unsere zeit - Zeitung der DKP9. November 2007

Hintergrund

Revolutionäre Perspektive
gegen Kriegspolitik

DKP feierte 90 Jahre Roter Oktober im Berliner "Babylon"

An die 250 DKP-Genossinnen und Genossen, Sympathisanten und SDAJ-Mitglieder begingen in Berlin den 90. Jahrestag des Roten Oktober. "Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte" hieß das Marx-Motto im Kino "Babylon". Das mitreißende Kulturprogramm, gestaltet von Erich Schaffner, Jane Zahn, der Hamburger Gruppe Rotdorn und der kubanischen Gruppe Sincopa untersetzte das ebenso wie der Infomarkt im Foyer.

Mit den ersten Dekreten Lenins wurde eine sozialistische Epoche zur Abschaffung aller Kriege eingeleitet, stellte der DKP-Vorsitzende Heinz Stehr in seinem Redebeitrag fest. Er erinnerte an die legitim erwachsende Bewegung, die Millionen von Menschen im Ringen um ihre Rechte und um Frieden inspirierte. Angesichts der Perspektivlosigkeit der kapitalistischen Gesellschaft und der Kriegslogik des internationalen Finanzkapitals seien auch heute die breite Formierung von Gegenmacht und eine revolutionäre Perspektive unabdingbar. Die DKP hat programmatisch festgeschrieben, "die historischen Erfahrungen unserer Bewegung und des Aufbaus des Sozialismus zu bewahren, wenn wir uns nun unter neuen Bedingungen eine sozialistische Gesellschaft als Ziel setzen."

Prof. Abdulhan Ahtamzian, Vizepräsident der Liga der russisch-deutschen Freundschaft, setzte Bushs treibender Parole zu einem "dritten Weltkrieg" entgegen: "Im Oktober dieses Jahres sagte US-Präsident Bush, er schließe einen neuen Weltkrieg nicht aus. Als alter Historiker darf ich erwidern: In solch einem Fall sind auch neue Revolutionen nicht ausgeschlossen. Jeder Krieg ist eine Krise. Große Krisen sind durch eine große Revolution zu überwinden. Wir sind alle friedliebende Menschen und gerade darum müssen wir wachsam bleiben. Es besteht die Gefahr großer Konflikte um die Verteilung der Rohstoffquellen und Bodenschätze." Der Moskauer Historiker wandte sich gegen antikommunistische Geschichtsfälschungen, die den sozialistischen Charakter der Oktoberrevolution als "Umsturz" und "Verschwörung" verketzern. Sie versteigen sich zur dreisten Lüge, nicht das faschistische Hitlerregime trage die Schuld am Völkermord gegen die Juden, sondern die damalige Regierung der Sowjetunion. Ahtamzian: "Die Ursachen der Revolution sind tief im Innern des Landes zu suchen. Die innere Krise als Folge der Unzufriedenheit der Volksmassen ist die Ursache der sozialen Revolution. So war die Situation 1917 in Russland. Sie war ein spontanes Ereignis, das die Bolschewiki voraussahen und für die Machtergreifung genutzt haben, um das Land aus der Krise zu retten, vor allem aus dem Weltkrieg und dem Chaos. Heute die Revolution dadurch zu erklären, dass der deutsche Kaiser das wollte und dafür Geld gegeben hätte, ist eine zutiefst primitive Sicht."

In Havanna begeht das Volk am 7. November das Oktoberjubiläum. Kubas Botschafter Gerardo Peñalver Portal wies die revisionistische These vom Scheitern der sozialistischen Weltbewegung zurück. Seit der eigenen Revolution vor fast 50 Jahren hat Kuba allen Destabilisierungsversuchen des US-Imperialismus getrotzt und auch die Sonderperiode nach dem Zusammenbruch sozialistischer Staaten in Europa überlebt. Bushs jüngsten Aufruf zu einem Putsch der nationalen Streitkräfte gegen das internationalistisch handelnde Volk führt u. a. der aktuelle 12-Punkte-Regierungsplan ad absurdum. Gerardo Peñalver Portal weiter: "Ich glaube wir stehen in Lateinamerika vor einer Zeit der Revolutionen. Wir müssen unseren Sozialismus unter unseren eigenen Bedingungen entwickeln. Aber für uns sind die Grundlagen dafür die Grundlagen des Marxismus-Leninismus, die Grundlagen der Oktoberrevolution, die Grundlagen der Arbeiterklasse hier in Europa, die auch uns ermöglicht hat auf unserem Kontinent die erste sozialistische Revolution in der westlichen Hemisphäre aufzubauen. Ich sage euch, liebe Genossinnen und Genossen, Kuba wird weiter die Fahne des Sozialismus und Kommunismus hochhalten und wir werden euch nicht enttäuschen." Das kubanische Ensemble "Sincopa" setzte vitale musikalische Ausrufezeichen dahinter.

Für die SDAJ zeigte sich ihr Vorsitzender Michael Grüß vom perspektivischen Anwachsen der sozialistischen Bewegung auch unter Jugendlichen überzeugt. Inspiriert von Bertolt Brechts "Lob der Dialektik" zeigte er Verständnis für die ältere Generation, der die Niederlage des Sozialismus in Europa und die "Hypothek des kommunistischen Erbes" zum Teil noch in den Knochen stecke. Ins Zentrum seiner Ausführungen rückte er die Hypothek des Kapitalismus, der den Jugendlichen das Recht auf kostenlose Bildung, Ausbildung und auf ein Leben in Frieden und sozialer Sicherheit verwehre. Mit Brecht beendete er seinen Beitrag: "An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns. An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird? Ebenfalls an uns. Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich! Wer verloren ist, kämpfe! Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein? Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen. Und aus niemals wird: Heute noch!"

Hilmar Franz

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Text und Melodie: Jane Zahn, 3. 11. 2007


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