unsere zeit - Zeitung der DKP6. Mai 2005

Die letzte Seite

Von der Arbeiter-Olympiade zur Commerz-Arena
Metamorphosen eines Stadions

Im Juni wird das neue Frankfurter Stadion mit dem Eröffnungsspiel im Rahmen des Fifa-Confederations-Cup eingeweiht. Ab dann soll das Stadion "Commerz Arena" heißen. Das Frankfurter Stadion an gleichem Platz wurde vor 80 Jahren, am 24. Juli 1925, mit der Arbeiter-Olympiade eröffnet.

"Steht auf ihr Verdammten", steht in französischer Sprache auf der roten Fahne. Unter den Füßen die verhassten Symbole des Militarismus und Faschismus. So wurde auf Plakaten für die 1. Arbeiterolympiade geworben, die vom 24. bis 28. Juli 1925 im neuen Frankfurter Waldstadion stattfanden.

Beim Einmarsch der Arbeitersportler erklang die Internationale. Nationalfahnen gab es nicht. Auf roten Transparenten der 12 Delegationen war der Name des teilnehmenden Landes vermerkt.

Mit der Arbeitersport-Olympiade in Frankfurt wurde in Frankfurt damals das Waldstadion eingeweiht. Fünf volle Tage lang - bis zum 28. Juli dauerte diese erste internationale Arbeitersport-Demonstration.

Höhepunkt - neben den umfassenden Sportwettkämpfen - war der Festzug durch die Straßen von Frankfurt. 60.000 Teilnehmer marschierten unter den Klängen ihrer Spielmannszüge und Musikkapellen durch die von Menschenmassen umsäumten Straßen. Es nutzte dem damaligen Reichswehrministerium nichts, dass es ein Teilnahmeverbot für die Angehörigen des Heeres und der Marine aussprach. Soldaten und Matrosen marschierten Seite an Seite mit den Arbeiter-Turnern und Arbeiter-Sportlern unter deren roten Fahnen und ihren Losungen "Nie wieder Krieg!" im Festzuge mit.

Zur 1. Arbeiter-Olympiade trafen sich Arbeitersportler aus den organisierten Arbeitersportverbänden der "Sozialistische Arbeitersport-Internationale" aus Finnland, England, Frankreich, Polen, Lettland, der CSSR, Österreich, der Schweiz und dem gastgebenden Deutschland.

Sportler aus acht Ländern, darunter 143 Arbeitersportler, kämpften in 44 Disziplinen um den Sieg. Erwartungsgemäß gestalteten sich die Wettkämpfe zu einem Zweikampf zwischen den finnischen und deutschen Sportlern. Groß war allerdings die Überlegenheit der Finnen, die in den 44 Disziplinen 31 mal den Sieger stellten.

Eine Sensation brachte der 4 x 100-Meter-Lauf der Frauen. Die Staffel der Frauen des deutschen "Arbeiter-Turn- und Sportbund" hatte den Weltrekord unterboten. Der Jubel war groß, als die Schlussläuferin mit 51,3 Sekunden durchs Ziel gelaufen war. So schnell war zuvor noch keine Frauenstaffel der Welt gelaufen!

Die 1. Arbeiter-Olympiade war für die deutschen Arbeitersportler weit mehr als nur eine Gelegenheit zum sportlichen Leistungsvergleich. Sie war für sie ein Bekenntnis zur Olympischen Idee des Humanismus, des Friedens und der Völkerfreundschaft. Sie war zugleich eine mächtige Demonstration gegen die reaktionäre Politik der Bourgeoisie und ihrer Sportverbände. Im Festzug mitgeführte Losungen, wie "Nieder mit dem imperialistischen Krieg", "Kämpft für den Acht-Stunden-Tag" und "Arbeiter heraus aus den nationalistischen Sportverbänden", offenbarten den proletarischen Klassencharakter der 1. Arbeiter-Olympiade.

Achtzig Jahre später hat die Commerzbank verkündet, dass sie sich für mindestens 10 Jahre das Namensrecht am Waldstadion gesichert habe. Der Werbechef der Bank: "Die Bank musste in den vergangenen fünf Jahren Entscheidungen treffen, die nicht überall Freude ausgelöst haben." Deshalb soll jetzt mit sieben Meter hohen Buchstaben, auf dem Stadion die Commerzbank leuchten. Damit wieder "Freude" aufkommt will man in das Projekt ca. 20 Millionen Euro hineinstecken.

Die Eintracht-Fan-Gemeinde hat jetzt verkündet ab sofort bei jedem Spiel ein Transparent aufzuhängen: "Für immer Waldstadion." Ein Eintrachtler frotzelt derweil im Internet: Hätte schlimmer kommen können. Zum Beispiel die Umbenennung in "Josef-Ackermann-Field".

Rudi Hechler


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