unsere zeit - Zeitung der DKP18. Mai 2007

Wirtschaft, Gewerkschaft, Soziales

Kein Ende des Ausverkaufs in Sicht
KarstadtQuelle-Profit sprudelt – Personal soll weiter verzichten

"Es geht weiter aufwärts." So steht es auf der hochglänzenden Umschlagseite des Geschäftsberichtes der KarstadtQuelle AG. Für das Personal muss dies wie Hohn klingen, denn durch Kürzungen beim Lohn und Zusatzleistungen ging es in den letzten Jahren nur abwärts. Auf der Hauptversammlung am 10. Mai gab der Handelsriese in Düsseldorf bekannt, dass er 346 Millionen Euro Gewinn gemacht hat. Angepeilt werden im nächsten Jahr sogar 1,3 Milliarden Euro.

"Jetzt sind wir mal dran", so die erste Reaktion einer Verkäuferin von Karstadt Düsseldorf. Die Äußerung ist nachvollziehbar. Wurde das aktuelle Betriebsergebnis doch maßgeblich durch massiven Personalabbau und immer mehr Arbeitsverdichtung erreicht. Grund ist der 2004 begonnene Kahlschlag. Damals begann der ehemals größte Handelskonzern Europas die Bereiche Logistik an die Posttochter DHL auszugliedern, verkaufte 75 kleinere Warenhäuser an eine Gruppe britischer Investoren. Damit arbeiten von ehemals 100 000 noch 55 000 Beschäftigte bei KarstadtQuelle. Doch wer übrig blieb, hat nicht nur ein höheres Arbeitspensum zu erfüllen, leistet unbezahlte Mehrarbeit. Die Verantwortlichen fahren auch weiterhin Angriffe auf die Löhne. Im Versandlager Leipzig wird jetzt für 8 Euro die Stunde gearbeitet. "Wir werden regelrecht erpresst" erklärt eine dort beschäftigte Kollegin gegenüber der UZ. Thomas Middelhoff, Vorstandsvorsitzender der KarstadtQuelle AG, Jahresgehalt 1,57 Millionen Euro, nennt die Lohnkürzung unbedingt notwendig, damit Wettbewerbsvorteile entstehen. 80 Prozent der Betroffenen hätten bereits "eingewilligt". Der nächste Griff ins Portmonee ist bei Quelle in Fürth und Nürnberg vorgesehen. Dort droht den Beschäftigten im Versand und Call-Center Lohnraub bis zu 300 Euro im Monat.

Arbeitsplätze sind auch bei den Beschäftigten der Neckermann Versand AG gefährdet. Die Aktiengesellschaft kommt nach Vorstellungen der Manager entweder an die Börse oder auf den Verkaufstisch. Beim Ausverkauf des Konzerns ist kein Ende in Sicht. Von Essen werden künftig die Warenhäuser und der Versand geleitet. Durch die Zerschlagung des ehemaligen Warenhauskonzerns und die Gründung zahlreiche Holdinggesellschaften wird es laut Konzernboss auch für Beschäftigte der dortigen Hauptverwaltung eng. Vorgesehen sind nur noch ein "Dutzend Mitarbeiter" wie Middelhoff, betonte.

Die rigorose Umstrukturierung auf Kosten der arbeitenden Menschen sichert Großaktionären wie Madelein Schickedanz oder den Banken die Profite. Für dieses Ziel müssen Arbeiter und Angestellte seit 2004 mit einem "Sanierungstarifvertrag" auf Weihnachts- und Urlaubsgeld, Gehaltserhöhungen und übertarifliche Zulagen bis Ende 2007 verzichten. Der Vorstandsmanager lobte in seiner Rede die "Einsicht" des Personals und der Gewerkschaft ver.di. Zwar sei das mit der Gewerkschaft abgeschlossene Sanierungskonzept inzwischen von anderen Firmen kopiert worden. Middelhoff könne sich aber nicht erinnern, dass es jemals bei anderen Unternehmen eine so lange Laufzeit von 36 Monaten gegeben hätte. Dadurch habe das Einzelhandelsunternehmen "alle Ergebnisse erreicht".

Das Lob des Konzernchefs sollte ver.di zu denken geben. Vor drei Jahren unterschrieb diese bei der Fastpleite des Handelsriesen ohne größere Mobilisierung der Belegschaften die Gesundschrumpfung auf Kosten der Beschäftigten in einem "Sanierungsplan". Verärgerte damit zum Teil Betriebsräte und Angestellte, die so schnell nicht aufgeben wollten. Für Middelhoff und den Vorstand hat sich der Umbau des Konzerns auch persönlich gelohnt. Sie genehmigten sich im Geschäftsjahr 2006/2007 erneut eine Erhöhung. Satte 83 Prozent.

Herbert Schedlbauer


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