unsere zeit - Zeitung der DKP2. Dezember 2005

Wirtschaft, Gewerkschaft, Soziales

Acht Wochen Streik machen stark
Arbeitskampf bei Gate Gourmet Düsseldorf ungebrochen

Am Düsseldorfer Flughafen streiken seit dem 7. Oktober rund 80 Beschäftigte des Catering-Konzerns Gate Gourmet. Die Streikfront steht jetzt acht Wochen. Gekämpft wird für 4,5 Prozent Lohnerhöhung und gegen eine unbezahlte Arbeitszeitverlängerung. Im August hatte am Londoner Flughafen Heathrow ein ähnlicher Streik stattgefunden.

Die Auseinandersetzungen in Düsseldorf begannen nach der Drohung der Geschäftsleitung, die Arbeitszeiten zu verlängern, Urlaub zu kürzen und Zulagen zu streichen. Die Belegschaft steht seither nicht mehr am Arbeitsplatz, sondern als Streikposten vor der Halle 8 a. Tarifgespräche lehnte die Firmenleitung rigoros ab. Diese Arroganz wurde von den Streikenden mit Geschlossenheit und Unbestechlichkeit beantwortet. Nachdem Einschüchterungen und Drohungen gegenüber der Belegschaft ins Leere liefen, versuchte es das Management mit Fremdfirmen und Streikbrechern von anderen Flughäfen. Diese sollten die Versorgung der Passagiere aufrecht erhalten. Doch auch nach 56 Tagen Streik berichtet Bodenpersonal von LTU immer wieder von Verspätungen bei Abflügen wegen fehlender Essen. Passagiere bekommen abgepackte Kost in Tüten.

Umsatzeinbußen und Vergabe von Aufträgen, Anmietung von Hotelzimmern für Streikbrecher, eine Security-Firma, kamen dem Konzern schon Ende Oktober teurer zu stehen als auf die Forderungen der Streikenden einzugehen.

Statt sich endlich bei den Tarifgesprächen zu bewegen, provozieren die Bosse. Dazu bedienen sie sich einer Sicherheits-Firma aus Krefeld, die Streikposten der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) beschimpft und ihnen Prügel androht. Mit Duldung und aktiver Hilfe dieser Firma fuhr am 18. November ein Streikbrecher aus einem anderen Gate-Gourmet-Standort mit einem LKW rücksichtslos in die Streikenden. Nach Aussagen von Augenzeugen verhielten sich der "privaten Ordnungskräfte" dabei wie Schläger. Immer wieder versuchten sie die Streikenden vom Fahrzeug wegzuziehen und zu verprügeln. Diese blieben standhaft, beschmierten kurzerhand die Frontscheibe des LKWs mit Speiseeis und nahmen dem Fahrer die Sicht. Wegen des Vorfalls wurde jetzt Strafanzeige gestellt. Es sei unerträglich, dass Menschenleben gefährdet würden, hieß es beim NGG-Landesbezirk.

Bei Gate Gourmet stehen deutsche und ausländische Kolleginnen und Kollegen fest zusammen. Täglich bekommen sie Solidaritätsschreiben. Stolz zeigen sie zwei prall gefüllte Aktenordner. Vor dem Frachtzentrum herrscht reger Besuch. Betriebsräte überbringen Spenden für die Streikkasse. Einzelgewerkschaften, DKP und SDAJ bekundeten ihre Solidarität. Bei Redaktionsschluss hatte sich für 1. Dezember der DGB-Vorsitzende Michael Sommer angekündigt. In der nächsten Woche soll eine weitere Demonstration in der Düsseldorfer Innenstadt für mehr Öffentlichkeit sorgen.

Herbert Schedlbauer


Solidaritätsschreiben sind zu richten an die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Region Düsseldorf-Wuppertal, Wiesenstraße 70A/1, 40549 Düsseldorf, Fax 0211 506 695 19


zurück Artikel versenden