unsere zeit - Zeitung der DKP12. Februar 2010

Internationale Politik

Das Erdbeben zerstörte ein zerstörtes Land
Haiti wird auch dann noch Hilfe brauchen,
wenn die Kameras wieder weg sind

Gerade einmal 50 Meilen Wasser trennen Haiti und Kuba voneinander, doch die Unterschiede zwischen zwei "Entwicklungsländern" könnten kaum größer sein. Für viele Lateinamerikaner ist Kuba ein Vorbild dafür, was eine Gesellschaft erreichen kann, wenn sie den Menschen gesundheitliche Vorsorge und Bildung ermöglicht und sie von der Sorge um die Zukunft entlastet.

Haiti dagegen bietet ein Bild des menschlichen Elends, verursacht durch viele Jahre einer Wirtschaftspolitik zum Wohl der Eliten, der multinationalen Konzerne und ausländischer Wirtschaftsinteressen.

Dass in Port-au-Prince so viele Menschen am 12. Januar den Tod fanden, kann nicht einfach der Armut angelastet werden. Ein Großteil der Schuld liegt außerhalb Haitis - und besonders bei den USA. Während die internationale Presse sich auf die entsetzlichen Folgen des Erdbebens konzentriert, tritt in den Hintergrund, dass Politik die Armut verursacht hat. Landwirtschaft und Gewerbe des Landes sind systematisch zerstört worden. Noch vor 30 Jahren konnte sich das Land selbst mit Reis versorgen. Aber die Kreditvergabe durch den Internationalen Währungsfonds war verbunden mit der Auflage, die Einfuhrzölle für Getreide zu streichen. Die Insel wurde mit hoch subventioniertem US-amerikanischem Reis überschwemmt, die einheimische Landwirtschaft in die Pleite getrieben. Das Arbonite-Tal, wo einst die Landwirtschaft florierte, hat heute den höchsten Anteil von unterernährten Kindern im Land. Vielen verarmten Familien blieb nichts anderes übrig, als ihre Häuser zu verlassen und in der aus den Nähten platzenden Hauptstadt zu versuchen, sich durchzuschlagen. Hier leben sie eng zusammengepfercht in notdürftigen Behausungen und versuchen zu überleben in einem Land, in dem 50 Prozent der Bevölkerung mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen. Die Einwohnerzahl von Porte-au-Prince ist explodiert.

Die Revolution der Sklaven von 1804 ist Haiti niemals verziehen worden. Seine Geschichte der letzten 200 Jahre ist eine Kette von USA-unterstützten Putschen, Diktaturen und militärischen Interventionen. Die schlimmsten Plünderer des Landes, Vater und Sohn Duvalier, herrschten - gestützt auf ihre Todesschwadronen - von 1957 bis 1986. Der erste demokratisch gewählte Präsident, Jean-Bertrand Aristide, wurde zweimal, zuletzt 2004, weggeputscht: Er hatte es gewagt, einen Mindestlohn zu fordern. Heute stehen die US-Truppen auf der Insel wieder unter Kritik. Hilfsorganisationen erheben den Vorwurf, dass nach dem Beben kostbare Stunden vergeudet wurden, als der Flughafen geschlossen wurde, um US-Truppen ein und US-Bürger auszufliegen. Ohne Zweifel sind deshalb Menschen gestorben.

13 000 GIs stehen jetzt in Haiti. Sie kontrollieren den Flughafen und die Seehäfen. Ihren Befehlshaber, General Ken Keen, bezeichnet das Magazin "Newsweek" als den "De-facto-König" von Haiti. Die Versorgung der US-Truppen ist die Hauptaufgabe des Luftverkehrs von und nach Porte-au-Prince, erst danach kommen die Helfer und die Hilfslieferungen. Sind die Armeeeinheiten da, um zu helfen? Natürlich helfen sie. Aber ist es zynisch, ihre Anwesenheit in so großer Zahl mit den Ölfunden in haitianischen Gewässern in Verbindung zu bringen?

Haiti braucht Hilfe, und zwar jetzt, und es braucht langfristige Unterstützung ohne Soldaten und Fallstricke. Seit 1998 schon unterstützt Kuba das Gesundheitswesen. In den vergangenen 12 Jahren haben 6 094 kubanische Ärztinnen und Ärzte ihren freiwilligen Dienst getan und 14 Millionen Menschen behandelt. 400 kubanische Ärzte erlebten die Schrecken des Erdbebens mit und richteten schon in den Stunden danach zwischen den Ruinen Lazarette ein. Innerhalb von 24 Stunden erreichten weitere

60 Spezialisten für Katastrophenmedizin Haiti, im Gepäck hatten sie Medikamente und Lebensmittel. Zusammen mit 400 haitianischen Ärzten - alle an der Lateinamerikanischen Hochschule für Medizin in Kuba ausgebildet - kämpfen sie auch jetzt noch rund um die Uhr darum, Leben zu retten. Die kubanische Hilfe wird auch dann noch weitergehen, wenn die Fernsehkameras wieder abgezogen sind. Zur Zeit studieren 640 Haitianerinnen und Haitianer als Stipendiaten in Kuba, 570 davon mit dem Ziel, Arzt zu werden.

Hilfe ist nach wie vor nötig. Es gilt aber auch, eine Besetzung Haitis durch die USA zu verhindern und die Souveränität Haitis zu verteidigen.

Manfred Idler


Wir helfen Kuba helfen

Kuba ist das Land, das in den ersten 72 Stunden nach dem schrecklichen Erdbebeben am wirksamsten geholfen hat. Schon seit 1998 leisten Ärzte und medizinisches Personal aus Kuba dem ärmsten Land Amerikas medizinische Hilfe. Deswegen waren seine 400 Ärzte und sein medizinisches Personal sofort an Ort und Stelle.

Da Kuba in Haiti bereits eine medizinische Infrastruktur aufgebaut hatte, war es ihm möglich, Leben zu retten, als sich die Hilfe anderer noch im Stadium der Planung befand.

Die Kubaner errichteten sofort ein Nothospital neben dem vom Erdbeben zerstörten Krankenhaus von Port-au-Prince und ein weiteres Zelthospital in einem anderen schwer getroffenen Teil der Stadt.

Noch am Tag der Katastrophe flogen 60 Ärzte des Kontingents "Henry Reeves" mit Medikamenten, Operationsmaterial, Plasma und Lebensmitteln in das Erdbebengebiet.

Auch wenn die Aktionen für Haiti immer mehr einer Propagandakampagne für die Spendenfreudigkeit der reichsten Länder gleichen, auch wenn die Arbeit Kubas in unseren Medien verschwiegen wird - lassen Sie sich nicht täuschen!

Kuba leistet Hilfe, die wirklich ankommt.

Kubas Ärzte werden noch in Haiti arbeiten, wenn Haiti längst wieder aus den Schlagzeilen verschwunden ist.

Deshalb: helfen Sie Kuba helfen! Das ist die effektivste und nachhaltigste Hilfe überhaupt!

Wir bitten um Spenden unter dem Stichwort "Kuba hilft Haiti" auf das Spendenkonto der DKP Cuba AG: Postbank Köln, DKP Solidaritätsfonds Konto-Nr. 253 52 55 02, BLZ 370 100 50

Bild anzeigenFoto:
Prensa Latina


zurück Artikel versenden