unsere zeit - Zeitung der DKP18. August 2006

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Chancen für die Jugend erkämpfen

Kinder und Jugendliche werden hierzulande um ein sinnvolles Leben betrogen.

2,5 Millionen junge Menschen leben gegenwärtig unter der Armutsgrenze. Sie leben in einem Haushalt, der nicht einmal 50 Prozent des Durchschnittseinkommens erwirtschaftet. Und diese Entwicklung hat sich verschärft, seit über Hartz IV etliche Leistungen nur noch pauschal gezahlt werden. "Ein Kind bekommt für den Schulbedarf nur pauschal 1,35 Euro pro Monat", sagt der Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt in NRW und fügt hinzu: "Armut kann man aber nur mit Bildung überwinden." Bildung wird immer teurer - im Herbst führen viele Länder Studiengebühren ein Und zugleich wird in allen Bundesländern der Rotstift im Jugendbereich angesetzt.

In Kürze beginnt das neue Schul- und Ausbildungsjahr. Was wurde den Jugendlichen seitens der Regierenden und den Unternehmern nicht alles versprochen, ein Ausbildungspakt würde es schon richten. In Wirklichkeit ist die Kluft zwischen betrieblichen Lehrstellen und Bewerbern in diesem Jahr so groß wie seit fünf Jahren nicht mehr. 678 000 Jugendlichen ständen 388 000 betriebliche Ausbildungsplätze gegenüber, hat ver.di errechnet. Der Ausbildungspakt ist gescheitert, sagen wir - aber Kapital und Kabinett berieseln uns allen Fakten zum Trotz mit Erfolgsmeldungen.

In einer Umfrage kamen unlängst 71 Prozent der befragten Jugendlichen zu dem Urteil, dass ihre Berufsaussichten schlechter als vor zehn Jahren sind. Besonders gesucht werden "Praktikanten", die ihre Arbeitskraft den Firmen kostenlos zur Verfügung stellen, die dafür teilweise noch Zuschüsse erhalten und keinerlei Verpflichtungen zu Einstellungen eingehen. Und wenn eingestellt wird, dann ist inzwischen jede zweite Einstellung befristet.

Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sind darum Forderungen nach dem Recht auf Bildung und Berufsausbildung, auf Arbeit, soziale Sicherheit und Gleichberechtigung so aktuell wie heute.

Rolf Priemer


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