unsere zeit - Zeitung der DKP24. August 2012

Theorie und Geschichte

Zum 100. Geburtstag Erich Honeckers

Am 24. August 1912 wurde Erich Honecker in Neunkirchen (Saarland) in einer Arbeiterfamilie geboren. Sein Vater war Bergmann. Erich Honecker hatte drei Schwestern und zwei Brüder. Früh engagierte er sich politisch. Nach seinem zehnten Geburtstag, im Sommer 1922, wurde er Mitglied der Kommunistischen Kindergruppe in Wiebelskirchen, mit 14 trat er dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) bei, 1930 auch der KPD. 1928 wurde er zum Ortsgruppenleiter des KJVD gewählt.

Von seinem Jugendverband wurde er zum Studium an die internationale Lenin-Schule der Kommunistischen Jugendinternationale (1930/31) nach Moskau delegiert. Nach seiner Rückkehr wurde er Bezirksleiter des KJVD Saargebiet. 1933, nach der Machtübertragung an die Hitlerfaschisten wurde er in Deutschland verhaftet, kam aber bald wieder frei.

1934 kam Erich Honecker ins Saargebiet zurück und arbeitete in der Kampagne gegen die Wiederangliederung ans Deutsche Reich. Bei der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 stimmten jedoch 90,73 Prozent der Wählerinnen und Wähler für eine Vereinigung mit Deutschland ("Heim ins Reich"). Am 28. August 1935 reiste er unter dem Decknamen "Marten Tjaden" im Auftrag der Partei illegal nach Berlin, eine Druckerpresse im Gepäck.

Der nur einen Monat ältere Kurt Hager, damals Instrukteur des KJVD, schrieb in seinen Erinnerungen: "Im Spätherbst 1935 wurde Bruno Baum als Verantwortlicher für die Jugendarbeit in Berlin durch Erich Honecker abgelöst. Ich hatte Erich, der aus Moskau gekommen war, in Prag kennengelernt und traf mit ihm nun mehrere Male unter konspirativen Bedingungen in Berlin zusammen. Er konnte jedoch seine illegale Arbeit nur kurze Zeit durchführen. Nach seiner Verhaftung Anfang Dezember 1935 wurde er vom Volksgerichtshof zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Erst in den sechziger Jahren wurden anhand der Prozessakten viele Einzelheiten seiner Verhaftung ersichtlich. Die Gestapo hatte die tschechische Medizinstudentin Sarah Fodorowa beschattet, die mit dem Zug aus Prag kam und einen Koffer mit antifaschistischen Schriften mit sich führte, den sie Erich Honecker übergeben sollte...

Gemeinsam mit Erich Honecker wurden am 4. Dezember 1935 Bruno Baum und sechs weitere Mitglieder des Jugendverbands verhaftet. Sie wurden am 3. Juli 1937 vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt - Bruno Baum zu 13 Jahren Zuchthaus.

Im Herbst 1989 behauptete eine Berliner Illustrierte, Erich Honecker habe Sarah Fodorowa im Prozess schwer belastet. Sie sei nach dem Freispruch in Schutzhaft, dann ins KZ gekommen und durch Gas getötet worden. Die Lüge platzte. Sarah Fodorowa-Wiener meldete sich aus Israel. Sie schrieb u. a. ´Ich bin vom Gericht freigesprochen worden aus Mangel an Beweisen. Dies geschah dank der Aussagen und des Verhaltens von Honecker, der, was mich betrifft, mich nicht belastet noch verraten hat. Im Gegenteil: er hat meine Aussagen bestätigt. Herrn Honecker habe ich im Leben viermal gesehen, davon zweimal auf der Straße, einmal im Kaffeehaus, das vierte mal während des Prozesses. Außer im Gerichtssaal waren unsere Begegnungen sehr kurz. Nach der Freisprechung kehrte ich in die Tschechoslowakei zurück. Dann lebte ich in den USA, wieder in der Tschechoslowakei und seit ungefähr 24 Jahren lebe ich in Israel - also keine Schutzhaft nach dem Gericht, kein KZ, kein Tod durch Gas, wie Sie schreiben´."

