unsere zeit - Zeitung der DKP22. Februar 2013

Hintergrund

Bleibendes Vorbild: Fritz Teppich
Zum ersten Todestag eines Kommunisten, der
fast den ganzen Spanienkrieg mitkämpfte

Fritz TeppichFritz Teppich, November-Jahrgang 1918 und letzter deutscher Spanienkämpfer, starb am 25. Februar 2012 in Berlin. Fest verwurzelt in der Friedenskoordination Berlin und mit dem von ihm initiierten Potsdamer Dokumentationszentrum über den Spanienkrieg, unterhielt er noch mit 94 Jahren aktive politische und persönliche Beziehungen ins Baskenland.

Die Berliner Friko, wie sie in Kurzform heißt, ging aus der Friedensinitiative Wilmersdorf hervor, die Fritz in den siebziger Jahren initiiert und geprägt hatte. Sie war fester Teil der westdeutschen Friedensbewegung, die mit millionenfacher Unterstützung die Bundesregierung, den Bundestag und letztlich die NATO zur Beendigung des atomaren Wettrüstens aufforderte. Heute ist die Friko Teil der Protestaktionen gegen NATO-Kriegseinsätze in aller Welt und gegen geheimdienstliche Destabilisierungsversuche von demokratischen Bewegungen. Im November 2012 erinnerte sie mit einer Veranstaltung an ihr Vorbild, den Kommunisten jüdischer Herkunft ohne Parteibuch.

Fritz Teppich hat den Kampf gegen kapitalistische Restauration, den Wiederaufstieg von alten Nazis und die schon früh vorbereitete Stationierung von Atomsprengköpfen in Westdeutschland u. a. auch im Ausland, als Journalist für die DDR-Presseagentur ADN, begleitet. Mit einer persönlichen, Aufsehen erregenden Kampagne in Berlin ab Mitte der achtziger Jahre bis 1994 erzwang er von privaten Hotelbetreibern am Kurfürstendamm, die den Namen der unter dem deutschen Faschismus enteigneten jüdischen Inhaber-Familie Kempinski fortführen, einen halbherzigen öffentlichen Hinweis zur geschäftlichen "Arisierung" 1938 und auf die folgende physische Vernichtung der Kempinskis einschließlich ihres Verhandlungsführers Dr. Walter Unger (ermordet 1944). Den juristisch abgesicherten Erwerb des Rechts auf die aktuelle Weiterverwendung des Namens Kempinski weltweit hat Fritz Teppich als "zweite Arisierung" gebrandmarkt. Sein beharrliches Engagement für demokratische Rechte und Frieden ordnete der Berliner stets in politisch tiefgreifende Zusammenhänge ein. Beachtlichen Rückhalt verschaffte er sich mit unbequemen Änderungsanträgen seines Seniorenausschusses auf einem Gewerkschaftstag der HBV. Auf dem Höhepunkt des Widerstands gegen den Raub des DDR-Volkseigentums 1992/93 beteiligte er sich unmittelbar am dreiwöchigen Hungerstreik der Kalikumpel in Bischofferode. Seine lebenslang weitergegebenen Erfahrungen aus dem antifaschistischen Kampf in Spanien 1936-39 stützt das Bilderlesebuch zur 1986er Ausstellung "Spaniens Himmel" in Kreuzberg. Für die Nachzeichnung der republikanischen Verteidigung in 32 Stationen hatte Fritz Teppich Originaldokumente von den Entscheidungskämpfen der Volksfront und der Internationalen Brigaden beschafft.

Erahnbare Gernika-Tragödie hinter Rauchpilzen

Als Fritz Teppich noch nicht 18-jährig im September 1936 unter dem Namen Alfrede T. Salutrégui freiwillig in die Spanisch-Republikanische Armee eintrat, hatte er vier Lehr- und Praxisjahre in der Hotellerie der Exilländer Frankreich und Belgien hinter sich.

Mit der Union Socialiste Anti-Fasciste stand er zunächst den Verteidigern der Spanischen Republik im Grenzgebiet zu Frankreich bei. Im Baskenland war er im März/April 1937 an der Abwehr der faschistischen Großoffensive gegen die 1936 vom Volk errungene Autonomie beteiligt. Ende April erlebte er im Alarmzustand an der Luftabwehrkanone aus einiger Entfernung das Grollen der herannahenden deutschen "Legion Condor" auf Gernika mit. "In der küstennahen Ferne alsbald braunschwarze Rauchpilze, die wild durcheinander aufplatzten, sich zu einer immensen Höllenwolke verbanden", erinnerte er sich in der Autobiografie "Der rote Pfadfinder". "Ich suchte Gernika zu erahnen, mir kamen die Tränen. Uns mied die Bande; Schonung, die ich verfluchte. Keine Möglichkeit, unsere Oerlikon ballern zu lassen. Hilfloses Bangen um mein Mädchen, um die Menschen des friedlichen Landstädtchens. Die Luftwaffe hatte sich den wöchentlichen Markttag ausgesucht, an dem es besonders viel zu töten gab." Den Verrat eines zum Feind überlaufenden Erbauers des "Eisernen Rings" vor Bilbao, der vom Norden bis zum Süden der Provinz Viscaya reichte, hatten "die vaterlandsverschworenen Basken" nicht für möglich gehalten. Die Faschisten schlugen mit doppelter Brutalität zu. Sie überwanden die mit Beton-Waffennestern gespickte Zementlinie und besetzten Bilbao am 19. Juni 1937. Mit dem Fall des Baskenlands wurde die baskische Sprache umgehend verboten.

