unsere zeit - Zeitung der DKP22. Juni 2012

Internationale Politik

Konzert unter dem Regenbogen
Linker Liedersommer auf der Burg Waldeck

Beim 4. Linken Liedersommer vom 15. bis 17. Juni fehlte nichts - außer dem Sommer. Freidenker und Jenny-Marx-Stiftung hatten mit acht Workshops und einem abwechslungsreichen Kulturprogramm 160 Besucher in den Hunsrück gelockt - wieder mehr als beim letzten Mal, womit sich das stetige Wachstum fortgesetzt hat. Diesmal gab es auch noch einen Überraschungsauftritt am Freitag, überraschend für Gäste wie Veranstalter. Die "Bandbreite" kam nämlich wegen eines Missverständnisses am Freitag statt am Samstag und gab dann auch gleich ein improvisiertes Konzert für die Fans. Dafür bekam DJ Torben denn auch ein Geburtstagsständchen gesungen.

Auch wenn der Workshop von Kai Degenhardt ausfallen musste, weil Kai wegen eines Bandscheibenvorfalls nicht kommen konnte, blieb für alle genügend Stoff zum Lernen und Erfahren. Erich Schmeckenbecher von "Zupfgeigenhansel" referierte über "Romantik im politischen Lied", "Musikandes", chilenische Musiker aus Saarbrücken, über Lieder der Befreiungsbewegung in Lateinamerika, die Singebewegung der DDR wurde von Lutz Kirchner in Vertretung von Michael Letze vorgestellt, und zum Mitwirken luden Johanna Arndt bei ihrem Eisler-Workshop, Reinhard Frankl bei "Liedern zum Zurecht- und Umsingen", Nümmes bei "Straßenrock" und Jane Zahn beim "Politischen Kabarett" ein. Diese vier Workshops traten mit dem Ergebnis ihrer Arbeit auch bei der Abendveranstaltung auf.

Das Programm dieses Konzerts sprengte jeden Rahmen - und wurde deshalb am Sonntag vormittag fortgesetzt. Vom Auftritt der Schalmeienkapelle bis zur Reggae- und Ska-Band "Jelly Toast" wurde mitreißend gesungen, gespielt - und zum Schluss auch noch ausgelassen getanzt. Es fällt schwer, hier Besonderes herauszuheben, schließlich war jeder Beitrag auf seine Art schön. Dennoch verdient Johanna Arndt mit ihrer Interpretation von Eisler-Liedern besondere Erwähnung. Auch mit ihren Erzählungen brachte sie uns diesen Komponisten näher, der mit dem Einheitsfront-Lied und dem Solidaritätslied zwei der wichtigsten internationalen Arbeiterlieder geschrieben hat. Und dann sang die jüngste Workshop-Teilnehmerin, ein 12-jähriges Mädchen, noch auf anmutigste Weise die Kinderhymne: "Anmut sparet nicht noch Mühe".

Da ging bereits die Sonne wieder auf, trotz Regen und Abend. Als endlich der Regen aufhörte und ein wunderschöner Regenbogen den Wolkenhimmel überspannte, war dann auch noch das Lagerfeuer möglich, einer der größten Anziehungspunkte dieses Festivals. Unglaublich, wie sich dort das Liedgut mischte vom Volkslied über spaßiges Selbstgedichtetes, internationalem Liedgut und Arbeiterliedern zu besinnlichen Chansons - irgendjemand griff immer zur Gitarre oder - eine besondere Attraktion! - zum Akkordeon, und immer fielen viele Stimmen ein. So ließ sich die Kälte gut ertragen und auch der Rauch des nassen Holzes.

Bei der Abschluss-Diskussionsrunde wurde dann auch einhellig begeistert gelobt, was die Veranstalter und das Haus auf die Beine gestellt hatten. Ein ganz besonderer Dank galt den "Musikandes", die die Technik gestellt und auch gemacht hatte. Ein nervenaufreibender Job bei einem Programm, das alle 10 Minuten neue Künstler mit neuen Anforderungen auf die Bühne brachte. Und dazu traten sie auch noch selbst auf und spielten und sangen in wunderbar neuer Weise die "Moorsoldaten" und das anrührende letzte Gedicht von Victor Jara, verfasst im Stadion im Angesicht des Todes.

Anregungen gab es auch jede Menge, die Veranstalter versprachen, sie zu prüfen, und baten gleichzeitig um Verständnis, dass nicht jeder Wunsch erfüllt werden kann. Schließlich wurde das alles ehrenamtlich auf die Beine gestellt! Und dann tränenreicher Abschied von den neu gewonnenen und wieder getroffenen Freunden und ein Versprechen auf das nächste Mal.

Jane Zahn


zurück Artikel versenden