10 Jahre seines Lebens verbrachte Erich Honecker im Zuchthaus. Die "besten Jahre". Jahre, in denen man gewöhnlich vielfältige neue Erfahrungen und neues Wissen gewinnt, eine Familie gründet ...

Nach 1945 setzte er sich im Osten des Landes sofort für die neue Ordnung ein, war FDJ-Vorsitzender bis 1955, wurde sehr schnell Kandidat des Politbüros der SED. Von 1955 bis 1957 war er auf der Parteischule in Moskau. Er erlebte also den XX. Parteitag der KPdSU "vor Ort". Nach seiner Rückkehr wurde er bereits 1958 Mitglied des Politbüros, übernahm die Verantwortung für Militärund Sicherheitsfragen.

Am 3. Mai 1971 wurde Erich Honecker 1. Sekretär der SED (ab 1976 Generalsekretär) und löste Walter Ulbricht ab, dessen - manchmal gewiss auch avantgardistischen - Bemühungen um notwendige radikale Wirtschaftsreformen der sowjetischen Führung jener Zeit nicht passten. So wie in den 80er Jahren eben auch nicht die Friedens- und Verständigungspolitik Erich Honeckers ...

Die mit Erich Honeckers Politik verbundenen Auswirkungen der Veränderungen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik der DDR wurden erst in den 80er Jahren so richtig "greifbar". Obgleich im "Ranking" der Industriestaaten in der Welt immer noch weit vorn, sank die Effektivität der DDRVolkswirtschaft dramatisch. Die Gesellschaft stagnierte, die Unzufriedenheit wuchs.

Hier ist nicht der Platz, mehr über diese Entwicklungen und die vielfältigen Ursachen der Ereignisse von 1989 zu schreiben. Festzuhalten aber wäre, dass der Kommunist Erich Honecker vor allem in seinen letzten Jahren - wie er selbst schrieb - "das reale Leben im Lande in der letzten Zeit nicht mehr unmittelbar wahrnahm. Ich täuschte mir etwas vor und ließ mir oft etwas vortäuschen." (Quelle: Erich Honecker zu dramatischen Ereignissen, W. Runge Verlag Hamburg, 1992). Seine Ablösung im Oktober 1989 war folgerichtig.

Der darauf folgende Umgang mit ihm und anderen Genossen war jedoch völlig unwürdig, ja erbärmlich. Das war und ist ein bleibender Vorwurf an die SED/PDS, die noch im Winter 1989 mit hehren Zielen angetreten war. Der bereits schwer kranke Erich Honecker und seine Frau verloren Anfang 1990 sogar ihre Wohnung, wurden geächtet. Ein Pfarrer nahm sie - in den Lobetaler Anstalten - zeitweilig auf. Später lebten sie im sowjetischen Militärhospital in Beelitz, dann in Moskau.

Am 29. Juli 1992 wurde Honecker in Untersuchungshaft im Krankenhaus der Berliner Vollzugsanstalten in Berlin-Moabit genommen. Im sogenannten 1. Politbüroprozess schied er wegen seiner schweren Erkrankung aus.

Erich Honecker starb im Exil am 29. Mai 1994 in Santiago de Chile.

red


Reflexionen des Genossen Fidel
Haltungen, die man nicht vergisst

Der revolutionärste Deutsche, den ich je kennen gelernt habe, war Erich Honecker.

Jeder Mensch lebt in seiner Zeit und Epoche. Die jetzige ist unendlich wechselhaft, wenn man sie mit jeglicher vorheriger vergleicht. Ich hatte das Privileg, sein Verhalten zu beobachten, als er bitterlich die von jenem eingegangene Schuld abbezahlte, welcher seine Seele für einige wenige Milliliter Wodka dem Teufel verkauft hatte.

Ich bewahre Honecker gegenüber ein Gefühl der im höchsten Grade tiefgründigen Solidarität.

Fidel Castro


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