Ankommende Interbrigadisten lernte Fritz Teppich im Spätsommer 1937 kennen, darunter nicht wenige jüdische Kämpfer wie er selbst. Er unterstützte aber den Aufbau einer baskischen Armee im katalonischen Figueras mit Ausbildung und Organisation. Adjudant mit gerade einmal 20, wurde er bald Chef der 5. Stabsabteilung in der 11. Division, die aus dem 5. (kommunistischen) Miliz-Regiment des XXII. Armeekorps hervorgegangen war. "Seit Terruel (der erfolgreichen militärischen Befreiungsoffensive, HF) mit an der Korpsspitze, Schlacht auf Schlacht", erinnert er sich später, "schreckliche Blutbäder, zuletzt 1938/39, weihnachtliche Extremadura-Offensive zur Entlastung des bedrängten Katalonien.

Dort, fern von uns, versagte zu unserem Entsetzen erneut das Gros der katalanischen Verbände, Barcelona wurde (am 26. Januar 1939, HF) kampflos geräumt". Während die Interbrigaden auf Betreiben des Londoner "Nichteinmischungsausschusses" ab November in Demobilisierungslager abzogen, beließen die deutschen und italienischen Faschisten dort ganze Geschwader und Divisionen, dazu Kolonialtruppen und Fremdenlegion. "Das erschütterte mich um so mehr, als zuvor meist aus kommunistischen Milizen hervorgegangene spanische Einheiten und vor allem auch die Interbrigaden mit der Ebro-Offensive unter hohen Blutopfern eine längere Frist für Abwehrvorbereitungen herausgeschunden hatten.

Solange die Republik widerstand, eine stützende Macht hinter Frankreichs Rücken bildete, konnte die Reichsregierung nicht ihren Krieg beginnen. Immer noch hofften wir, die Westmächte würden von ihrem Münchner Schachzug abrücken, der darauf hinauslief, der Achse den Ostweg freizugeben."

Westalliierte und Verräter setzen auf Franco

Fritz Teppich, "spanischer" Verteidiger alias A. T.Salutrégui, entschied sich in der Zentralregion, einer "potenten Bastion", zu bleiben. Da brachte die März-Verschwörung die Niederlage der Republik: "Mit der Kapitulation Casados und Meras (Anarchistenkommandeur, HF) war unsere Front in wenigen Stunden ins Nichts zerfallen."

Der Oberkommandierende Casado hatte die loyalen Republikverbände vor Madrid niederkartätschen lassen, um den Truppen der Franco-Junta im Einverständnis mit Paris und London den kampflosen Einzug in die Hauptstadt zu ermöglichen. Am 29. März 1939 begannen sie sofort mit blutigem Terror gegen Kommunisten, Anarchisten, Sozialdemokraten, Liberale und Berufsoffiziere. Während London sein Versprechen brach, republikanische Offiziere und Regierungsmitglieder über Alicante auszuschiffen, erhielt Casado aktive Fluchthilfe. Am 6. Juni 1939 zog die deutsche Legion Condor in großer Parade durchs Brandenburger Tor. "Nur Monate danach löste die Reichsregierung, zuerst einmal mit dem Überfall auf das schwache Polen, den zweiten Weltkrieg aus."

Indes suchte Fritz Teppich auf einsamen Wegen ausgehungert nach Frankreich zu gelangen. Knapp vor der Grenze wurde er verhaftet und in San Sebastian eingesperrt. Mutige Arbeiterinnen verhalfen ihm schließlich zur abenteuerlichen Flucht über die Grenze. Eine Zwischenetappe in Brüssel und Internierung in Frankreich schlossen sich an. Von dort flüchtete er versteckt über 2 000 Kilometer zurück durch Spanien nach Portugal. Bis zur Ausschiffung ins zerstörte Deutschland 1945 wurde er in Ericeira festgehalten.

Die baskische Organisation Askapena und Ahaztuak 1936-1977 verlieh Fritz Teppich 2012 ihre Ehrenurkunde. Helmut Teppich nahm sie für seinen verstorbenen Vater entgegen.

Hilmar Franz

Foto: Senft


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