unsere zeit - Zeitung der DKP1. Februar 2008

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Ich freue mich diebisch
Interview mit Christel Wegner (DKP),
Landtagsabgeordnete in Niedersachsen

UZ: Liebe Christel, zunächst einen ganz herzlichen Glückwunsch zu deinem Einzug in den niedersächsischen Landtag. Spontan hast du geäußert, du seiest dazu gekommen "wie die Jungfrau zum Kind". Aber so ganz ohne Überlegung hast du doch nicht kandidiert, oder?

Christel WegnerChristel Wegner: Natürlich nicht, entschuldige meine flapsige Bemerkung.

Es kam ja wirklich auf jede Stimme an und so war der Beschluss des BV Niedersachsen richtig, zur Wahl der DIE LINKE. aufzurufen. Das Landeswahlprogramm können wir vertreten und wenn wir nach 5 Jahren in unsere Bilanz aufnehmen können, dass wir einen Beitrag leisten konnten für ein Aufbrechen dieser sozialfeindlichen Politik in Niedersachsen, dann ist das doch positiv!

UZ: In unserem letzten Gespräch hast du darauf hingewiesen, dass es fast 50 Jahre her ist, dass Kommunisten - die beiden Genossen Ludwig Landwehr und Heinz Zscherpe - im niedersächsischen Landtag saßen. Macht das nicht richtig Lust auf die Arbeit?

Christel Wegner: Allerdings! Die bürgerliche Presse beißt sich ja jetzt schon genüßlich in das Thema "DKP-infiltrierte Linke" hinein, da sie natürlich nicht dafür bezahlt werden, sich inhaltlich mit uns oder der DIE LINKE auseinander zu setzen. Und ich freue mich diebisch, sie durch die öffentliche Benennung meiner Parteizugehörigkeit oder ehemaliger Parteiangehöriger gezwungen zu haben zu beweisen, dass es eben in dieser Gesellschaft auch noch die marxistische DKP in diesem Land gibt, die sie so gern totschweigen.

UZ: Mit dem Einzug der Linken ist wohl für Hessen, aber weniger für Niedersachsen gerechnet worden. Wo lagen die Gründe dafür, dass die Linke es geschafft hat und bei euch noch ein wenig besser abgeschnitten hat als beim südlichen Nachbarn?

Christel Wegner: Aus vielen Gesprächen und Veranstaltungen habe ich den persönlichen Eindruck gewonnen, dass die Menschen zum Teil so böse über die rücksichtslosen Angriffe auf die Demokratie, die Sozial- und Rechtsstaatlichkeit sind, dass sie sich nicht mehr von dem Argument abschrecken lassen, die Wahl einer alternativen, kleinen Linkspartei sei eine "verschenkte" Stimme. Und in Hessen vermute ich - aber das wird ja wohl noch analysiert - dass der unsägliche Koch und der Lobbyist Clement dazu beigetragen haben, dass der Wähler es für notwendig hielt die SPD zu stärken.

UZ: Die Schulpolitik hat in Niedersachsen - wie auch in Hessen - eine gewisse Rolle gespielt. Viele Niedersachsen haben sich hier stark engagiert. War das ausschlaggebend? Oder welche Themen waren es sonst?

Christel Wegner: Armut, soziale Ungerechtigkeit, Privatisierung öffentlichen Eigentums. Die Menschen wollen es auch nicht mehr akzeptieren, dass den Unternehmen, die ihnen Billiglöhne zumuten oder die Arbeitsplätze wegnehmen, Steuergeschenke gemacht werden.

UZ: Welche Möglichkeiten siehst du als DKP-Mitglied in deiner neuen Funktion, die Lage der Arbeiterklasse real zu verbessern?

Christel Wegner: Wir brauchen natürlich Vollbeschäftigung bei angemessener, menschenwürdiger Bezahlung! Auf Landesebene wollen wir erreichen, dass das Land selbst im Vergabegesetz Aufträge nur an Firmen vergibt, die einen Stundenlohn von mindestens 8 Euro aufwärts bezahlen. 1-Euro-Jobs gehören abgeschafft und in arbeitsvertraglich geregelte, tariflich bezahlte, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse bei Vereinen, Projekten und Initiativen im Sozial-, Umwelt-, Kulturbereich und für Chancengleichheit für Frauen umgewandelt werden.

UZ: Wie sind dir die Menschen im Wahlkampf begegnet? Wie haben sie auf die Linkspartei und auf dich als Kommunistin reagiert? Welchen Anteil hat unsere Partei an deinem Erfolg?

Christel Wegner: Unterschiedlich. Es gab sehr, sehr viele positive Rückmeldungen, Menschen, die sich ernst genommen fühlten mit ihren Problemen und die uns glaubwürdig fanden, sich für ihre Anliegen einzusetzen. Aber es gab auch das bekennende CDU-Mitglied, der mich für alle Fehler, die dem Sozialismus jemals vorgeworfen werden konnten, persönlich verantwortlich machte. Bei einer erneuten Begegnung zwei Tage später grüßte er mich ausgesprochen zuvorkommend und höflich und brachte sich folgendermaßen in Erinnerung: "Wir haben doch am Sonnabend so nett diskutiert!"

UZ: Du bist Kommunistin und gleichzeitig einer gewissen Fraktionsdisziplin unterworfen. Du weißt um das Primat des außerparlamentarischen Kampfes und bist jetzt Landtagsabgeordnete. Wird das alles unter einen Hut zu bringen sein?

Christel Wegner: Selbstverständlich! Das ist eine Frage der persönlichen Organisation und der vielfältig zugesagten Unterstützung meiner Partei, und der bin ich mir sehr sicher!

Die Fragen stellte
Adi Reiher


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