unsere zeit - Zeitung der DKP31. März 2006

Diskussionstribüne

Zu Manfred Kaplucks erneuten Entstellungen illegaler FDJ- und KPD-Geschichte

2001 zum ersten und dieser Tage ein weiteres Mal produzierte sich Manfred Kapluck, ehemals Sekretär des Zentralbüros der 1951 verbotenen Freier Deutschen Jugend, Mitglied der illegalen KPD-Führung, dann Präsidiums-Mitglied der DKP und heute "Möchtegern-Berater" des Parteivorstandes der PDS, als die Kompetenz der illegalen FDJ- und KPD-Geschichte. Er tat das auf eine üble Art und mit einem lügnerischen Umgang mit der Wahrheit.

Vor fünf Jahren entblößte sich Kapluck in einer Report-Sendung "Stasi-Kontakte - Neues zu Leben und Tod von Ulrike Meinhof" als "politischer Strippenzieher". Er gab vor, in den 50er Jahren die Studentenzeitschrift "Konkret" gemanagt und bei der Erarbeitung von Fluchtplänen Ulrike Meinhofs in die DDR dabei gewesen zu sein. Das war Unsinn. Das war Geltungssucht. Das konnte man vergessen.

Jetzt überbietet sich Kapluck in Bettina Röhls Familiengeschichte "So macht Kommunismus Spaß! Ulrike Meinhof, Klaus Röhl und Akte Konkret" (Europäische Verlagsanstalt), auszugsweise in "Der Spiegel" vom 13. 3. 06, mit einem Vielfachen an Fragwürdigkeiten, Halbwahrheiten und bewussten Unwahrheiten zur Geschichte der illegalen FDJ und KPD. Diesmal hat er sich zu einem Kronzeugen für die angebliche Unlauterkeit der Bündnispolitik von uns Kommunisten gemacht. Er bestätigt Verleumdungen, die von den Gegnern beider Organisationen in die Welt gesetzt worden sind. Das ist schlimm.

Es ist unverzeihlich, wenn Kapluck prahlt: "Schon 1952 - ich war gerade illegal geworden - haben wir mit den abgetauchten FDJ-Kadern systematisch mit der Unterwanderung des Westens begonnen ... Ich habe nach dem Verbot der FDJ (1951) die zirka 100 illegalen Kader, die wir im Westen undercover (eingeschleust, verdeckt) in der legalen Massenarbeit eingesetzt. Wir schickten unsere Leute zu den Naturfreunden, den Jusos und den Falken. Das Ziel war diese Verbände ideologisch mehr und mehr zu beeinflussen." Diese Definition unseres Ziels unmittelbar nach dem Verbot haut mich um, versagt mir die Stimme und macht mich wütend. Das ist doch eine Brüskierung der vielen tausend FDJlerinnen und FDJler, die den Verband mit großen Opfern in der Illegalität führten. Die angebliche Unterwanderung von Jugendverbänden ist in meinen Augen nichts anderes als verlogene Denunziation. Das ist unverantwortlich.

Es ist infam, wenn Kapluck von sich gibt: "Ich habe den ´Bund der Deutschen´ ins Leben gerufen." Der "Bund der Deutschen für Einheit, Frieden und Freiheit" wurde 1953 in Düsseldorf als eine bürgerlich-demokratische, von fortschrittlichen Persönlichkeiten wie Altkanzler Joseph Wirth und W. Elfes begründet. Der "Bund der Deutschen" lehnte die Remilitarisierung ab und machte die friedliche Wiedervereinigung zu einem seiner Anliegen. KPD und FDJ hatten zu dieser Vereinigung freundschaftliche Kontakte, sie schätzten ihre beiden führenden Politiker. Sie würden sich im Grab umdrehen, wenn sie von einer solchen Behauptung wie der von Kapluck Kenntnis bekämen. Das ist eine beispiellose Brüskierung angesehener Persönlichkeiten, nichts anderes als deren Diffamierung. Das hat in unseren Reihen keinen Platz.

