unsere zeit - Zeitung der DKP6. Januar 2006

Wirtschaft, Gewerkschaft, Soziales

Streikbrecher besiegt
Der Arbeitskampf bei Gate Gourmet wird breiter

Der Arbeitskampf bei Gate Gourmet in Düsseldorf ging auch zwischen Weihnachten und Neujahr weiter. Am 28. Dezember war der 90. Streiktag erreicht. Für die Geschäftsleitung der Firma Gate Gourmet in Düsseldorf und deren Streikbrecher gab es selbst am Heiligabend keine Ruhe. Nach einem interkonfessionellen Gottesdienst mit einem katholischen, evangelischen und moslemischen Geistlichen und über 80 Teilnehmern wollten 25 Besucher nicht einfach nach Hause. Sie blockierten die Ausfahrt des Airlines-Caterers für zwei Stunden. Sichtbar nervös und ratlos, die Streikbrecher und Fahrer der Lastkraftwagen. Sie mussten mit vollgeladenen LKWs im Innenhof bleiben. Diesmal half auch kein Ruf nach der Polizei. Nach deren anfänglichen Versuchen die Demonstranten einzuschüchtern, verzogen sich die Beamten an den Rand des Geschehens. Die Standfestigkeit der Demonstranten verhinderte die Belieferung von fünf Flugzeugen. Erneut gab es für Passagiere nur Lunchpakete. Für Gate Gourmet selbst erhebliche Verluste wegen Nichtbelieferung der Airlines. Deren Abflugzeiten verzögerten sich um bis zu 45 Minuten. Es war die vierte Blockade in der Woche vor Weihnachten.

Seit dem 7. Oktober streiken in Düsseldorf 85 Beschäftigte beim größten Verpfleger für Luftfahrtgäste. Es geht um 4,5 Prozent mehr Lohn. Gegen den Versuch die Arbeitszeit zu verlängern. Die Geschäftsleitung will eine Kürzung des Urlaubs und die Streichung von Zuschlägen beim Lohn durchsetzen. Obwohl es kaum noch Arbeitstage unter zehn Stunden gibt. Nachdem Anfang Dezember eine tarifliche Einigung erreicht wurde, kam unmittelbar vom Anteilseigner Texas Pacific Group aus den USA ein "No". Die europäische Konzernspitze von Gate Gourmet zog daraufhin die gemachten Zugeständnisse wieder zurück.

Nach Meinung von Uwe Mrasek, Beschäftigter bei Gate Gourmet, wird der Streik jetzt breiter. Das Mitglied der Streikleitung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) weiß wovon er redet. Immer mehr spontane Demonstrationen und Blockaden finden vor der Halle 8a des Frachtcenters am Düsseldorfer Airport statt. Die Streikposten bekommen Unterstützung und Besuch von Demonstranten, die sich vor den Toren des Luftfahrt-Caterer zu einer Informationsveranstaltung versammeln. Teilnehmer von Montagsdemonstrationen sind ebenso dabei, wie Vertreter von Attac, der Linkspartei oder der DKP. So überbrachte der Vorsitzende der DKP, Heinz Stehr, Mitte Dezember solidarische Grüße (siehe UZ vom 16. Dezember) und auch Michael Sommer war bei den Streikenden. Schüler einer Gesamtschule und eines Gymnasiums aus Düsseldorf sprechen mit den Streikenden. In Projektwochen beschäftigen sie sich mit den Forderungen und Gründen des Streiks. So entsteht eine neue Qualität des Arbeitskampfes. Die Unternehmensleitung gerät dadurch zunehmend in Schwierigkeiten. Die Versorgung der Fluglinien LTU, SAS, Deutsche BA, Swiss Air und Turkish Airlines ist oft nur noch durch massiven Polizeieinsatz vor den Toren von Gate Gourmet möglich.

Demonstriert wird seit 15. Dezember auch im Flughafengebäude selbst. Fluggäste sowie Angestellte von LTU werden über die Forderungen der kämpfenden Belegschaft informiert und Aktionen gegen die Fluggesellschaft LTU an deren Schalter und vor den Reisebüros durchgeführt. Gate Gourmet gehörte bis zur Fastpleite der rotweißen Flugzeuge zu dessen Konzern. Die DKP Düsseldorf macht in einer Information darauf aufmerksam, dass sich die Leiharbeitsfirma Goldberg & Avci GmbH als potentieller Streikbrecher betätigt. Inhaber der Firma ist der Duisburger Ausländerbeauftragte Sevket Avci. Vertreter der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) im Duisburger Stadtrat haben Avci aufgefordert, von allen öffentlichen Ämtern zurückzutreten. Die WASG verlangt vom Inhaber der Firma keine Geschäfte mehr mit Streikbrechern zu machen. Dazu heißt es in einem Flugblatt: "Wer in Sonntagsreden die bessere Integration von Migranten fordert und einen Streik für bessere Arbeitsbedingungen be- oder verhindert, der hat in öffentlichen Ämtern nichts verloren."

Für den 6. Januar sind weitere Verhandlungen vorgesehen. Sollten sie zu keinem Ergebnis führen, wird die NGG eine zweite Demonstration in der Düsseldorfer Innenstadt durchführen. Man will Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) mit dem Streik konfrontieren. Dieser hat es bis zum heutigen Tage nicht für nötig gehalten die Streikenden zu besuchen. Geplant ist außerdem für Anfang Januar auch vor der Europazentrale von Gate Gourmet in Zürich zu demonstrieren.

Herbert Schedlbauer


Bild anzeigenDemonstration im Flughafen Düsseldorf. Passagiere werden über die Forderungen des Arbeitskampfes bei Gate Gourmet informiert.

Foto: Schedlbauer


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