestellen. Das ist aber nicht die Schuld der Belegschaft. Die Verschuldung stammt von groben Entwicklungsfehlern auf höchster Ebene bei den schweren Gasturbinen aus der ABB-Zeit.

Tod auf Raten

Es ergibt keinen Sinn, die Milchkuh des Konzerns in Mannheim zu schlachten. Also muss es andere Gründe dafür geben. Seit Monaten verdichten sich die Hinweise, dass der Bereich Turbinen-Generatoren mit dem Service an Siemens verkauft werden soll. Vor einem Jahr hat Siemens bereits die Alstom-Industrieturbinen übernommen. Alstom scheint jetzt dabei zu sein, dafür vorher den "Hausputz" zu machen. Der Rest würde dann von Siemens erledigt. Bestenfalls bliebe dann vom Mannheimer Standort der Service-Bereich übrig.

Der Mannheimer Belegschaft bleibt wieder nichts anderes übrig, als um jeden Arbeitsplatz, um jede Fähigkeit zu kämpfen. Moderne Kraftwerke sind und bleiben gefragt. Volkswirtschaftlich ergibt es keinen Sinn, jetzt Kapazitäten zu vernichten, die später wieder gebraucht werden. Deshalb sollte die Standort- und Beschäftigungsgarantie über das Jahr 2007 hinaus verlängert werden. Notfalls muss dazu die Arbeitszeit auch an anderen Standorten gesenkt werden.

Widerstand

Nicht nur Alstom und eventuell auch Siemens sind in der Pflicht, sondern auch die Regierungen in Deutschland, Frankreich und in der Rest-EU, denn auch in ihren Schubladen schlummern die Fusionspläne. Die Erfahrungen seit 1988 mit Fusionen und Übernahmen zeigen: Widerstand der Beschäftigten hat sich bisher immer gelohnt. Es hat sich immer gelohnt, sich so teuer wie möglich zu verkaufen, ohne die Tarifverträge preiszugeben. Ohne Widerstand würde es den Mannheimer Standort heute nicht mehr geben.

-Rt.

Aus "mannheim konkret", Zeitung der DKP Kreisorganisation Mannheim


Bild anzeigenZur "Resistance", zum Widerstand ist die Belegschaft bei Alstom aufgerufen.

Foto: -ber


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