unsere zeit - Zeitung der DKP29. Juli 2005

Ausland

"Telesur" auf Sendung
Der Sender für Lateinamerika

Mit vier Sendeblöcken zu je sechs Stunden ist am Sonntag, dem 222. Geburtstag von Simón Bolívar, der erste lateinamerikanische Fernsehkanal auf Sendung gegangen. Auf Initiative des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez haben sich Venezuela, Argentinien, Cuba und Uruguay zusammengeschlossen, um im Rahmen der "Alternativa Bolivariana de las Américas" (ALBA) den Prozess der Einigung der Region voranzubringen.

In der ersten Phase des Sendebetriebes bis September wird das Programm durch Blöcke von Nachrichtensendungen, Dokumentarfilmen und Filmen aus der Region bestimmt, mit denen die kulturelle Vielfalt des Subkontinents reflektiert werden soll.

Durch die Verbreitung über Satelliten bietet Telesur einen großen Empfangsbereich in Südamerika, Mittelamerika, der Karibik, Nordamerika, Westeuropa und Nordafrika. Der neue Kanal wird auch bereits über Kabelnetze in Argentinien, Brasilien, Venezuela, der Dominikanischen Republik, Guatemala und in weiteren Ländern zu empfangen.

Die Empfangsmöglichkeiten des Senders sollen schrittweise verbessert werden, sagte sein Direktor, der uruguayische Journalist Aram Aharonian. Dabei wolle man vor allem auch dem Widerstand und dem Druck von Seiten der USA trotzen. Aharonian ist der Meinung, dass die Attacken aus den USA, die auch Drohungen einschließen, Störsendungen gegen venezolanische Rundfunk- und Fernsehprogramme auszustrahlen, die Macher von Telesur mit Stolz erfüllen, denn sie zeigten, dass man auf dem richtigen Wege sei.

Telesur definiert sich selbst als Alternative zu den großen Kommunikationsnetzwerken. "Wir haben begonnen, bestehende Herrschaftsbereiche im Medienbereich zum Einsturz zu bringen", sagte Aharonian. Der wichtigste Gedanke besteht nach seiner Meinung darin, dass die Lateinamerikaner die Möglichkeit erhalten, mit ihren eigenen Augen aus eigener Perspektive ihre Region zu betrachten.

Den Beschluss des Repräsentantenhauses der USA, eigene Sendungen oder Störsendungen in Richtung Venezuela auszustrahlen, bezeichnet er als lächerlich. Die Kongressabgeordneten scheinen zu ignorieren, dass es in Venezuela allein 40 private und nur zwei staatliche TV-Sender gibt, und dass in den Kabelnetzen 128 Kanäle angeboten werden. Außerdem scheinen die Abgeordneten über hellseherische Fähigkeiten zu verfügen, meint der Direktor, denn bisher konnten sie noch keine einzige Sendung von telesur sehen, sind aber schon in der Lage, deren Inhalt einzuschätzen.

Miguel Lozano


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