unsere zeit - Zeitung der DKP22. Juli 2005

Aktionen, Erfahrungen, Ideen

Eine Rose für Sanja Milenkovic
Gedenken an die Opfer von Vavarin

Der 18. Juni 2005 war ein strahlender Sommertag, an dem sich etwa 60 Menschen, junge und alte, in Oelsnitz/Erzgebirge zusammenfanden, um eine Taufe besonderer Art zu erleben. Eine neugezüchtete, wunderschöne Rose in der Farbe "zart-rosé" sollte den Namen des serbischen Mädchens Sanja Milenkovic erhalten - jener Schülerin aus Varvarin im ehemaligen Jugoslawien, die bei einem völlig sinnlosen, verbrecherischen Angriff von "Tornados" der NATO auf die Brücke von Varvarin getötet wurde. Mit ihr starben weitere zehn unschuldige Menschen. 17 wurden zum Teil schwer verletzt.

Sanja war erst 15 Jahre alt, ein hübsches, lebensfrohes Mädchen, ein außerordentliches mathematisches Talent, wie die vielen Preise und Medaillen von Wettbewerben belegen. An diesem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf das souveräne Jugoslawien war auch die Bundeswehr aktiv beteiligt. Angesichts dieses Verbrechens ging ein Aufschrei des Zornes und der Empörung um die Welt, auch in der BRD. Die Menschen organisierten Proteste. Sie klagten diese Verbrechen an. Mit der Namensgebung der Rose auf den Namen "Sanja Milenkovic" sollte aller Opfer dieses NATO-Krieges gedacht werden.

Wolfgang Zierold und seine Frau Edith aus Oelsnitz/Erzgebirge versammelten Gleichgesinnte um sich, um die Idee zu realisieren. Sie stellten Verbindungen zu Organisationen, Vereinen und Privatpersonen her, so zum "Revolutionären Freundschaftsbund e. V." der BRD, der Tschechischen Republik und Polens sowie zum Projektrat "NATO-Kriegsopfer klagen auf Schadensersatz".

Der Rosenzüchter Dr. Schmadlack aus Pirna unterstützte diese Aktion, indem er eine von ihm gezüchtete Rose zur Verfügung stellte. Diese wollte er eigentlich seiner Tochter widmen.

Zu einem Vorzugspreis okulierte die Baumschule Mülsen bei Zwickau die Pflanze. Immerhin braucht es zehn Jahre, bis eine Züchtung als vollendet betrachtet werden kann.

Die musikalische Umrahmung der Veranstaltung wurde von einem Lehrer und einem Schüler der Musikschule Stollberg gestaltet - kostenlos, sozusagen als Solidaritätsbeitrag.

Zum Auftakt sprach Wolfgang Zierold bewegende Worte des Gedenkens an die Opfer des verbrecherischen Überfalls. Pfarrer Reinald Richber aus Oelsnitz betete sehr ergreifend das "Vaterunser" in serbisch-kroatischer Sprache.

Die junge Mandy Heinzig rezitierte ein Gedicht, von einer Lehrerin von Sanja im schmerzlichen Gedenken an ihre so hoffnungsvolle Schülerin geschrieben. Irma Martinovska, Mitglied der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens und Mitglied des "Revolutionären Freundschaftsbundes e. V." und Vorsitzende der tschechischen Sektion, war eigens zu dieser Rosentaufe nach Oelsnitz angereist. Sie verlas in deutscher Sprache eine Grußadresse von Gerd Hommel, Vorsitzender der deutschen Sektion des Freundschaftsbundes, an die Teilnehmer der Veranstaltung.

Die Autorin der Ausstellung und des Buches "Die Brücke von Varvarin", Gabriele Senft, wünschte dem Verlauf der Rosentaufe telefonisch einen "guten Erfolg".

Aus Berlin war Harald Kampffmeyer mit seiner Gattin anwesend. Er ist Leiter des Projektrates "NATO-Kriegsopfer klagen auf Schadenersatz". In diesem Gremium arbeiten viele Persönlichkeiten und Unterstützer parteiunabhängig sehr engagiert für die Interessen von Opfern der NATO-Angriffe und ihrer Angehörigen. Kampffmeyer vermittelte in sehr interessanten, aussagestarken Ausführungen ein Bild von den Schwierigkeiten, bei den bundesdeutschen Gerichten Gerechtigkeit für die Betroffenen einzuklagen. Mit immer neuen Spitzfindigkeiten wird versucht, die Klagen abzuschmettern oder die Prozesse ins Leere laufen zu lassen. Es gehörte sehr viel Mut, Kraft, Ausdauer und natürlich eine Menge Geld dazu, um die Rechte der Opfer auf eine Entschädigung durchzusetzen.

Die Taufe der Rose auf den Namen "Sanja Milenkovic" war sehr feierlich und würdevoll gestaltet. Dann signierten die Taufpaten die Taufurkunde: Irma Martinovska, Anne Heinzig, SDAJ-Gruppe Freiberg/Sachsen, Pfarrer Reinald Richber und Harald Kampffmeyer, Vorsitzender des Projektrates.

Alle Anwesenden waren sich einig in dem Wunsch: Möge diese Rose in voller Schönheit erblühen, an Sanja erinnernd. Sie soll uns mahnen, gegen Krieg und für den Frieden unter den Völkern unserer Erde einzutreten. Wir haben nur diese eine Erde und sie gehört uns allen.

Für die DKP-Gruppe Erzgebirge/Vogtland:
Erika Heinzig


Bild anzeigenDie Taufpaten unterzeichnen die Urkunde


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