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"Die unheilige Sophia" Neuauflage des Romans von Eberhard Panitz | ||||||||
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Der Leser mit Westhintergrund kennt den Roman von Eberhard Panitz im Gegensatz zu seinem Neumitbürger aus der DDR mit größerer Wahrscheinlichkeit nicht. Der Roman erschien erstmalig 1974 in der DDR und wurde dort mit Renate Richter in der Titelrolle verfilmt. Nun ist er leicht überarbeitet, vom Autor mit neuem Prolog und Epilog ausgestattet und von Manfred Wekwerth mit seinen Erinnerungen an die Filmarbeiten nebst entsprechenden Fotos ausgestattet worden. Das Ergebnis ist ein ebenso kompetenter wie liebevoller Einblick in das Kulturschaffen in der DDR. ![]() Eberhard Panitz: Die unheilige Sophia. Verlag Wiljo Heinen.12,50 Euro Erfrischend ungewendet und parteilich beschreibt Eberhard Panitz in seinem Prolog die Ströme der Herren in den Zeiten des Aufbaus und später dann der Abwicklung des Sozialismus in Deutschland: "Damals sind eine Menge Gutsherren, ehemalige Amtswalter, Richter, sonstige Nazis, üble Geschäftemacher und Kriegsverbrecher von ihren Gütern, Posten und aus ihren Häusern gejagt worden, in die sie dann, vier Jahrzehnte lang, nicht die geringste Chance hatten zurückzukehren. Erst nach der Kehrtwende stand die Heimkehr dieser Herrschaften an: So als könne es gar nicht anders sein, zogen sie wieder ostwärts in ihre oder anderer Leute Häuser, Höfe und Ämter ein. Meistens waren das aber deren Kinder und Kindeskinder, Erben oder nur Nachfolger, die sich inzwischen jenseits der Grenze zu würdigen Bediensteten ihrer einstigen Dienstherren hochgedient hatten." In diese Zeit, in der der deutsche Faschismus unter den Schlägen der Roten Armee zusammenbricht, führt uns Eberhard Panitz in das kleine märkische Dorf Sandberg. Wir erleben, wie die "Unheilige Sophia" Gestalt annimmt. Langsam, von einer Episode zur nächsten verdichtet sich der Mythos zu einer schillernden Figur, zweifelsfrei zu einer Frau, irgendwas zwischen Jeanne D´Arc und einer Heiligen, Tschapajew und Robin Hood, zu der "Unheiligen Sophia" eben. Ungemein spannend präsentiert der Autor dem Leser die Puzzleteilchen, mit denen er sich das Bild der Titelfigur legen kann. Wir werden Zeuge einer Geschichte, wie sie sich nur auf dem Gebiet der DDR ereignen konnte: Nach der Befreiung vom Faschismus bauen die Menschen unter dem Schutz der Sowjetsoldaten eine antifaschistische Republik auf. Da werden Fehler begangen, auch Unrecht, manches aus Unwissenheit und manches bewusst. Da gibt es leider auch Raum für Kriminelle, die die antifaschistische Ordnung sabotieren oder sich völlig unpolitisch einfach nur auf Kosten anderer bereichern. In diesen Wirren taucht Sophia auf, wird von der Roten Armee als "komm. Bürgermeisterin" in Sandberg eingesetzt. Damit beginnt ein ziemlich unkonventioneller Aufbau des Sozialismus in Sandberg – auch, aber nicht nur von der schillernden Sophia geprägt. Ein echter Panitz, der mit prachtvoller Sprache, die Akteure menschlichglaubhaft und detaillgetreu zeichnend, eine hintergründige und ungemein spannende Geschichte erzählt. Werner Sarbok | ||||||||