Es ist ausgemacht dumm, wenn sich Kapluck brüstet "ohne mich hätte es die Zeitschrift ´Konkret´ nie gegeben, denn ich war es, der diese verrückte Zeitung bei der SED immer wieder durchgesetzt hat". In ihrer Illegalität der 50er und 60er Jahren pflegten die FDJ und die KPD eine viel beachtete Solidarität mit radikaldemokratischen Studentenbewegungen. Dies auch bei der Förderung einiger ihrer Zeitschriften, auch mit finanziellen Spenden. Das geschah offiziell und inoffiziell, in jedem Fall in Übereinstimmung. Es lag in der Natur der Sache, dass wir am Werdegang der Zeitschrift "Studentenkurier", Geburtsjahr 1955, und dann an dem von "Konkret" teilnahmen.

Zur Natur der Sache von Solidarität gehörte nun mal auch das Reagieren auf solche Begebenheiten wie dieser, die zu dem Hintergrund der von uns ausgehenden Unterstützung gehörten: Die Parteileitung der SPD hatte sich von Bestrebungen im Sozialistischen Studentenbund (SDS) in Frankfurt distanziert, der den Kontakt mit den Studenten der DDR nicht nur auf private Einladungen beschränken möchte. Der Parteivorsitzende Erich Ollenhauer erklärte sinngemäß in einem Telegramm, dass die Bildung einer neuen Studentengruppe in Frankfurt, die eine Fühlungnahme mit offiziellen Studentenvertretern der DDR ablehnt, von der Parteileitung wieder anerkannt würde. Zu gleicher Zeit brach der Ring politischer und freier Studentenverbände und Vereinigungen wegen Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Wehrverfassung und des Kontaktes zwischen Ost und West auseinander.

Wir müssten ja mit dem Klammersack gepudert gewesen sein, wenn wir damals nicht die Chance, zu einem völlig neuen Verhältnis zu den Studenten zu kommen, genutzt hätten. Es müsste uns aber auch der Teufel geritten haben, wenn wir dabei nicht auch ehrliche Partnerschaft verfolgt hätten. Immerhin wurde mit Wahrnehmung dieser Chance auch der Grundstein für ein dauerhaftes Bündnis mit Studentenbewegungen gelegt. Wir gingen auf die Studenten zu und viele Studenten auf uns. Das war eine bis dahin einmalige Geschichtssituation. Sollte das ein Kapluck vergessen haben? Und sollte man der DDR die Nutzung dieser Zeit für die Entwicklung eines neuen Verhältnisses zur westdeutschen Studentenschaft übel nehmen? Es ist eine Geschichte schreibende Sauerei, wenn man heute die von westdeutschen Studenten ausgehenden Wünsche nach DDR-Solidarität in deren angebliche Bevormundung umfälscht.

Was die Tochter von Ulrike Meinhof bewogen hat, aus ihrer Familien-Geschichte eine Aufrechnung der "Schandtaten" zu machen, die die FDJ und die KPD ihrer Mutter und ihrem Vater angeblich angetan haben, vermag ich nicht zu erklären. Wenn sie möglicherweise von uns Kommunisten nichts wissen will, so sollte sie in ihrer familiengeschichtlichen Suche dennoch nicht auf jeden beliebigen Zeitzeugen hereinfallen Wenn sich die PDS von einem solchen Berater wie Manfred Kapluck beglückt fühlt, dann ist das ihr Bier. Ich selbst bin mit ihm politisch fertig. Ich habe Manfred als eine Führungskraft, der die FDJ in Westdeutschland mit vielen Initiativen bereichert hat, gern gehabt. Ich habe seinen Elan im Bemühen um die Aufhebung des KPD-Verbots bewundert. Ich war ihm dankbar für seine verdienstvolle Mitarbeit an der Neukonstituierung und Anfangsentwicklung der DKP. Doch von einem Manfred der Jahre 2001 und 2006 habe ich genug. Aus einem vormals guten Freund ist ein ganz gewöhnlicher Schwadroneur geworden.

Herbert Mies, Mannheim


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