unsere zeit - Zeitung der DKP13. Mai 2011

Marxistische Theorie und Geschichte

"Ein unbelehrbarer
fanatischer Anhänger der KPD"

Zum hundertsten Geburtstag des
Widerstandskämpfers Willi Meyer-Buer

Vor hundert Jahren, am 30. April 1911 wurde der kommunistische Widerstandskämpfer, Fraktionsvorsitzende der KPD in der Bremischen Bürgerschaft und Mitbegründer der DKP im Land Bremen, Willi Meyer-Buer, geboren. Bis zu seinem Tod am 13. Juli 1997 hat er gegen Faschismus und Krieg, für eine Welt des Friedens und des Sozialismus gewirkt.

Er sei ein "unverbesserlicher Kommunist", vor dem die Volksgemeinschaft geschützt werden müsse, donnerte 1934 der Staatsanwalt in Hamm den jungen, von den Folterknechten der Gestapo geschundenen Häftling an. Drei Jahrzehnte später war es ein Staatsanwalt des Landgerichts in Bremen, der beinahe wortgleich die Verurteilung des Angeklagten forderte: Meyer-Buer "ist ein unbelehrbarer, fanatischer Anhänger der KPD". Willi Meyer-Buer ist in Gelsenkirchen-Buer geboren. Mit 20 Jahren wurde er Mitglied des KJVD und der KPD. Bald darauf übergab das deutsche Großkapital Hitler die Macht.

Der junge Kommunist ging in die Illegalität. Als er nach der Verhaftung von der Gestapo bestialisch gefoltert wurde, um ihn zum Reden zu bringen, ist er aus dem Fenster des Vernehmungsraums gesprungen und drei Stockwerke tief abgestürzt. Er überlebte mit einer Wirbelfraktur und schweren inneren Verletzungen. Sieben Jahre verbrachte er in Zuchthäusern und KZ.

Die Solidarität seiner kommunistischen Mithäftlinge, aber auch die Freundschaft mit sozialdemokratischen Leidensgenossen halfen ihm, diese dunklen Jahre zu überstehen wie zugleich seine, z. B. als Kalfaktor im Zuchthaus Münster unter Gefahr für das eigene Leben geleistete Unterstützung für kranke und gefährdete Kameraden, zu deren Überleben beitrug.

Nach der Befreiung vom Faschismus engagierte Willi sich sofort in der Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus, beim Aufbau der KPD und der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes. Er wirkte mit bei der Erarbeitung der Bremer Landesverfassung und in einer Arbeitsgruppe für das Grundgesetz. Seit 1945 gehörte er dem Bremer KPD-Vorstand an, war 1968 Mitbegründer der DKP im Land Bremen und viele Jahre Mitglied des Bezirksvorstands.

Willi Meyer-Buer war ein herausragender kommunistischer Parlamentarier. Von 1946 bis 1959 gehörte er dem bremischen Parlament an, zehn Jahre der Landesbürgerschaft und nach dem Verbot der KPD 1956 noch drei Jahre der Stadtbürgerschaft. In einem schizophrenen Rechtsverdrehungsakt waren die KPD-Abgeordneten ihrer Eigenschaft als Landtagsabgeordnete beraubt worden, konnten aber in der Stadtbürgerschaft ihre Mandate als "Unabhängige Sozialisten" bis zum Ende der Legislaturperiode wahrnehmen.

Für seine Kandidatur als Einzelbewerber bei den Bundestagswahlen 1961 wurde Willi dann zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Als Fraktionsvorsitzender der KPD hat Willi Meyer-Buer mit polemischer Schärfe und vernichtendem Witz manchen Strauß mit Antikommunisten und anderen Widersachern ausgefochten. Er kämpfte von der Parlamentstribüne wie in Aktionen auf der Straße unermüdlich für die Anliegen der Werft- und Hafenarbeiter, der Kriegsopfer, Parzellenbewohner sowie kleinen Haus- und Grundstückseigentümer - die sich z. B. am "Großen Blink" in Bremerhaven dagegen wehrten zugunsten amerikanischer Kasernenbauten vertrieben zu werden. In der Literatur über die Geschichte der Bremischen Bürgerschaft kommen selbst bürgerliche Chronisten nicht umhin, den kommunistischen Abgeordneten und besonders ihrem Fraktionsvorsitzenden zu bescheinigen, die KPD habe "in den fünfziger Jahren die Möglichkeiten der politischen Ausstrahlung vom Podium des Parlaments aus weit über ihre Verhältnisse in Anspruch genommen, ja bis zum letzten ausgenutzt". Der KPD-Fraktionsvorsitzende habe "sicher in der Diktion, routiniert und geschliffen, ja mitunter brillant als Redner" seine Aufgabe erfüllt. Dabei gelang es in dieser Parlamentsarbeit auch an wichtigen Schnittpunkten der Entwicklung - z. B. bei Bürgerschaftsentscheidungen gegen Adenauers Remilitarisierung Übereinstimmungen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten zum Tragen zu bringen. Wesentlichen Anteil daran hatte Willi durch sein im gemeinsamen Kampf während der Nazi-Diktatur entstandenes vertrauensvolles Verhältnis zu vielen Sozialdemokraten, von dem er sich auch nicht durch den Antikommunismus der SPD-Führung in der Zeit des kalten Krieges abbringen ließ. In seiner leider noch unveröffentlichten Autobiographie schreibt Willi Meyer-Buer: "Die Geschichte meiner Partei ist die Geschichte des Kampfes gegen Krieg und Faschismus, verkörpert im Leben überzeugter und opferbereiter Genossen. Ich bin einer von vielen, die durch ihren Widerstandskampf der kommunistischen Partei Deutschlands einen historisch unvergänglichen Namen gegeben haben." Es ist und bleibt die Verpflichtung der heute lebenden und nachfolgenden kommunistischen Generationen, die Erinnerung an den kommunistischen antifaschistischen Widerstand und seine Träger gegen alle Versuche der Geschichtsrevisionisten, ihn zu ignorieren oder zu relativieren, offensiv zu verteidigen und wach zu halten.

DKP Bremen


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