unsere zeit - Zeitung der DKP19. Februar 2010

Internationale Solidarität

Mordverschwörung

Am 27. 1. erhielten wir einen Gruß von Gerardo: Er wünscht allen Freunden in Deutschland ein gutes Neues Jahr und kündigt einen weiteren Brief an.

Bekanntlich soll Gerardo nach wie vor zwei Mal lebenslänglich plus 15 Jahre verbüßen. Die Anklage lautet auf Mordverschwörung wegen "Beteiligung" an dem Abschuss zweier Kleinflugzeuge der Brothers to the Rescue durch kubanische MiGs am 24.2.1996. Der US-Autor und Filmemacher Saul Landau interviewte ihn dazu telefonisch am 1.04.2009. Er recherchierte früher für das State Department und leitet jetzt das "Digital Media Program" an der Polytechnischen Universität in Pomona, Kalifornien.

Auf die Frage, "Hast du bei der Rückkehr Roques eine entscheidende Rolle gespielt?", antwortete Gerardo: "Ja, [...]." Juan Pablo Roque hatte 1992 seinen Überlauf vorgetäuscht, wurde danach von den Brothers to the Rescue rekrutiert und nahm an deren Missionen teil. Roque sagte, sie hätten Angriffe auf kubanische Militärbasen geplant und versuchten gerade Antipersonenwaffen nach Kuba zu schmuggeln und hätten vor, Hochspannungsmasten zu sprengen, um die Energieversorgung zu unterbrechen. Das FBI hatte Roque rekrutiert, um an Informationen über die Brüder zu kommen.

Roque hatte sich am 23. Februar 1996, einen Tag vor dem Abschuss der beiden Flugzeuge, aus Miami nach Havanna abgesetzt. Zwei Tage nach dem Abschuss erschien er im kubanischen Fernsehen und klagte die Brüder an.

Dazu Gerardo: "Die US-Regierung hat versucht, Roques Rückkehr in Zusammenhang mit dem Abschuss der Flugzeuge zu bringen. Das ist absolut falsch. Es ist gut dokumentiert, dass Roques Rückkehr ein Jahr vorher geplant war. Doch diese Verwirrung besteht immer noch. Die Staatsanwaltschaft hat klugerweise einige Verlautbarungen bezüglich Operation Venice - Roques Rückkehr - aus den Beweismitteln entfernt, und erweckte den Eindruck, sie sei Teil der Operation Scorpion, die Operation zur Verhinderung von Verletzungen des kubanischen Luftraums. Ein schönes Beispiel ist eine Botschaft, die ich als Antwort auf eine Anfrage aus Kuba geschickt hatte und besagt, es wäre mir eine Ehre, an einer erfolgreichen Mission, wenn auch nur auf unterster Ebene, teilzunehmen. Aus dem Beweismaterial geht klar hervor, dass sich das auf Operation Venice über Roque bezieht. Die Regierung nutzte das, um zu zeigen, dass ich in den Abschuss der Flugzeuge verwickelt sei, obwohl sie weiß, dass das nichts mit Operation Scorpion zu tun hat. Unsere Richterin wusste das, aber wie dieses System so arbeitet, konnten wir keine Zeit verschwenden und die Sachlage klären. Die Staatsanwaltschaft vermischte vorsätzlich diese beiden Dinge, um eben diese Sachlage zu verschleiern. Kuba wollte Roque zurück in Kuba haben, damit er seine Informationen über die Brüder enthüllen konnte. Aber es konnte nicht rechtzeitig durchgeführt werden und zufällig kehrte Roque zu der Zeit der Abschüsse zurück. Aber es gibt noch eine andere Botschaft im Beweismaterial, nämlich, dass Kuba Roque gesagt hatte, er solle am 23. oder 27. Februar nach Havanna zurückkehren, weil es an diesen Tagen Flüge aus Miami gebe. Und die Flüge der Brüder waren am 24. Februar. Das geht klar aus dem Beweismaterial hervor. Also, wenn Roques Rückkehr mit dem Abschuss der Flugzeuge etwas zu tun gehabt hätte, warum sollten sie ihm dann erzählen, er könne am 27. zurückkehren, wenn doch jeder wusste, dass die Flüge [der Brüder] am 24. stattfinden würden? Dieses Stück des Beweismaterials widerlegt die Behauptungen, Roque hätte etwas mit dem Abschuss zu tun. Aber die Regierung wollte das nicht anrühren, weil das ihrer erfundenen Geschichte schaden könnte. Im wesentlichen sollte Roque reihenweise geheimes Material mitbringen, und das war die Stelle, an der wir unsere Rolle spielen mussten. Aber ich versichere dir, dass die Operation, Roque hinauszubringen, nichts mit dem Abschuss der Flugzeuge zu tun hatte. Es war eine völlig andere Operation, als die, die mit den Brüdern zu tun hatte."

Josie und Dirk Brüning

Gesamtes Interview:
www.miami5.de/informationen/publizisten-090416.html


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